Die schwarz-rote Regierung plant eine umfassende Steuerreform, die ab dem 1. Januar in Kraft treten soll. Das von den Unions-Politikern Yannick Bury (CDU) und Florian Dorn (CSU) entwickelte Konzept sieht eine XL-Entlastung von bis zu 30 Milliarden Euro vor. BILD hat bei Lesern nachgefragt, was sie von den Plänen halten.
Die Details der Steuerreform
Im Kern sieht die Reform vor, den Grundfreibetrag pro Erwachsenem von derzeit 12.348 Euro um mindestens 1000 Euro zu erhöhen. Dadurch würde ein größerer Teil des Lohns oder der Rente steuerfrei bleiben. Zudem soll der Spitzensteuersatz von 42 Prozent künftig erst ab einem zu versteuernden Jahreseinkommen von 85.000 Euro greifen, statt wie bisher ab 70.000 Euro. Der Solidaritätszuschlag, den noch zehn Prozent der Topverdiener zahlen, soll komplett entfallen. Im Gegenzug soll die sogenannte Reichensteuer von derzeit 45 auf 47,5 Prozent steigen, und zwar ab einem zu versteuernden Jahreseinkommen von 210.000 Euro (bisher rund 278.000 Euro). Nach Berechnungen der Union sollen Bürger so bis zu 246 Euro mehr im Monat auf dem Konto haben.
Stimmen der BILD-Leser
„Regierung will am Ende immer nur mehr kassieren“
Said Sadat (63), seit 30 Jahren Taxifahrer in Hamburg, zeigt sich skeptisch: „Meine Erfahrung aus vielen Jahren ist: Die Regierung will am Ende doch immer mehr kassieren und schafft im Zweifel einfach neue Steuern. Arbeit muss sich lohnen und nicht – wie für viele Menschen – nur knapp über der Grundsicherung liegen. Ich höre den Unmut der Leute, die mit mir fahren. Alle klagen über hohe Benzinpreise, über Strom, der viel zu teuer ist, über explodierende Preise. Gucken Sie sich doch mal an, was ein Brötchen früher kostete. Heute zahlt man fast einen Euro. Wahnsinn! Es gibt auch immer weniger Fahrgäste. Die Menschen müssen halt auf jeden Euro achten.“
„Habe Angst um Zukunft und Rente“
Natalia Mogildea (36), Geschäftsführerin einer IT-Firma aus München, äußert sich besorgt: „Deutschland war mal ein stabiles Land. Jetzt geht es leider nur abwärts. Ich überlege, auszuwandern. Woanders zahlt man weniger Steuern, die Energiepreise sind niedriger.“ Selbst mit einem guten Gehalt habe sie angefangen, im Café auf die Preise zu achten. „Die Regierung muss endlich wirklich handeln – für die Bürger. Ich habe Angst um meine Zukunft und meine Rente. Es muss endlich Reformen geben, die auch welche sind. Es ist schön, dass man jetzt mehr ausgezahlt bekommen soll. Aber wenn alles andere wie Krankenkassenbeiträge, Einkaufen im Supermarkt oder das Übernachten im Hotel teurer werden, hat man am Ende wirklich mehr?“
„Tropfen auf den heißen Stein“
Carsten Langowski (60), Kaufmann aus Hamburg, hält nicht viel von der geplanten Reform: „Das ist ein Tropfen auf den heißen Stein. Natürlich freue ich mich über 50 Euro mehr. Aber die Inflation wird immer über der Steuerentlastung stehen. Es müsste eine wirkliche Strukturreform geben, wo man ganz viele Steuerberater nicht mehr braucht. Es gibt aber nur kleine Trostpflaster. Das Steuerrecht muss so werden, dass es jeder Bürger versteht. Idealfall wäre die Steuererklärung auf dem Bierdeckel.“
„Die Inflation darf uns nicht wieder alles wegnehmen“
Olga (42), Imbissbuden-Besitzerin in Berlin, sagt: „Die Steuererleichterung finde ich prima. Immerhin etwas. Alles wird teurer, die Menschen geben kaum noch Geld aus. Ich bin selbstständig, habe drei Kinder. Sie sind vier, 17 und 10 Jahre alt. Ich muss schon wie verrückt sparen, dazu möchte meine Tochter auch noch studieren. Da kann ich jeden Euro gebrauchen. Ich würde von der Vergünstigung 50 Euro pro Monat sparen. Nicht viel, aber immerhin etwas. Jetzt darf uns die Inflation nicht wieder wegnehmen.“
