Heftiger Streit um Mini-Atomkraftwerke: SPD und Grüne attackieren Söders Pläne
In der deutschen Energiepolitik ist ein heftiger Konflikt entbrannt. Die Überlegungen von CSU-Chef und bayerischem Ministerpräsident Markus Söder zum Bau kleiner Atomkraftwerke stoßen bei SPD und Grünen auf massive Ablehnung und scharfe Kritik. Die energiepolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion, Nina Scheer, bezeichnete Söders Vorschläge in der „Rheinischen Post“ als »absurd« und warnte vor einer »Geisterfahrt-Gesetzesänderung«.
Rechtliche und sicherheitspolitische Bedenken
Scheer betonte, dass ein Wiedereinstieg in die Atomenergie in Deutschland »gegen geltendes Recht« verstoße. Die SPD werde an einer entsprechenden Gesetzesänderung nicht mitwirken. Söder hatte zuvor eine Abkehr vom 2023 vollendeten Atomausstieg gefordert und den Bau eines Mini-Atomkraftwerks in Bayern in Aussicht gestellt. Er sprach von »Kernenergie 2.0«, die kein Zurück zu alter Technik bedeute, sondern ein neues Kapitel ohne frühere Gefahren.
Angesichts sich weltweit zuspitzender militärischer Konflikte seien Atomenergiepläne auch sicherheitspolitisch »wahnwitzig«, so Scheer. Unabhängig von der Größe der Kraftwerke bleibe die Atomkraft »eine Hochrisikotechnologie«. Die SPD-Politikerin verwies darauf, dass kleine Atomkraftwerke sogar risikoreicher als große seien, da sie an mehr Orten Sicherheitsvorkehrungen benötigten und zudem ein Vielfaches an Atommüll erzeugten.
Kostenexplosion und wirtschaftliche Bedenken
Atomenergie gilt als besonders teure Form der Stromerzeugung. Scheer kritisierte, dass Mini-Atomkraftwerke »weder heute einsetzbar noch ökonomisch wie ressourcentechnisch verantwortbar« seien. Sie verwies auf Pilotprojekte in den USA, die wegen zu hoher Kosten und Bauverzögerungen eingestellt worden seien. Befürworter hoffen zwar, dass die Kosten bei Serienproduktion sinken, doch viele Fachleute verweisen auf Alternativen:
- Batterien und andere Speichertechnologien
- Gaskraftwerke zur Abfederung schwankender Stromerzeugung
- Weiterer Ausbau von Wind- und Solarenergie
Die Vizevorsitzende der Grünen-Bundestagsfraktion, Julia Verlinden, sagte der Nachrichtenagentur AFP, Mini-Atomkraftwerke seien »eine besonders teure und riskante Technologie, die kein einziges Problem löst, sondern neue schafft«.
Erneuerbare Energien als Lösung
Verlinden betonte, eine Rückkehr zur Atomkraft sei unnötig, wenn der Ausbau der erneuerbaren Energien vorangetrieben werde. »Die Antwort für Energiesouveränität, Verlässlichkeit, Wertschöpfung vor Ort und günstige Strompreise ist längst erfunden und heißt Erneuerbare Energien – das weiß jedes Kind«, so die Grünen-Politikerin. Die Erneuerbaren seien auch in Bayern die beliebteste Energie und könnten sofort mehr zur Energieversorgung beitragen.
Mit deutlichen Worten kommentierte Verlinden Söders Vorstoß: »Der bayerische Ministerpräsident treibt ja gern eine Sau nach der anderen durchs Dorf.« Die Debatte zeigt, wie tief die Gräben in der Energiepolitik zwischen den Parteien bleiben, während die Suche nach zuverlässigen, bezahlbaren und sicheren Energiequellen weitergeht.



