Negative Strompreise: Das paradoxe Phänomen der Energiewende
Wenn Stromanbieter Geld dafür bezahlen müssen, dass ihr erzeugter Strom abgenommen wird, statt dafür bezahlt zu werden, spricht man von negativen Strompreisen. Dieses scheinbar widersprüchliche Phänomen ist ein direktes Ergebnis des massiven Ausbaus erneuerbarer Energien in Deutschland.
Das Wetter diktiert die Stromproduktion
Erneuerbare Energiequellen wie Wind- und Solarkraft speisen oft unvorhersehbar große Mengen Strom ins Netz ein. An Tagen mit starkem Wind und viel Sonnenschein übersteigt das Angebot regelmäßig die Nachfrage. In solchen Situationen entstehen negative Strompreise – die Stromerzeuger bieten ihren Strom sogar zu negativen Preisen an, nur um ihn loszuwerden.
Die Bundesregierung verteidigt diesen Kurs und verweist auf einen umfassenden Vergleich: In den Jahren 2019 bis 2025 beliefen sich die gesamten deutschen Stromexporte auf 180,5 Terawattstunden mit einem Wert von 12 Milliarden Euro. Den Exporten zu negativen Preisen stünden deutlich größere positive Umsätze aus Exporten zu positiven Preisen gegenüber.
Kritik aus der Opposition
Der AfD-Bundestagsabgeordnete Enrico Komning aus Mecklenburg-Vorpommern wirft der Bundesregierung jedoch vor, die Energiewende führe zu einer beispiellosen Verschwendung deutscher Ressourcen. Aus seiner Kleinen Anfrage geht hervor, dass zwischen 2019 und 2025 insgesamt 19,4 Terawattstunden Strom zu negativen Preisen ins Ausland verkauft wurden.
„Dem schlechten Strom wurde noch gutes Geld – 266 Millionen Euro – hinterhergeworfen“, kritisiert Komning. Diese Energiemenge könnte Berlin mehr als eineinhalb Jahre lang mit Strom versorgen.
Milliarden für abgeregelten Strom
Ein weiteres Problem sind die Netzengpässe. Wenn die Netze mit dem rasanten Wind- und Solarkraftausbau nicht Schritt halten können, müssen Kraftwerke abgeregelt werden. Die Netzbetreiber reduzieren die Einspeisung von Erneuerbare-Energien-Anlagen vor Engpässen und weisen andere Erzeuger an, zum Ausgleich zusätzlichen Strom zu produzieren.
Für diese Reduzierung der Einspeisung wurden in den Jahren 2019 bis 2025 in allen 16 Bundesländern insgesamt etwa vier Milliarden Euro an Entschädigungszahlungen geleistet. Allein in Mecklenburg-Vorpommern fielen in diesem Zeitraum 173 Millionen Euro an.
„Dass vier Milliarden an Stromproduzenten gezahlt werden – für nicht produzierten Strom – ist Wahnsinn“, empört sich Komning. Diese Kosten könnten weder dem Verbraucher noch dem deutschen Steuerzahler zugemutet werden.
Forderung nach rationaler Energiepolitik
Der AfD-Politiker fordert eine Rückkehr zu einer Energiepolitik, die nach rationalen Gesichtspunkten und im Interesse von Bürgern und Mittelstand betrieben wird – und nicht nach ideologischen Vorstellungen. Die installierte Leistung aus Wind- und Solaranlagen übertrifft bereits heute jeden Spitzenbedarf, während gleichzeitig tausende neue Anlagen geplant werden.
Die Debatte um negative Strompreise zeigt die komplexen Herausforderungen der Energiewende: Einerseits ermöglicht sie den Ausbau erneuerbarer Energien, andererseits führt sie zu erheblichen Kosten und wirft Fragen zur Effizienz der Netzsteuerung auf.