„Die Steuerentlastung ist eine Veralberung“
Oliver Hoffmann (52), Busfahrer in Berlin, empfindet den Vorschlag als „Veralberung“. „Wir haben im Moment andere Sorgen. Die Preise steigen im Minutentakt, die Renten werden auch noch verteuert. Die Inflation frisst alles auf. Die wenigen Euro, die ich mehr hätte, würden sofort verpuffen. Das ist reine Kosmetik von der Regierung. Hier in Berlin kippt alles und es stehen Wahlen an. Da passt ja so eine Ankündigung. Die Schmerzgrenze ist erreicht, da hilft auch nicht diese Steuerreform.“
„Es kann nur besser werden“
Maik Menke (41), Geschäftsführer einer Rohr- und Kanalreinigungsfirma in Paderborn, begrüßt den Vorschlag grundsätzlich: „Die Steuerreform würde mir gerade einen halben Tank füllen. Das ist nicht viel. Generell begrüße ich aber den Vorschlag einer Steuerreform, unabhängig davon, ob er von der CDU kommt. Alles, was jetzt kommt, kann nur besser werden. Das wird auch höchste Zeit. Die Kosten für mein Unternehmen steigen immer mehr. Wir müssen uns jetzt schon alle einschränken. Ich habe nur Angst, dass der Staat auf der einen Seite entlastet und sich das Geld woanders wieder zurückholt.“
Steuerpolitik gezielt statt pauschal
Marcel Schneider (57), selbstständiger Friseurmeister und SPD-Kreisrat aus Nürnberg, fordert gezieltere Entlastungen: „Ich finde, dass Steuerentlastungen gezielter wirken sollten. Aktuell werden Ressourcen verschwendet, weil Bedürftige nicht stärker unterstützt werden als Nicht-Bedürftige. Außerdem halte ich es für wichtig, dass im Gegenzug keine anderen Steuern wie die Mehrwertsteuer erhöht werden. Sinnvoll wäre es aus meiner Sicht, die Mehrwertsteuer auf Lebensmittel ganz abzuschaffen. Darüber hinaus bin ich der Meinung, dass Kapitalgewinne genauso besteuert werden sollten wie Arbeitseinkommen – also ebenfalls mit dem Spitzensteuersatz von 42 Prozent.“
„30 Euro Entlastung? Danke, kannst Du Dir sparen“
Thorsten Heimerl (59), Vertriebsmitarbeiter in einer Brauerei aus Friedberg, zeigt sich verärgert: „Ich rege mich nur noch auf über die letzten Wochen. Das sind alles Tropfen auf den heißen Stein. Die Inflation erdrückt uns schon seit Jahren – eigentlich schon seit der Corona-Zeit. Die Nebenkosten steigen ins Unermessliche. Wenn ich jetzt so Dinge bekomme wie 30 Euro im Monat Entlastung, sage ich: Danke, kannst du dir sparen. Will ich nicht, brauche ich nicht. Das regt mich nur noch auf. Das ist nichts.“ Früher habe er 65 Euro für eine Tankfüllung bezahlt, jetzt seien es 20 Euro mehr. „Was soll ich mit den 30 Euro? Das ist ein Witz. Es hört sich an wie ein großer Schlag, aber für mich ist es heiße Luft. Meiner Meinung nach müsste wirklich mal ein großer Schlag gemacht werden: radikale Steuereinsparungen und das Hauptaugenmerk aufs Land legen.“
„Finanzielle Entlastung nehmen wir gerne an“
Nathalie Nickel-Guilbaud (42), stellvertretende Leiterin eines Kindergartens aus Mühlheim am Main (Hessen), sagt: „Für uns als vierköpfige Familie sind die Lebenshaltungskosten immer teurer geworden. Deshalb ist alles, was eine finanzielle Entlastung für uns ist, gut. Heutzutage kann es sich eigentlich keiner mehr leisten, der alleinige Verdiener in der Familie zu sein. Jeder muss arbeiten gehen: Vater und Mutter. Grundsätzlich würde ich sagen, dass die Politik gerne Familien entlasten und uns etwas Gutes tun könnte.“ Die Mutter weiter: „Für uns ist es als vierköpfige Familie jetzt kein großer Gewinn.“ Laut Tabelle bekämen sie „um die 50, 60 Euro“ – nicht mal ein Wocheneinkauf. „Der Ansatz ist gut, aber es ist noch Luft nach oben“, so ihr Fazit.
