Ölpreis-Explosion: Straße von Hormus blockiert - G7 erwägt Notfall-Reserven
Ölpreis-Explosion: Hormus blockiert - G7 plant Notfall-Reserven

Ölpreis erreicht Rekordmarke: Blockade der Straße von Hormus löst globale Energiekrise aus

Die globalen Energiemärkte erleben derzeit eine beispiellose Turbulenz. Die Ölpreise haben aufgrund des anhaltenden Krieges im Nahen Osten ihren Höhenflug fortgesetzt und erstmals seit dem Jahr 2022 die psychologisch wichtige Marke von 100 US-Dollar pro Barrel übersprungen. Seit mehr als einer Woche sind die internationalen Handelsströme nach den militärischen Angriffen der USA und Israels auf den Iran massiv beeinträchtigt.

Strategische Meerenge faktisch geschlossen

Der Transport von Rohöl aus den Förderregionen am Persischen Golf durch die kritische Straße von Hormus ist praktisch zum Stillstand gekommen. Diese strategisch äußerst wichtige Meerenge zwischen dem Iran und Oman spielt eine zentrale Rolle für den weltweiten Ölhandel. Im Jahr 2023 wurden durch diese Passage nahezu 30 Prozent des global verschifften Rohöls transportiert, was etwa einem Fünftel des weltweiten Gesamtbedarfs entspricht.

Einem aktuellen Bericht der renommierten „Financial Times“ zufolge beraten führende westliche Industriestaaten der G7 nun über eine mögliche Freigabe von strategischen Erdölreserven, um den rapiden Anstieg der Ölpreise auf dem Weltmarkt zu bremsen und eine weitere Eskalation zu verhindern.

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G7 plant massive Freigabe von Notfallreserven

Wie die „Financial Times“ unter Berufung auf informierte Kreise detailliert berichtet, streben die Vereinigten Staaten eine gemeinsame Freigabe von Reserven der G7-Staaten in einem Umfang von 300 bis 400 Millionen Barrel an. Diese Menge würde einen beachtlichen Anteil von etwa 25 bis 30 Prozent der gesamten strategischen Reserven der G7-Länder ausmachen, die auf insgesamt 1,2 Milliarden Barrel geschätzt werden.

Zum besseren Verständnis der Dimensionen: Der weltweite tägliche Verbrauch von Rohöl liegt bei ungefähr 100 Millionen Barrel pro Tag. Die geplante Freigabe würde somit dem globalen Bedarf für drei bis vier Tage entsprechen.

Marktreaktion und Preisentwicklung

Allein die Veröffentlichung des Berichts der „Financial Times“ hat bereits ausgereicht, um den zuvor ungebremsten Anstieg der Ölpreise spürbar zu dämpfen. Nachdem der Preis für die Nordseesorte Brent in der Nacht zum Montag zeitweise bis auf fast 120 Dollar je Barrel gestiegen war, hat er einen Teil dieser spektakulären Gewinne wieder abgegeben.

Am Vormittag wurde Brent-Öl bei etwa 105 Dollar gehandelt. Dennoch liegt der aktuelle Preis immer noch über 40 Prozent höher als vor Beginn der militärischen Angriffe auf den Iran. Diese dramatische Entwicklung verdeutlicht die extreme Volatilität und die angespannte Lage auf den globalen Energiemärkten.

Experten warnen vor langfristigen Folgen

Entscheidend für die weitere Preisentwicklung ist vor allem eine Frage: Wie lange wird die Blockade der Straße von Hormus andauern? „Je länger diese kritische Passage geschlossen bleibt, desto mehr Produktionskapazitäten müssen in der gesamten Region voraussichtlich heruntergefahren werden“, heißt es in einer aktuellen Einschätzung des traditionsreichen Bankhauses Metzler.

Der renommierte Rohstoffexperte Warren Patterson, Leiter der Rohstoffstrategie bei der ING Bank, warnt deutlich: „Solange kein Öl durch die Straße von Hormus transportiert werden kann, werden die Ölpreise weiter steigen.“

Allerdings gibt es derzeit keinerlei Anzeichen für ein baldiges Ende des Konflikts im Nahen Osten und der damit verbundenen massiven Beeinträchtigungen bei der Lieferung von Energierohstoffen. Mit den jüngsten Äußerungen von US-Präsident Donald Trump, der vom Iran eine bedingungslose Kapitulation gefordert hatte, und der Ernennung des Hardliners Modschtaba Chamenei zum neuen iranischen Führer „nehmen die Risiken für ein längeres Andauern der Krise weiter zu“, betont eine aktuelle Analyse der Dekabank.

Deutschlands Rohölversorgung im Fokus

Für Deutschland stellt sich die Situation etwas differenzierter dar. Die Bundesrepublik bezieht ihr Rohöl überwiegend nicht aus dem Nahen Osten. Nach aktuellen Angaben des Statistischen Bundesamts stammten im Jahr 2025 lediglich 6,1 Prozent der deutschen Rohölimporte aus dieser Region.

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Konkret betrifft dies Lieferungen aus dem Irak, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Saudi-Arabien. Das entsprechende Liefervolumen belief sich auf 4,6 Millionen Tonnen von insgesamt 75,7 Millionen Tonnen Rohöl, die nach Deutschland importiert wurden. Andere Staaten des Nahen Ostens wie Oman, Katar, Kuwait oder der Iran lieferten im Jahr 2025 überhaupt kein Rohöl nach Deutschland.

Der mit Abstand wichtigste Rohöllieferant für Deutschland ist Norwegen mit einem Anteil von 16,6 Prozent an den Gesamtimporten. Knapp dahinter folgen die Vereinigten Staaten mit 16,4 Prozent. Das drittwichtigste Bezugsland ist Libyen mit einem Anteil von 13,8 Prozent. Weitere bedeutende Lieferanten sind Kasachstan und Großbritannien.

Marktgleichgewicht massiv gestört

In den vergangenen Monaten hatte die erweiterte OPEC+ mehrfach ihre Produktionsmengen angehoben und damit Sorgen vor einem Überangebot auf dem Weltmarkt geschürt. Dies war auch einer der wesentlichen Gründe, warum die Ölpreise in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahres tendenziell gefallen waren. Noch im Dezember wurde Öl der Nordseesorte Brent bei etwa 60 Dollar je Barrel gehandelt.

Mit dem spektakulären Preissprung seit Beginn des Iran-Krieges könnte jedoch selbst das derzeit hohe Angebot nicht ausreichen, um die Ölpreise wieder auf das Niveau des vergangenen Jahres zu drücken. Der aktuelle Höhenflug beim Ölpreis ruft zahlreiche Ökonomen auf den Plan, die vor erheblichen Risiken für die globale wirtschaftliche Entwicklung warnen – mit spürbaren Auswirkungen auch für Deutschland. Entscheidend für die weitere Entwicklung wird vor allem die Dauer des Konflikts im Nahen Osten sein.