Deutschland bleibt Bargeld-Hochburg: Umfrage zeigt wachsende Vorliebe für Scheine und Münzen
Deutschland bleibt Bargeld-Hochburg trotz digitalem Trend

Deutschland bleibt europäische Bargeld-Hochburg trotz digitaler Trends

Während in vielen europäischen Ländern digitale Bezahlmethoden immer populärer werden, hält Deutschland weiterhin fest an Scheinen und Münzen. Eine aktuelle Umfrage des Marktforschungsinstituts YouGov im Auftrag des Beratungsunternehmens BearingPoint zeigt, dass die Deutschen sogar häufiger als im Vorjahr zum Bargeld greifen.

Deutsche zahlen deutlich häufiger bar als andere Europäer

Die repräsentative Studie befragte 2026 Erwachsene in Deutschland nach ihrer bevorzugten Zahlungsmethode. Das Ergebnis ist eindeutig: 73 Prozent der Befragten gaben an, am häufigsten mit Bargeld zu bezahlen. Dies bedeutet einen Anstieg von vier Prozentpunkten im Vergleich zur Vorjahresumfrage und unterstreicht die anhaltende Bedeutung des physischen Geldes in der deutschen Gesellschaft.

Im europäischen Vergleich nimmt Deutschland damit eine Sonderstellung ein. Nur Österreich kommt mit 71 Prozent Bargeldnutzung unter etwa 1000 Befragten nahe an den deutschen Wert heran. In anderen Ländern zeigt sich ein deutlich anderes Bild:

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  • Schweiz: 61 Prozent nutzen besonders häufig Bargeld
  • Irland: 58 Prozent bevorzugen Scheine und Münzen
  • Frankreich: 51 Prozent zahlen regelmäßig bar
  • Niederlande: 46 Prozent greifen zu physischem Geld

Nordische Länder als Vorreiter der bargeldlosen Gesellschaft

Besonders deutlich wird der Kontrast zu den nordeuropäischen Ländern. In Schweden nutzen nur 25 Prozent der Befragten regelmäßig Bargeld, in Dänemark sind es 32 Prozent und in Finnland 42 Prozent. Gut ein Viertel der Schweden (27 Prozent) kommt nach eigenen Angaben komplett ohne Bargeld aus, in Dänemark sagt dies fast jeder Fünfte (18 Prozent).

Zum Vergleich: In Deutschland geben lediglich zwei Prozent der Bevölkerung an, vollständig auf Bargeld zu verzichten, in Österreich sind es sogar nur ein Prozent. Diese Zahlen verdeutlichen die tief verwurzelte Bargeldkultur in den deutschsprachigen Ländern.

Zukunft des Bargelds: Deutsche bleiben skeptisch

Die Umfrage untersuchte auch die Erwartungen der Bevölkerung bezüglich der Zukunft des Bargelds. Insgesamt halten 37 Prozent der Befragten in den neun untersuchten Ländern es für sicher oder sehr wahrscheinlich, dass Bargeld in den nächsten zehn Jahren komplett verschwinden wird.

Die größte Skepsis gegenüber dem Fortbestand des Bargelds zeigen dabei die Dänen: 50 Prozent rechnen mit einem Ende der Bargeldnutzung innerhalb des nächsten Jahrzehnts. In Deutschland sind es mit 33 Prozent deutlich weniger, in Österreich sogar nur 29 Prozent. Diese Zahlen spiegeln die unterschiedliche Entwicklung der Zahlungskulturen in Europa wider.

Digitaler Euro: Noch weitgehend unbekannt

Ein interessantes Nebenergebnis der Studie betrifft den geplanten digitalen Euro. Ein Drittel (33 Prozent) der Befragten in den Euroländern hat noch nichts von diesem Projekt der Europäischen Zentralbank (EZB) gehört. Die EZB arbeitet seit Jahren an dieser digitalen Alternative und plant eine mögliche Einführung für das Jahr 2029.

Die Währungshüter betonen dabei regelmäßig, dass es sich beim digitalen Euro nicht um eine Abschaffung des Bargelds handelt, sondern um eine zusätzliche, europäisch einheitliche digitale Bezahlmöglichkeit. Diese Klarstellung scheint angesichts der anhaltenden Vorliebe der Deutschen für physisches Geld besonders wichtig.

Die Studie zeigt eindrucksvoll, wie unterschiedlich sich die Zahlungsgewohnheiten in Europa entwickeln. Während einige Länder bereits weitgehend bargeldlos sind, bleibt Deutschland mit steigenden Bargeldnutzungszahlen eine europäische Ausnahme. Die Gründe für diese Entwicklung sind vielfältig und reichen von Datenschutzbedenken über Gewohnheiten bis hin zu infrastrukturellen Faktoren.

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