Ölpreise erreichen fast vierjährige Höchststände durch anhaltende Spannungen
Knapp zwei Wochen nach Beginn des Krieges im Iran zeichnet sich auf dem globalen Ölmarkt keinerlei Entspannung ab. Im Gegenteil: Die Preise für Rohöl notieren weiterhin auf einem Niveau, das zuletzt vor fast vier Jahren erreicht wurde. Ein Barrel der Nordseesorte Brent kostete zuletzt knapp 102 US-Dollar und damit deutlich mehr als in den Vorkriegswochen.
Iran nutzt strategische Meerenge als Druckmittel
Der neue oberste Führer des Iran hat deutlich gemacht, dass die etwa 55 Kilometer breite Straße von Hormus weiterhin als politisches Druckmittel genutzt werden soll. Diese Meerenge zwischen dem Iran und dem Oman gehört zu den wichtigsten Seerouten des internationalen Ölhandels – laut Internationaler Energieagentur (IEA) floss im vergangenen Jahr ein Viertel des weltweit verschifften Öls durch diese Passage.
Die aktuelle Situation wird von der IEA als „größte Versorgungsstörung in der Geschichte des globalen Ölmarktes“ bezeichnet. Die Schifffahrt in der Region ist durch die Gefahr iranischer Raketen und Drohnen nahezu komplett zum Erliegen gekommen. Medienberichte deuten zudem darauf hin, dass der Iran Teile der Meerenge möglicherweise vermint haben könnte.
Angriffe auf Energiesektor im Persischen Golf
Die iranischen Streitkräfte haben ihre Angriffe auf die Energiewirtschaft wichtiger Förderstaaten in der Region intensiviert. Unter anderem wurden im Oman Treibstofftanks im Hafen von Salala angegriffen, mutmaßlich von iranischen Drohnen. Mit diesen Attacken verfolgt Teheran das Ziel, die Kosten des Krieges für die Angreifer in die Höhe zu treiben.
Schiffe im Persischen Golf, der Straße von Hormus und dem Golf von Oman geraten regelmäßig unter Beschuss. Diese Entwicklung hat zu erheblichen Lieferengpässen geführt und treibt die Ölpreise kontinuierlich nach oben.
Begrenzte Möglichkeiten internationaler Gegenmaßnahmen
Die Internationale Energieagentur hatte zwar bekanntgegeben, eine Rekordmenge von 400 Millionen Barrel strategischer Ölreserven freizugeben, doch diese Maßnahme verpuffte bisher an den Märkten. Die USA als größter Beitragender mit 172 Millionen Barrel wollen erst kommende Woche mit der Auslieferung beginnen – bis zur vollständigen Bereitstellung könnten bis zu 120 Tage vergehen.
US-Präsident Donald Trump steht unter besonderem Druck, da steigende Benzinpreise im Vorfeld der wichtigen Zwischenwahlen im November politisch problematisch sind. Zwar bot Trump Reedern an, ihre Schiffe versichern und notfalls von der Marine eskortieren zu lassen, doch US-Energieminister Chris Wright räumte ein: „Wir sind einfach noch nicht bereit.“
Erst Ende des Monats könnte diese Eskortierung mit einigen Schiffen möglich sein. US-Finanzminister Scott Bessent zeigte sich überzeugt, dass die US-Marine dies so bald wie militärisch möglich umsetzen werde – möglicherweise in Zusammenarbeit mit einer internationalen Koalition.
Langfristige Auswirkungen auf den globalen Ölmarkt
Die anhaltenden Spannungen im Persischen Golf haben bereits jetzt zu erheblichen Verwerfungen auf dem globalen Ölmarkt geführt. Experten befürchten, dass sich die Situation weiter verschärfen könnte, sollte der Iran seine Blockadepolitik fortsetzen. Die Freigabe strategischer Reserven durch die IEA-Mitgliedsländer wird als wichtige, aber begrenzte Gegenmaßnahme bewertet, die den grundlegenden Angebotsengpass nicht kurzfristig beheben kann.
Die internationale Gemeinschaft steht vor der Herausforderung, eine Balance zwischen diplomatischem Druck und militärischen Schutzmaßnahmen zu finden, um die lebenswichtige Ölversorgung wieder zu stabilisieren. Bis dahin müssen Verbraucher und Industrie weltweit mit weiterhin erhöhten Energiepreisen rechnen.



