EZB hält Zinsen trotz Iran-Krieg und drohender Inflation stabil
EZB hält Zinsen trotz Iran-Krieg stabil

EZB hält Zinsen trotz Iran-Krieg und drohender Inflation stabil

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat beschlossen, die Leitzinsen im Euroraum unverändert zu lassen. Dies ist bereits das sechste Mal in Folge, dass die Notenbank die Zinssätze nicht anpasst. Der wichtige Einlagenzins für Sparer und Banken bleibt bei 2,0 Prozent. Diese Entscheidung fällt in einer Zeit, in der der Iran-Krieg und steigende Ölpreise erhebliche Sorgen vor einer neuen Inflationswelle schüren.

Neue Bedrohung durch Energiepreisschock

EZB-Präsidentin Christine Lagarde betonte, dass der Krieg im Nahen Osten zu deutlich unsichereren wirtschaftlichen Aussichten geführt habe. Der Konflikt drohe, die Inflation anzuheizen und gleichzeitig das Wirtschaftswachstum zu bremsen. Im wahrscheinlichsten Szenario erwartet die Notenbank für das Jahr 2026 eine durchschnittliche Teuerungsrate von 2,6 Prozent im Euroraum. Für Verbraucher bedeutet dies eine sinkende Kaufkraft, da sie sich mit einem Euro immer weniger leisten können.

Noch vor wenigen Wochen schien die Lage für die EZB im Kampf gegen die Inflation komfortabel. Im Februar lag die Inflationsrate bei 1,9 Prozent und damit nahe am mittelfristigen Ziel der Notenbank von 2 Prozent. Doch die Eskalation im Nahen Osten hat diese Situation grundlegend verändert.

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Deutschland von Inflation besonders betroffen

Vom erwarteten Anstieg der Inflation wird Deutschland nicht verschont bleiben. Das Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Hans-Böckler-Stiftung prognostiziert, dass die Inflation hierzulande in der ersten Jahreshälfte von zuletzt knapp zwei Prozent „merklich über 2,5 Prozent“ steigen wird. Bereits jetzt sind die Auswirkungen des Iran-Kriegs in Deutschland spürbar, da Sprit- und Gaspreise deutlich teurer geworden sind.

Böse Erinnerungen an die Ukraine-Krise

Die EZB will unbedingt vermeiden, dass sie auf eine mögliche neue Preiswelle zu spät reagiert. Nach dem russischen Angriff auf die Ukraine im Jahr 2022 stand die Notenbank in der Kritik, den damaligen Preisanstieg lange unterschätzt zu haben. Die Inflation im Euroraum schnellte zeitweise auf mehr als zehn Prozent hoch, was zu erheblichen Belastungen für Verbraucher führte und die Glaubwürdigkeit der EZB beschädigte.

Ulrich Kater, Chefvolkswirt der Dekabank, erklärt: „Bei hohen Energiepreisen ist die EZB ein gebranntes Kind.“ Allerdings sei die aktuelle Lage anders als 2022. Damals lag die Inflation bereits vor dem Energiepreisschock bei über vier Prozent, während sie heute unter zwei Prozent liegt. Sollte der Krieg im Nahen Osten länger andauern, könnte die Inflation jedoch auf drei bis vier Prozent klettern.

Abwarten und beobachten

Die EZB kann sich nach Ansicht von Experten bis zum Herbst Zeit lassen, bevor sie über Zinserhöhungen entscheidet. Sie will abwarten, ob steigende Energiepreise auch andere Preise in die Höhe treiben. Höhere Zinsen würden Kredite verteuern, was die Nachfrage bremsen und die Inflation dämpfen könnte. Lagarde betonte, die Notenbank sei in einer guten Ausgangslage, aber ein langfristiger Krieg könne zu einem deutlichen Preisanstieg führen.

Mögliche Konsequenzen für Sparer und Wirtschaft

Für Sparer bedeutet die aktuelle Situation sowohl Chancen als auch Risiken. Einige Banken locken mit leicht erhöhten Tagesgeldzinsen, um neue Einlagen zu sichern. Laut dem Vergleichsportal Verivox bieten aktuell 18 Banken neuen Kunden einen Tagesgeldzins von 3 Prozent oder mehr. Allerdings warnt Verivox davor, dass die Realzinsen aufgrund des Iran-Kriegs schnell wieder ins Minus fallen könnten.

Gleichzeitig steht die EZB vor einer schwierigen Abwägung. Würde sie die Zinsen anheben, könnte dies die ohnehin schwache Wirtschaft im Euroraum weiter bremsen. Die EZB erwartet für 2026 nur noch ein Wachstum von 0,9 Prozent. Felix Schmidt, Ökonom bei Berenberg, warnt: „Selbst wenn die Energiepreise längerfristig erhöht bleiben, wäre es für die EZB schwierig, ihre Geldpolitik zu straffen.“

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Gefahr der Stagflation

Im schlimmsten Fall könnte das gefürchtete Szenario einer Stagflation Realität werden: steigende Preise bei gleichzeitig stagnierender Wirtschaft. Dies wäre ein Alptraum für die Notenbank, da sie dann kaum Optionen zum Gegensteuern hätte. Die EZB beobachtet daher die Energiepreise und mögliche Engpässe in den Lieferketten genau, um rechtzeitig reagieren zu können.