„Die reden von Milliarden-Entlastung – bei mir sind’s 20 Euro“
Postbote Adrian Nieland (22) aus Bielefeld (NRW) zeigt sich skeptisch: „Klar, ein paar Euro mehr im Monat nehme ich mit – aber das ist doch kein großer Wurf. Am Ende profitieren wieder die, die sowieso schon gut verdienen. Für uns normale Malocher bleibt da nicht viel hängen. Die da oben reden von Milliarden-Entlastung – bei mir sind’s vielleicht 20 Euro. Das reicht gerade einmal für ein Abendessen. Aber nicht mal im Restaurant. Das fühlt sich einfach nicht gerecht an.“
„Die sollen lieber die sinnlose CO2-Steuer abschaffen“
Markus Vollmer (41) aus Rheda-Wiedenbrück (NRW), Zimmerermeister bei der Firma Holzbau Vorderwisch in Gütersloh, steht der XL-Steuerentlastung kritisch gegenüber: „Es gibt deutlich sinnvollere und effektivere Maßnahmen, die sofort für Entlastung egal bei welcher Einkommenshöhe sorgen würden – wie zum Beispiel die Abschaffung der sinnlosen CO2-Steuer. Egal welchen Gehaltspunkt in der Tabelle man sich anguckt, einen großen Sprung kann man sich davon am Ende des Monats auch nicht leisten.“
„Es geht immerhin in die richtige Richtung“
Dominic Armbrüster (67), selbstständig aus Fürth, meint: „Eine Steuerentlastung für die untere Einkommensschicht macht Sinn und ist längst überfällig, vor allem für Menschen mit geringem Einkommen. Hoffen wir, dass das nicht nur ein Entwurf bleibt, sondern auch umgesetzt wird. Angesichts der stark steigenden Lebenshaltungskosten und der explodierenden Preise ist die aktuelle Entlastung jedoch viel zu gering. Für die normalen Arbeiter ist das zu wenig Entlastung. Das fällt kaum ins Gewicht. Aber es geht immerhin in die richtige Richtung.“
Klares Voting bei BILD-Debatte
BILD fragte auch die Leser: Braucht Deutschland eine XL-Steuerreform? 85 Prozent der Teilnehmer stimmten klar für Ja, zeigten sich den Plänen gegenüber aber skeptisch. Heiko Koch schrieb: „Definitiv, aber es braucht wirklich mehr als nur diese bescheidene Steuerreform. Wenn man überlegt, dass man ca. 30 bis 50 Euro Entlastung hat, ist dies doch so was von lächerlich. Nicht mal der wöchentliche Einkauf ist gedeckt. Allein die Erhöhung meiner Versicherungen beläuft sich auf ca. 120 Euro. Wo bitte schön ist da eine Entlastung?“ Rainer Baumgartner kommentierte: „Entlastungen wären dringend nötig – nur steckt die Politik in einem unlösbaren Dilemma. Entlastungen kosten Geld. Und das haben wir nicht. Nicht, weil wir zu wenig einnehmen, sondern weil wir zu viel ausgeben!“ Heiko Moeller hingegen lehnt die Reform ab: „Dieses Land braucht keine Steuerreform. Die ist unnötig und verpufft aufgrund viel zu hoher Kosten. Erst muss die Ausgabenseite mal streng reformiert werden. Deutschland braucht weniger Politiker, weniger Verwaltung, weniger Vorschriften und Verordnungen.“



