Blockade der Straße von Hormus: Öl-Experte warnt vor schweren Folgen für Deutschland
Der Krieg im Nahen Osten hat direkte Auswirkungen auf die deutsche Wirtschaft. Die Sperrung der wichtigen Handelsroute Straße von Hormus im Persischen Golf führt zu erheblichen Störungen im weltweiten Ölhandel. Carsten Fritsch, ein renommierter Erdölexperte, erklärt im Gespräch mit unserer Redaktion, warum die Lage so angespannt ist und welche Risiken für Deutschland bestehen.
Massive Ausfälle am Ölmarkt
Seit etwa anderthalb Wochen fehlen am globalen Ölmarkt täglich bis zu 20 Millionen Barrel. Das entspricht rund 20 Prozent des weltweiten Angebots. „Das reißt eine ordentliche Lücke in den Ölmarkt und führt zu einer Verteuerung“, so Fritsch. Obwohl Deutschland kein großer Bezieher von Öl aus der Region ist, kann sich die hiesige Wirtschaft dennoch nicht von den Folgen freimachen.
Asiatische Länder, die besonders stark von den Ausfällen betroffen sind, müssen sich Öl anderweitig am Markt besorgen. Dies führt zu einer Verknappung auch außerhalb Asiens und treibt die Preise weiter in die Höhe. Die Internationale Energieagentur (IEA) hat bereits zwölf Tage nach Kriegsbeginn 400 Millionen Barrel Öl aus Notfallreserven freigegeben – die bisher größte Freigabe strategischer Reserven.
Folgen für Verbraucher und Unternehmen
Die steigenden Ölpreise wirken sich unmittelbar auf den Spritpreis an deutschen Tankstellen aus. Verbraucher spüren die Belastung deutlich an der Zapfsäule. Besonders betroffen ist jedoch die Transportbranche, die mit höheren Betriebskosten kämpfen muss. Unternehmen sehen sich mit gestiegenen Logistikkosten konfrontiert, was sich auf die gesamte Wirtschaft auswirken kann.
Das Worst-Case-Szenario
Carsten Fritsch skizziert ein alarmierendes Szenario: „Wenn der Krieg noch länger andauert und die Sperrung der Straße von Hormus fortbesteht, bleibt der Ölmarkt für längere Zeit angespannt. Die strategischen Reserven verpuffen dann.“ Die Dauer des Konflikts ist entscheidend. Ein paar Monate könne man noch überbrücken, aber deutlich länger sollte es nicht dauern.
Die Hoffnung liegt auf einem schnellen Ende des Krieges. Sollte die Straße von Hormus wieder passierbar werden und die Länder der Region ihre Produktion erhöhen können, könnten die Preise an den Rohstoffbörsen innerhalb weniger Tage auf das Vorkriegsniveau zurückfallen. Bis dahin bleibt die Lage für die deutsche Wirtschaft angespannt und von weiteren Entwicklungen im Nahen Osten abhängig.



