USA lockern Sanktionen gegen russisches Öl - Preise bleiben hoch
Die Vereinigten Staaten haben angesichts stark gestiegener Ölpreise die Sanktionen gegen Russland gelockert. Um das Angebot auf dem Weltmarkt zu verbessern, dürfen Länder vorübergehend russisches Öl kaufen, das sich bereits auf Schiffen befindet. Dies teilte Finanzminister Scott Bessent auf der Plattform X mit. Die befristete Ausnahme von US-Sanktionen soll bis zum 11. April gelten. Moskau begrüßte die Lockerung umgehend.
Deutsche Politiker kritisieren US-Entscheidung
Bundeskanzler Friedrich Merz kritisierte die Entscheidung der USA scharf. „Jetzt Sanktionen zu lockern, aus welchen Gründen auch immer, das halten wir für falsch“, sagte der CDU-Politiker bei einer Pressekonferenz mit dem norwegischen Ministerpräsidenten Jonas Gahr Støre. Merz berichtete, im Kreis der G7-Staatschefs sei kürzlich auch mit US-Präsident Donald Trump über Öl- und Gaslieferungen aus Russland gesprochen worden. „Es gab eine sehr klare Meinung von sechs Mitgliedern der G7, dass dies nicht das richtige Signal ist“, so Merz.
Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche äußerte Sorgen, dass damit Russlands Kriegskasse weiter gefüllt werde. „Mir scheint, dass der innenpolitische Druck in den Vereinigten Staaten sehr, sehr groß ist“, sagte sie. US-Finanzminister Bessent argumentierte dagegen, Russland werde von dieser „eng gefassten“ Ausnahme nicht in bedeutender Weise finanziell profitieren.
Moskau reagiert zufrieden auf Lockerungen
Moskau zeigte sich erfreut über die US-Entscheidung. Der Kremlgesandte Kirill Dmitrijew schrieb bei Telegram: „Die USA erkennen faktisch das Offensichtliche an: Ohne russisches Öl kann der globale Energiemarkt nicht stabil bleiben.“ Dmitrijew sprach von rund 100 Millionen Barrel russischem Öl, das sich im Transit befinde – eine Menge, die etwa dem weltweiten Tagesverbrauch entspricht.
Kremlsprecher Dmitri Peskow wertete die Lockerung als Versuch, die Energiemärkte zu stabilisieren. Dabei deckten sich die Interessen der USA und Russlands, sagte er russischen Nachrichtenagenturen zufolge. Vor dem Hintergrund der sich verschärfenden Energiekrise scheine eine weitere Lockerung der Beschränkungen für russische Energieträger immer unausweichlicher, schrieb Dmitrijew.
Ölpreise bleiben auf hohem Niveau
Die Ölpreise haben sich auf hohem Niveau zunächst wenig bewegt. Am Freitagmorgen wurde für ein Barrel der Nordsee-Sorte Brent 100,43 Dollar gezahlt – nur drei Cent weniger als am Vortag. Die Freigabe von Ölreserven durch die Internationale Energieagentur zur Wochenmitte hat bisher zu keiner nachhaltigen Senkung geführt.
Alle Augen sind am Markt auf die praktisch geschlossene Straße von Hormus gerichtet. Irans Führung ist trotz massiver Angriffe der USA und Israels weiter zu Gegenschlägen und Störung der globalen Ölversorgung in der Lage. Die iranischen Revolutionsgarden halten an ihrer Blockade der strategisch wichtigen Meerenge fest.
Auswirkungen auf deutsche Autofahrer und Wirtschaft
Tanken ist den zweiten Tag in Folge etwas billiger geworden. Superbenzin E10 kostete im bundesweiten Tagesdurchschnitt 2,006 Euro pro Liter, Diesel sank auf 2,130 Euro. Diese Atempause könnte jedoch von kurzer Dauer sein: Am Freitagmorgen waren beide Kraftstoffe bereits wieder teurer.
Die Preise sind in den knapp zwei Wochen seit Beginn des Iran-Krieges stark gestiegen. Am letzten Tag vor Beginn der Angriffe war E10 knapp 23 Cent billiger als aktuell, Diesel sogar gut 38 Cent.
Ifo-Präsident Clemens Fuest sieht im Iran-Krieg einen klaren Dämpfer für die deutsche Wirtschaft. „Es ist zum Glück kein Desaster, aber es ist ein klarer Dämpfer“, sagte er im ARD-Morgenmagazin. Die Münchner Wirtschaftsforscher gehen bei einem baldigen Kriegsende von einem deutschen Wirtschaftswachstum von 0,8 Prozent in diesem Jahr aus – 0,2 Prozentpunkte weniger als erwartet.
Torsten Schmidt, Konjunktur-Chef des RWI-Leibniz-Institutes, warnt vor hoher Inflation bei längerem Krieg. „Hohe Ölpreise treiben die Verbraucherpreise. Bei einem längeren Krieg könnte die Inflation in diesem Jahr vorübergehend auf sechs Prozent steigen“, sagte Schmidt. Deutschland sei jedoch nicht mehr so abhängig von Öl wie in den 1970er Jahren.
Die USA sind nach Angaben von Energieminister Chris Wright noch nicht in der Lage, Tanker durch die Straße von Hormus zu eskortieren. Die Situation bleibt angespannt, während die globalen Energiemärkte weiter unter Druck stehen.



