USA lockern Russland-Sanktionen trotz hoher Ölpreise - Deutsche Autofahrer und Kriegskasse im Fokus
USA lockern Russland-Sanktionen trotz hoher Ölpreise

USA lockern Sanktionen gegen Russland trotz anhaltend hoher Ölpreise

Die Vereinigten Staaten haben angesichts der dramatisch gestiegenen Ölpreise eine vorübergehende Lockerung der Sanktionen gegen Russland angekündigt. Um das globale Angebot zu verbessern, dürfen Länder zeitweise russisches Öl kaufen, das sich bereits auf Schiffen befindet. Diese befristete Ausnahme von den US-Sanktionen soll bis zum 11. April 2026 gelten.

Deutsche Politiker kritisieren US-Entscheidung scharf

Bundeskanzler Friedrich Merz äußerte deutliche Kritik an dem Schritt der amerikanischen Regierung. „Jetzt Sanktionen zu lockern, aus welchen Gründen auch immer, das halten wir für falsch“, erklärte der CDU-Politiker während einer Pressekonferenz mit dem norwegischen Ministerpräsidenten Jonas Gahr Støre. Merz betonte, dass sechs der sieben G7-Mitglieder eine klare Ablehnung signalisiert hätten, bevor die USA ihre abweichende Entscheidung bekanntgaben.

Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche zeigte sich besorgt über die möglichen Folgen der Sanktionslockerung. „Mir scheint, dass der innenpolitische Druck in den Vereinigten Staaten sehr, sehr groß ist“, sagte sie und warnte davor, dass Russlands Kriegskasse dadurch weiter gefüllt werden könnte.

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Moskau begrüßt US-Entscheidung als Marktanerkennung

Die russische Regierung reagierte positiv auf die amerikanische Ankündigung. Kremlgesandter Kirill Dmitrijew kommentierte auf Telegram: „Die USA erkennen faktisch das Offensichtliche an: Ohne russisches Öl kann der globale Energiemarkt nicht stabil bleiben.“ Er verwies auf etwa 100 Millionen Barrel russisches Öl, die sich derzeit im Transit befinden – eine Menge, die in etwa dem weltweiten Tagesverbrauch entspricht.

Kremlsprecher Dmitri Peskow wertete die Maßnahme als Versuch zur Stabilisierung der Energiemärkte und betonte übereinstimmende Interessen beider Länder in dieser Frage. Für Moskau sind die Einnahmen aus dem Ölverkauf von entscheidender Bedeutung für die Finanzierung des seit über vier Jahren andauernden Angriffskriegs gegen die Ukraine.

Ölpreise verharren auf hohem Niveau trotz Lockerungen

Die Ölpreise zeigen trotz der angekündigten Sanktionslockerungen kaum Bewegung von ihrem hohen Niveau. Am Freitagmorgen wurde für ein Barrel der Nordsee-Sorte Brent zur Lieferung im Mai 100,43 Dollar gezahlt – lediglich drei Cent weniger als am Vortag. Die Freigabe von Ölreserven durch die Internationale Energieagentur (IEA) hatte zuvor keine nachhaltige Senkung bewirken können.

Die Märkte bleiben angespannt, wobei alle Augen auf die praktisch geschlossene Straße von Hormus gerichtet sind. Trotz massiver Angriffe der USA und Israels behält die iranische Führung die Fähigkeit zu Gegenschlägen und könnte die globale Ölversorgung weiter stören.

Deutsche Autofahrer erleben kurze Preisentlastung

Für deutsche Autofahrer gab es eine kurze Atempause: Tanken wurde den zweiten Tag in Folge etwas günstiger. Superbenzin E10 kostete im bundesweiten Tagesdurchschnitt am Donnerstag 2,006 Euro pro Liter – ein Rückgang um 0,5 Cent gegenüber dem Vortag. Diesel sank um 0,4 Cent auf 2,130 Euro pro Liter.

Diese Entlastung könnte jedoch nur von kurzer Dauer sein, da beide Kraftstoffe am Freitagmorgen bereits wieder einige Cent teurer waren als zur gleichen Zeit am Donnerstag. Seit Beginn des Iran-Krieges vor knapp zwei Wochen sind die Spritpreise deutlich gestiegen: E10 ist etwa 23 Cent teurer als vor den Angriffen, Diesel sogar gut 38 Cent.

Wirtschaftsexperten warnen vor konjunkturellen Folgen

Ifo-Präsident Clemens Fuest sieht im Iran-Krieg einen klaren Dämpfer für das deutsche Wirtschaftswachstum, erwartet jedoch kein Desaster. „Es ist zum Glück kein Desaster, aber es ist ein klarer Dämpfer“, sagte er im ARD-Morgenmagazin. Die Münchner Wirtschaftsforscher gehen bei einem baldigen Kriegsende von einem Wachstum von 0,8 Prozent in diesem Jahr aus – 0,2 Prozentpunkte weniger als ursprünglich erwartet.

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Torsten Schmidt, Konjunktur-Chef des RWI-Leibniz-Instituts, warnt vor gravierenden Folgen bei längerer Kriegsdauer: „Bei einem längeren Krieg könnte die Inflation in diesem Jahr vorübergehend auf sechs Prozent steigen. Dann ist das Wirtschaftswachstum weg, Deutschland würde in das vierte Jahr der Rezession rutschen.“

USA noch nicht in der Lage zur Eskorte durch Hormus

Die iranischen Revolutionsgarden halten weiterhin an ihrer Blockade der strategisch wichtigen Straße von Hormus fest. Nach Angaben von Energieminister Chris Wright sind die USA derzeit noch nicht in der Lage, Tanker durch die Meerenge zu eskortieren. Der Schiffsverkehr durch die für den globalen Öltransport entscheidende Passage ist nahezu vollständig zum Erliegen gekommen.