Privatinsolvenzen in Deutschland auf alarmierendem Niveau
Die wirtschaftliche Belastung für viele Haushalte in Deutschland zeigt sich in drastischen Zahlen: Im Jahr 2025 wurden insgesamt 107.816 Privatinsolvenzen registriert. Dies entspricht einem deutlichen Anstieg von 7,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr, als 99.991 Fälle verzeichnet wurden. Die aktuellen Daten stammen aus dem „Schuldenbarometer 2025“ des Informationsdienstleisters CRIF und markieren den höchsten Stand der Privatpleiten innerhalb der letzten zehn Jahre. Lediglich im Jahr 2021 lag die Zahl mit 109.032 Fällen noch höher, was jedoch auf eine spezifische Gesetzesänderung zurückzuführen war.
Wirtschaftliche Faktoren treiben Insolvenzzahlen in die Höhe
Dr. Frank Schlein, Geschäftsführer von CRIF Deutschland, erklärt die Entwicklung mit den anhaltenden wirtschaftlichen Herausforderungen: „Das Jahr 2025 war für die deutsche Wirtschaft und für die Verbraucher von erheblichen Belastungen geprägt. Vor allem weiterhin hohe Energie- und Lebensmittelpreise haben die Lebenshaltungskosten spürbar erhöht.“ Diese steigenden Kosten, kombiniert mit stagnierenden oder knappen Einkommen, setzen immer mehr Haushalte unter Druck. Rücklagen schmelzen dahin, und regelmäßige Verpflichtungen wie Mieten, Kredit- oder Ratenzahlungen können oft nicht mehr zuverlässig bedient werden.
Für das laufende Jahr 2026 prognostiziert CRIF weiterhin hohe Insolvenzzahlen und rechnet aktuell mit etwa 110.000 Fällen. Die Hauptursachen bleiben laut der Analyse unverändert: Arbeitslosigkeit oder geringes Einkommen, gescheiterte Selbstständigkeit, Trennung oder Scheidung, gesundheitliche Probleme sowie ein Konsumverhalten, das nicht zum Einkommen passt. Die durchschnittliche Schuldenhöhe liegt bei rund 15.000 Euro.
Junge Erwachsene und Senioren besonders betroffen
Besonders alarmierend ist der starke Anstieg der Privatinsolvenzen bei jungen Erwachsenen. In der Altersgruppe der 18- bis 20-Jährigen stiegen die Fälle um 52,6 Prozent, bei den 21- bis 30-Jährigen um 28,6 Prozent. CRIF führt dies auf eine geringere finanzielle Widerstandskraft, spontane Ratenkäufe und die zunehmende Nutzung von „Buy now, pay later“-Modellen zurück.
Auch bei den über 61-Jährigen ist ein deutlicher Zuwachs von 10,6 Prozent zu verzeichnen. Hier spielen steigende Miet- und Energiekosten, stagnierende oder sinkende Renten sowie der Wegfall eines Partners eine zentrale Rolle.
Regionale Unterschiede: Bremen an der Spitze
Im Jahr 2025 lag die durchschnittliche Zahl der Privatinsolvenzen je 100.000 Einwohner in Deutschland bei 127. Die regionalen Unterschiede sind jedoch erheblich. Bremen führt die traurige Statistik mit 201 Fällen je 100.000 Einwohner an, gefolgt von Hamburg mit 177 und Niedersachsen mit 172. Am niedrigsten sind die Werte in Bayern und Thüringen mit jeweils 86 Fällen.
Diese Zahlen unterstreichen die anhaltenden wirtschaftlichen Disparitäten innerhalb Deutschlands und die besondere Vulnerabilität bestimmter Bevölkerungsgruppen und Regionen. Die Entwicklung zeigt, dass trotz allgemeiner wirtschaftlicher Stabilität auf Makroebene viele Privathaushalte mit erheblichen finanziellen Schwierigkeiten kämpfen.



