Commerzbank erhöht Gewinnziele im Kampf gegen Unicredit-Übernahme
Die Commerzbank hat nach einem nahezu rekordverdächtigen Geschäftsjahr 2025 ihre finanziellen Ziele für die kommenden Jahre deutlich nach oben geschraubt. Hinter dieser strategischen Entscheidung steht der klare Wille, eine mögliche feindliche Übernahme durch die italienische Großbank Unicredit abzuwehren. Durch die Anhebung der Gewinnerwartungen soll der Aktienkurs weiter in die Höhe getrieben werden, was einen Kauf durch die Mailänder Bank erheblich erschweren würde.
Neue Gewinnmarken für 2026 und 2028
Für das laufende Jahr 2026 plant die Commerzbank nun, die bisherige Zielmarke von 3,2 Milliarden Euro Gewinn zu übertreffen. Bis zum Jahr 2028 soll der Gewinn wie bereits geplant auf 4,2 Milliarden Euro anwachsen. Diese ambitionierten Vorgaben wurden vom Frankfurter Dax-Konzern offiziell kommuniziert, wobei einige Marktbeobachter sogar noch höhere Erwartungen hatten.
„Wir haben unsere ehrgeizigen Wachstumsziele für 2025 nicht nur erreicht, sondern an vielen Stellen sogar übertroffen“, betonte Vorstandschefin Bettina Orlopp. „Und unser Aktienkurs hat sich mehr als verdoppelt. Das zeigt: Die Commerzbank spielt heute in einer anderen Liga.“
Harter Kampf mit Unicredit um die Vorherrschaft
Seit dem Herbst 2024 buhlt die Unicredit aktiv um die Commerzbank und verspricht sich von einer Fusion erhebliche Vorteile im deutschen Markt, insbesondere bei Privat- und Mittelstandskunden. Mittlerweile ist die italienische Großbank mit einem Anteil von gut 26 Prozent der größte Aktionär der Commerzbank und hat über spezielle Finanzinstrumente Zugriff auf weitere etwa drei Prozent.
Bisher hat Unicredit-Chef Andrea Orcel jedoch noch kein offizielles Übernahmeangebot vorgelegt – ab einer Schwelle von 30 Prozent wäre er dazu verpflichtet. Die Commerzbank hat ihren Börsenwert inzwischen auf rund 40 Milliarden Euro gesteigert, was selbst für die dreimal so wertvolle Unicredit eine erhebliche Hürde darstellt. Die Bundesregierung, die etwa 12 Prozent der Commerzbank-Anteile hält, lehnt eine Übernahme entschieden ab und will ihre Aktien nicht verkaufen.
Effizienzsteigerung durch KI und Kostenkontrolle
Um die neuen Ziele zu erreichen, setzt Commerzbank-Chefin Orlopp auf eine weitere Steigerung der Einnahmen bei gleichzeitiger strikter Kostenkontrolle. Der Zinsüberschuss soll in diesem Jahr stärker als ursprünglich geplant von zuletzt 8,2 Milliarden auf 8,5 Milliarden Euro wachsen. Der Provisionsüberschuss, etwa aus Wertpapiergeschäften, wird mit einem Plus von sieben Prozent veranschlagt.
Für das Jahr 2028 hat sich Orlopp eine Aufwands-Ertrags-Quote von 50 Prozent vorgenommen und setzt dabei verstärkt auf den Einsatz Künstlicher Intelligenz. Im vergangenen Jahr lag diese wichtige Effizienzkennziffer noch bei 57 Prozent.
Hoher Gewinn trotz erheblicher Umstrukturierungskosten
Unterm Strich erwirtschaftete die Commerzbank im Jahr 2025 einen Gewinn von gut 2,6 Milliarden Euro. Trotz hoher Kosten für den Abbau und die Verlagerung von 3.900 Vollzeitstellen, wovon der Großteil in Deutschland angesiedelt war, verfehlte sie damit ihren Rekordgewinn aus dem Vorjahr nur knapp. Ohne die Umbaukosten in Höhe von 562 Millionen Euro hätte die Bank mit 3 Milliarden Euro sogar einen neuen Rekord aufgestellt.
Attraktivität für Aktionäre als Schlüsselstrategie
Für die Aktionäre packt die Commerzbank das Füllhorn aus: Die Dividende soll von 65 Cent auf 1,10 Euro je Aktie steigen. Zudem plant die Bank, weitere Aktien im Wert von bis zu 540 Millionen Euro zurückzukaufen.
Zusammen mit dem bereits abgeschlossenen Rückkaufprogramm aus dem Jahr 2025 gibt die Commerzbank damit insgesamt 2,7 Milliarden Euro für Dividenden und Aktienrückkäufe aus – mehr als ihren gesamten Jahresgewinn. Bis 2028 will Orlopp die kompletten Jahresgewinne auf diese Weise den Aktionären zugutekommen lassen. Zusammen mit den steigenden Gewinnen soll dies das Geldhaus für Investoren so attraktiv machen, dass sie ihre Commerzbank-Aktien lieber behalten, als sie an die Unicredit zu verkaufen.



