Deutsche Börse schließt Milliardendeal nach Rekordgewinn trotz politischer Risiken in den USA
Die Deutsche Börse hat im vergangenen Jahr 2025 einen historischen Gewinn erzielt und setzt nun mit einem weiteren Milliardendeal auf kontinuierliches Wachstum. Deutschlands größter Börsenbetreiber übernimmt den Daten- und Indexanbieter ISS Stoxx komplett für 1,1 Milliarden Euro, wie das Unternehmen in Frankfurt am Main mitteilte. Dabei erwirbt die Deutsche Börse, die bereits 80 Prozent der Anteile an ISS Stoxx hält, vom Finanzinvestor General Atlantic die verbleibenden 20 Prozent.
Wachstumsmotor ISS Stoxx mit politischen Herausforderungen
ISS Stoxx bietet Börsenindizes, Analysen sowie Nachhaltigkeitslösungen an, die besonders für Anbieter von Indexfonds (ETFs) relevant sind. Mit dem Boom von ETFs, die auch bei Privatanlegern über Sparpläne äußerst beliebt sind, stellt ISS Stoxx einen wichtigen Wachstumsmotor für die Deutsche Börse dar. „45 Prozent des europäischen ETF-Wachstums basierte auf unseren STOXX-Indizes“, erklärte Konzernchef Stephan Leithner bei der Vorlage der Jahreszahlen in Frankfurt.
Allerdings steht das Geschäft mit Nachhaltigkeitslösungen und Stimmrechtsberatung in den USA unter erheblichem politischen Druck. Präsident Donald Trump lehnt Nachhaltigkeits- und Diversitätsregeln (ESG) entschieden ab und betrachtet die Arbeit von Stimmrechtsberatern wie ISS als ideologische Einmischung in amerikanische Unternehmen. Der Vermögensverwalter der US-Bank J.P. Morgan hat kürzlich die Zusammenarbeit mit Stimmrechtsberatern wie ISS beendet, und in Texas gibt es gesetzlichen Gegenwind gegen ESG als Kriterium für Stimmrechtsentscheidungen.
Finanzvorstand Jens Schulte räumte ein, dass der politische Druck ein Grund dafür sei, warum das Geschäft mit Stimmrechtsberatung im Jahr 2025 nur verhalten gewachsen sei. Leithner betonte jedoch, dass ISS eng mit Behörden in den USA zusammenarbeite und überzeugt sei, dass Stimmrechtsberatung langfristig eine wichtige Rolle spielen werde.
Strategische Übernahmen als Wachstumstreiber
Mit der Übernahme der restlichen Anteile von ISS Stoxx kündigt die Deutsche Börse den zweiten großen Deal innerhalb weniger Wochen an. Erst im Januar hatte das Unternehmen mitgeteilt, die Fondsplattform Allfunds für rund 5,3 Milliarden Euro kaufen zu wollen. Dies wäre die größte Übernahme in der Geschichte des Konzerns. „Mit der Übernahme von Allfunds schaffen wir einen europäischen Investmentfonds-Champion“, so Leithner.
Die Deutsche Börse setzt seit Jahren konsequent auf strategische Übernahmen, um unabhängiger von Börsenschwankungen zu werden und ihr Geschäft zu diversifizieren. Allerdings sind die Hürden für den Allfunds-Deal beträchtlich hoch: Genehmigungen von Behörden, insbesondere der Wettbewerbshüter bei der EU-Kommission, stehen noch aus. Der Vollzug dieser Übernahme wird erst für das Jahr 2027 erwartet.
Rekordzahlen und Aktionärsbelohnung
Im vergangenen Jahr 2025 erzielte die Deutsche Börse dank erfolgreicher Zukäufe und eines starken Kerngeschäfts Rekordzahlen. Unterm Strich verdiente der Konzern 2,1 Milliarden Euro, was einem Plus von drei Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspricht. Davon sollen nun auch die Aktionäre profitieren, die zuletzt einen Kurseinbruch der Aktie verkraften mussten. Investoren fürchten angesichts des Booms um Künstliche Intelligenz zunehmende Konkurrenz für die Deutsche Börse.
Als Zeichen der Wertschätzung und zur Belohnung der Aktionäre soll die Dividende um 20 Cent auf 4,20 Euro je Aktie steigen. Ursprünglich hatte der Dax-Konzern auch einen Börsengang von ISS Stoxx in Erwägung gezogen, dieser kam jedoch nicht zustande und ist mit der nun beschlossenen Komplettübernahme endgültig vom Tisch. Der Ausstieg von General Atlantic soll bereits Ende März wirksam werden.



