Heftige Kritik an Söders Atomkraft-Plänen
Die Überlegungen von CSU-Chef Markus Söder zum Bau kleiner Atomkraftwerke in Deutschland stoßen bei den Regierungsparteien SPD und Grünen auf massive Ablehnung. Die energiepolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion, Nina Scheer, bezeichnete die Vorschläge des bayerischen Ministerpräsidenten in einem Interview mit der Rheinischen Post als »absurd« und »wahnwitzig«.
Rechtliche und sicherheitspolitische Bedenken
Scheer machte deutlich, dass ein Wiedereinstieg in die Atomenergie in Deutschland gegen geltendes Recht verstoße. »Die SPD wird an einer solchen Geisterfahrt-Gesetzesänderung nicht mitwirken«, erklärte die Abgeordnete entschieden. Sie verwies zudem auf sicherheitspolitische Risiken angesichts weltweit eskalierender militärischer Konflikte.
Unabhängig von der Größe der Kraftwerke bleibe die Atomkraft eine Hochrisikotechnologie. Besonders kleine Atomkraftwerke seien sogar noch problematischer als große Anlagen, da sie an mehr Standorten Sicherheitsvorkehrungen benötigten und zudem ein Vielfaches an Atommüll erzeugten.
Wirtschaftliche Zweifel an Mini-Reaktoren
Die SPD-Politikerin kritisierte auch die wirtschaftliche Dimension von Söders Plänen. Mini-Atomkraftwerke seien weder heute einsetzbar noch ökonomisch verantwortbar. Sie verwies auf gescheiterte Pilotprojekte in den USA, die wegen zu hoher Kosten und erheblicher Bauverzögerungen eingestellt worden seien.
Atomenergie gilt allgemein als besonders teure Form der Stromerzeugung. Zwar hoffen Befürworter auf Kostensenkungen durch Serienfertigung, doch viele Experten bezweifeln, dass sich die Anlagen jemals wirtschaftlich betreiben lassen. Besonders problematisch: Die Mini-Akw müssten häufig stillstehen, wenn Wind- und Solarkraftwerke aufgrund günstiger Wetterbedingungen viel Strom liefern.
Grüne: Erneuerbare sind die bessere Lösung
Die Vizevorsitzende der Grünen-Bundestagsfraktion, Julia Verlinden, unterstützte die Kritik ihrer SPD-Kollegin. Gegenüber der Nachrichtenagentur AFP bezeichnete sie Mini-Atomkraftwerke als »eine besonders teure und riskante Technologie«, die kein einziges Problem löse, sondern neue schaffe.
Verlinden betonte: »Die Antwort für Energiesouveränität, Verlässlichkeit, Wertschöpfung vor Ort und günstige Strompreise ist längst erfunden und heißt Erneuerbare Energien – das weiß jedes Kind.« Die Grünen-Politikerin verwies darauf, dass erneuerbare Energien auch in Bayern die beliebteste Energieform seien und sofort mehr zur Energieversorgung beitragen könnten.
Söders Argumentation für »Kernenergie 2.0«
Markus Söder hatte zuvor eine Abkehr vom 2023 vollendeten Atomausstieg gefordert und den Bau eines Mini-Atomkraftwerks in Bayern in Aussicht gestellt. Der CSU-Chef argumentierte, »Kernenergie 2.0« bedeute kein Zurück zu alter Technik, sondern ein neues Kapitel ohne die früheren Gefahren.
Sein Konzept umfasst neuartige modulare Kleinreaktoren und die Kernfusion. Als Brennstoff möchte Söder sogar Atommüll nutzen. Deutschland benötige weiterhin grundlastfähige und CO₂-freie Kernkraft, so der bayerische Ministerpräsident.
Alternative Lösungsansätze
Viele Energieexperten verweisen auf alternative Optionen zur Sicherung der Stromversorgung:
- Batteriespeicher und andere Speichertechnologien
- Gaskraftwerke als flexible Ergänzung zu erneuerbaren Energien
- Beschleunigter Ausbau von Wind- und Solarenergie
- Verbesserte Netzinfrastruktur und Lastmanagement
Diese Alternativen könnten die schwankende Stromerzeugung aus Solar- und Windenergie nach Ansicht von Fachleuten deutlich günstiger und sicherer ausgleichen als risikoreiche Atomkraftprojekte.



