Trotz Mehrwertsteuer-Senkung: Jeder vierte Gastronom plant Preiserhöhungen
Gastronomie: Trotz Steuersenkung Preiserhöhungen geplant

Gastronomie in der Krise: Trotz Steuersenkung drohen höhere Preise

Eigentlich sollte der Restaurantbesuch für Verbraucher günstiger werden. Seit Jahresbeginn gilt eine gesenkte Mehrwertsteuer auf Speisen – eine Entlastung für Gastronomen und Hoffnung für Gäste auf bezahlbare Außer-Haus-Verpflegung. Doch die Realität sieht anders aus: Fast ein Viertel aller Gastronomen plant trotz dieser Steuererleichterung Preiserhöhungen für Speisen und Getränke.

Umfrage enthüllt alarmierende Zahlen

Eine aktuelle Umfrage des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga), die dem Handelsblatt vorliegt, zeigt ein düsteres Bild der Branche. Ganze 22 Prozent der befragten Betriebe geben an, ihre Preise erhöhen zu wollen. Dehoga-Präsident Guido Zöllick warnt vor den Folgen: „Die Gastronomie steht unter erheblichem Druck“, erklärt der 55-Jährige. Die Gästezahlen gehen zurück, während die Kosten kontinuierlich steigen – besonders beim Personal.

„Viele Restaurants arbeiten am Limit“, so Zöllick weiter. Die Kombination aus sinkenden Umsätzen und steigenden Ausgaben stellt für zahlreiche Betriebe eine existenzielle Bedrohung dar.

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Mindestlohnanstieg verschärft die Situation

Zwar war die Mehrwertsteuersenkung ein wichtiger Schritt zur Entlastung der Branche. Doch fast zeitgleich stieg der gesetzliche Mindestlohn um satte 1,08 Euro auf nun 13,90 Euro pro Stunde. Für viele Gastronomiebetriebe, insbesondere solche mit hohem Personaleinsatz, bedeutet dies einen erheblichen Kostenschub.

Die Konsequenzen sind gravierend:

  • 22 Prozent der Betriebe denken über Stellenabbau nach
  • 34,8 Prozent bewerten ihre aktuelle Situation als schlecht oder sehr schlecht
  • Die Insolvenzzahlen schossen im vergangenen Jahr um fast 32 Prozent nach oben

Kleine Betriebe besonders gefährdet

Laut der Wirtschaftsauskunftei Crif sind aktuell 14.400 Gastronomie-Unternehmen als insolvenzgefährdet einzustufen. Besonders betroffen sind dabei kleine, familiengeführte Lokale, die über weniger finanzielle Reserven verfügen als große Ketten.

Die Insolvenzfälle stiegen im vergangenen Jahr auf 1.819 Fälle an – ein alarmierender Wert, der die strukturellen Probleme der Branche unterstreicht.

Auswirkungen auf die Gäste

Für Verbraucher bedeutet diese Entwicklung eine bittere Ironie: Trotz der eigentlich entlastenden Mehrwertsteuersenkung könnte der nächste Restaurantbesuch teurer werden. Die geplanten Preiserhöhungen würden den steuerlichen Vorteil für die Gäste komplett auffressen.

Die Gastronomie steht damit vor einem Dilemma: Einerseits braucht sie dringend Entlastung durch politische Maßnahmen, andererseits müssen viele Betriebe ihre Preise anpassen, um angesichts steigender Personalkosten und sinkender Gästezahlen überleben zu können.

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