Spandauer Kraftwerkstreit: Grüne fordern Stopp für Biomasse-Projekt
Streit um Holzkraftwerk in Spandau - Grüne fordern Stopp

Spandauer Kraftwerkstreit: Grüne fordern Stopp für Biomasse-Projekt

Die kontroversen Pläne für ein neues Biomasse-Kraftwerk im Berliner Bezirk Spandau haben einen weiteren Schritt nach vorne gemacht. Während die landeseigene Berliner Energie und Wärme (BEW) das Vorhaben vorantreibt, fordern die Grünen einen sofortigen Baustopp für die Anlage, die voraussichtlich 2029 in Betrieb gehen soll.

Genehmigungsverfahren schreitet voran

Am Standort des bestehenden Heizkraftwerks Reuter West in Spandau plant die BEW die Errichtung einer neuen Anlage zur Verbrennung von Biomasse, insbesondere Holz. Das zuständige Landesamt für Arbeitsschutz, Gesundheitsschutz und technische Sicherheit hat bereits erste Genehmigungen erteilt, die den Beginn von Vorbereitungsmaßnahmen für die Baustelle ermöglichen. „Der eigentliche Bau der Anlage ist damit ausdrücklich nicht verbunden“, betonte eine BEW-Sprecherin. „Der Bau der Anlage selbst darf erst nach Abschluss des regulären Genehmigungsverfahrens beginnen.“

Die Berliner Energie und Wärme versorgt derzeit etwa 700.000 Wohnungen mit Fernwärme, was mehr als einem Drittel aller Berliner Wohnungen entspricht. Das Unternehmen ist gleichzeitig für rund ein Viertel der CO2-Emissionen in der Hauptstadt verantwortlich.

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Grüne fordern sofortigen Stopp

Grünen-Fraktionschef Werner Graf übt scharfe Kritik an den Plänen und fordert einen unverzüglichen Stopp des Projekts. „Das ist das völlig falsche Signal, klimapolitisch wie ökonomisch“, erklärte Graf. „Die industrielle Verbrennung von Holz ist kein zukunftsfähiger Beitrag zur Wärmewende und wird die Berlinerinnen und Berliner bei ihrer Heizrechnung teuer zu stehen kommen. Die Holzpreise explodieren gerade weltweit.“

Die Grünen bezweifeln zudem die Versprechen der BEW, dass das Kraftwerk hauptsächlich mit Altholz betrieben werden soll. „Es ist ein Märchen, dass dieses Holzkraftwerk nur mit Altholz auskommen wird“, so Graf. „Dieses Holzkraftwerk wird jährlich dreimal den Tiergarten verfeuern. Diese Menge an Holz wird nur aus dem Ausland kommen können.“

Klimaziele und Energieversorgung

Der Berliner Senat hat sich ambitionierte Klimaziele gesetzt:

  • Reduzierung der CO2-Emissionen bis 2030 um 70 Prozent gegenüber 1990
  • Reduzierung der CO2-Emissionen bis 2045 um 95 Prozent gegenüber 1990

Die BEW soll ihren CO2-Ausstoß bis 2030 um etwa 2,3 Millionen Tonnen reduzieren, was einer Halbierung der aktuellen Emissionen entspricht. Biomasse-Heizkraftwerke werden von der BEW und dem Senat als wichtiger Beitrag zur Erreichung dieser Ziele betrachtet, insbesondere durch den Verzicht auf Kohle.

Die geplante Anlage im Spandauer Ortsteil Siemensstadt soll nach Angaben der BEW lediglich sechs Prozent der Wärmeproduktion übernehmen und damit nur ein Baustein in einem breiten Energiemix sein. Für den Betrieb sollen langfristige Verträge über die Lieferung von Altholz abgeschlossen werden.

Die Kritik der Grünen bleibt jedoch unverändert scharf: „Bäume zu fällen, um ein Kraftwerk zu errichten, das anschließend noch viel größere Mengen Holz verbrennt, ist an klimapolitischem Zynismus kaum zu übertreffen“, fasste Graf die Position seiner Partei zusammen.

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