„Unsere Autos fahren nicht mit Luft und Liebe“ – Rostocker Taxibranche in der Krise
Die Taxi- und Mietwagenbranche in Rostock steht vor existenziellen Herausforderungen. Gestiegene Sprit- und Personalkosten führen zu massiven finanziellen Belastungen, die besonders die Versorgung mit Krankentransporten gefährden. Colin Schwebke, Rostocker Taxi-Unternehmer, bringt es auf den Punkt: „Unsere Fahrzeuge fahren nun mal leider nicht mit Luft und Liebe.“
Teil des ÖPNV – aber ohne angemessene Unterstützung
Das Taxigewerbe ist offiziell Teil des Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV), genießt in Mecklenburg-Vorpommern jedoch kaum Subventionen. Gleichzeitig sind die Unternehmen an behördlich genehmigte Tarife gebunden, die teilweise seit vier Jahren nicht angepasst wurden, wie Guido Sembach, Vorstand des Landesverbandes Taxi und Mietwagen MV, erklärt. Der Grundtarif in Rostock liegt bei etwa 4 Euro, plus Kilometerpauschalen zwischen 2,20 und 4,10 Euro – Werte, die den aktuellen Kostensprüngen nicht gerecht werden.
Dramatische Mehrkosten durch Rekord-Dieselpreise
Colin Schwebke rechnet vor: „Jedes unserer Fahrzeuge fährt jährlich mindestens 100.000 Kilometer. Bei einem Verbrauch von sechs Litern auf 100 Kilometer summieren sich die Mehrkosten aktuell auf etwa 2500 bis 3000 Euro pro Fahrzeug.“ Bei einer Flotte von 20 Fahrzeugen entstehen so 60.000 Euro zusätzliche Ausgaben, die nicht auf Kunden umgelegt werden können, da die Unternehmen an Taxitarifordnungen und Krankenkassentarife gebunden sind.
Krankentransporte als wichtige Einnahmequelle in Gefahr
Besonders kritisch ist die Situation bei Krankentransporten, die mehr als 80 Prozent der sogenannten unqualifizierten Transporte in Mecklenburg-Vorpommern ausmachen und für viele Unternehmen die verlässlichste Einkommensquelle darstellen. Maik Otto, Geschäftsführer von Krankentransfer Rostock, schätzt die Preissteigerungen allein an der Zapfsäule als „bedrohlich“ ein – mit Zuwächsen von bis zu 30 Prozent.
Vergütungsstreit mit Krankenkassen verschärft Krise
Erschwerend kommt ein Vertragsstreit mit den Krankenkassen hinzu. „Über unseren Landesverband stehen wir ab 1. April aktuell ohne Vertrag da, weil die Kassen uns keine auskömmlichen Vergütungen anbieten“, so Otto. Nach monatelanger Funkstille gab es am 12. März zwar eine erste Annäherung, doch die Lage bleibt angespannt. Ronald Millich von Ambulanz Millich betont: „Man kann das nicht mehr kalkulieren bei den unqualifizierten Transporten. Die Steigerungen tragen die Krankenkassen nicht mit, dabei explodieren die Kosten an allen Ecken und Enden.“
Existenzbedrohung für kleinere Betriebe
Guido Sembach warnt: „Wenn das so weitergeht, haben wir ein echtes Problem.“ Schon jetzt sei es für manche Unternehmen billiger, Fahrzeuge stehen zu lassen. Ohne Unterstützung „von oben“ würden mittelfristig kleinere Betriebe aufgeben müssen. Die Bundesregierung hat zwar Ölreserven freigegeben und Preisregeln an Tankstellen eingeführt, doch Taxi-Unternehmer Maik Otto fordert konkretere Maßnahmen: „Kurzfristig könnte die Bundesregierung eine oder mehrere Steuern auf Treibstoff vorübergehend aussetzen. In der Gastronomie gab es ja auch Steuernachlässe.“
Die Situation in Rostock zeigt exemplarisch, wie die Energiekrise nicht nur Privathaushalte, sondern auch systemrelevante Dienstleistungen wie Taxiverkehr und Krankentransporte bedroht. Die Branche wartet auf schnelle Lösungen, bevor Versorgungslücken entstehen.



