Magnetfusionskraftwerke: Deutschlands Energiezukunft zwischen Bayern und Hessen
Magnetfusionskraftwerke: Energiezukunft zwischen Bayern und Hessen

Magnetfusionskraftwerke: Deutschlands Energiezukunft zwischen Bayern und Hessen

Proxima Fusion, der Freistaat Bayern und der Energiekonzern RWE haben eine Absichtserklärung unterzeichnet, um das erste deutsche Magnetfusionskraftwerk zu realisieren. Das ambitionierte Projekt tritt in direkte Konkurrenz zu einem Laserfusionsvorhaben in Hessen, das von Focused Energy vorangetrieben wird. Beide Initiativen zielen darauf ab, Deutschland an die Spitze der Fusionsenergie-Entwicklung zu bringen.

Zwei Technologien im Wettstreit

Seit Jahrzehnten arbeiten Wissenschaftler an der Nutzung der Kernfusion zur Energiegewinnung, bei der Wasserstoffkerne zu Helium verschmelzen und immense Energiemengen freisetzen. In Deutschland haben sich zwei technologische Lager gebildet: Proxima Fusion, eine Ausgründung des Max-Planck-Instituts für Plasmaphysik, setzt auf Magnetkäfige zur Kontrolle des Fusionsprozesses. Parallel entwickelt das paneuropäische Konsortium Gauss Fusion ähnliche Stelleratoren.

Auf der anderen Seite stehen Marvel Fusion aus München und Focused Energy aus Hessen, die Lasertechnologie einsetzen wollen. Focused Energy plant bereits für 2035 ein funktionsfähiges Kraftwerk auf dem Gelände des ehemaligen Atomkraftwerks Biblis, das mehr Energie erzeugen soll, als es verbraucht.

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Standorte und Partner

Proxima Fusion hat Gundremmingen in Bayern als Standort für sein Magnetfusionskraftwerk vorgesehen. RWE, das dort ein stillgelegtes Kernkraftwerk zurückbaut, bringt Betriebserfahrung und Genehmigungsknow-how ein. Zunächst entsteht jedoch ein Demonstrator in Garching bei München, unterstützt von einem Konsortium aus 30 Industrieunternehmen wie Bilfinger, Siemens Energy und Trumpf.

Interessanterweise engagieren sich viele dieser Unternehmen gleichzeitig in Laserfusionsprojekten, was die breite industrielle Unterstützung für Fusionsenergie unterstreicht. Thomas Forner, Co-Gründer von Focused Energy, betont: „Fusionsenergie kann die nächste deutsche Leitindustrie werden.“

Politische und finanzielle Rahmenbedingungen

Die Bundesregierung hat den Bau des ersten Fusionskraftwerks im Koalitionsvertrag verankert und durch die Hightech-Agenda Deutschland bekräftigt. Aktuell läuft eine Ausschreibung zur Vergabe von Fördermitteln für je ein Laser- und ein Magnetfusionsprojekt. Die Finanzierung ist komplex: Proxima Fusion plant ein Co-Finanzierungsmodell mit 20 Prozent privaten Investoren, einer Beteiligung von RWE und bis zu 400 Millionen Euro vom Freistaat Bayern bei entsprechender Bundesförderung.

Die Kosten für ein erstes Demonstrationskraftwerk werden auf einen zweistelligen Milliarden-Euro-Betrag geschätzt. Die Hoffnung der Partner liegt darin, mit dieser Technologie eine saubere und nahezu unerschöpfliche Energiequelle zu erschließen und Deutschland im globalen Wettlauf um Fusionsenergie zu positionieren.

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