Antje Hermenau warnt in Uckermark vor Finanzkrise: „Grund und Boden behalten!“
Hermenau warnt in Uckermark vor Finanzkrise

Ehemalige Grünen-Politikerin prophezeit schwere Finanzkrise

In der kleinen Dorfkirche von Malchow in der Uckermark herrschte am Mittwochabend gedrängte Enge. Über 100 Besucher fanden sich zur 66. Ausgabe des „Malchower Formats“ ein, um Antje Hermenau zu hören. Die ehemalige Land- und Bundestagsabgeordnete aus Sachsen ließ mit deutlichen Worten nicht an Deutlichkeit sparen und prophezeite schwere Krisen für Deutschland.

„Deutschland wird an die Wand gefahren“

Mit sächsischem Dialekt und unverblümter Direktheit analysierte die 61-Jährige die aktuelle politische und wirtschaftliche Lage. „Ich glaub', mein Schwein pfeift“, seufzte sie mehrfach während ihres zweistündigen Vortrags. Hermenau, die 25 Jahre in der DDR lebte und anschließend 25 Jahre versuchte, „den Westen nachzubauen“, sieht Deutschland auf dem besten Weg, „an die Wand gefahren zu werden“.

Die langjährige Haushaltsexpertin der Grünen präsentierte faktenbasierte Details zur wirtschaftlichen Situation zwischen Rügen und München, die viele Zuhörer sichtlich erschütterten. „Man kann nicht alle Kraftwerke gleichzeitig abstellen und keine Alternative haben“, kritisierte sie die ihrer Meinung nach verfehlte Energiepolitik.

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Ausstieg aus der Politik als Befreiung

Hermenau erklärte, warum sie mit 50 Jahren die politische Reißleine zog: „Es gibt kein richtiges Leben im falschen.“ Seit ihrem Austritt aus der Grünen-Partei 2014 aufgrund zunehmender Differenzen erfahre sie als Unternehmerin am eigenen Leib, „wie schwer die Politik den normalen Menschen das Leben macht“.

Ihre Gemeinsamkeiten mit den Grünen seien schnell aufgebraucht gewesen, resümierte die Mutter eines 19-jährigen Sohnes. Der Austritt aus dieser „Blase“ sei ihre beste Entscheidung gewesen. Seitdem erlebe sie wie viele Bürger, „wie ohnmächtig wir sind“.

Schuldenbremse als Grundprinzip

Mit einem Magister für öffentliche Finanzen in der Tasche und über zwei Jahrzehnten politischer Erfahrung verteidigte Hermenau die Schuldenbremse als unabdingbar: „Man kann auf Dauer nicht mehr ausgeben, als man hat. Das wussten schon unsere Großeltern. Das ist übrigens auch die Basis von Nachhaltigkeit“, bekräftigte sie unter Applaus.

Kritik an Renten- und Sozialsystemen

Die Referentin ging auf mehrere Faktoren ein, die ihrer Meinung nach zur aktuellen Schieflage beitragen:

  • Die Finanzkrise und Instabilität des Euros
  • Die Migrationswelle
  • Die Renten- und Sozialsysteme, die vor dem Crash stünden

„Eigentlich sollten ja nur die drin sein, die eingezahlt haben. Aber das darf man hierzulande ja gar nicht mehr ansprechen und sachlich diskutieren“, kritisierte sie.

Corona als „größte Ablenkungsspur“

Besonders scharf kritisierte Hermenau die Corona-Politik: „Die größte Ablenkungsspur war die Corona-Geschichte. Da hat man dann ausprobiert, was man der Bevölkerung an Disziplin abverlangen kann“, erklärte sie unter Beifall der Anwesenden. Mehr Details dazu finden sich in ihrem Buch „Das große Egal“.

AfD als notwendige Fragesteller-Partei

Nüchtern betrachtet gebe es für Bürger momentan keine andere Möglichkeit, andere Politik zu wählen, als bei der AfD das Kreuz zu setzen, so Hermenau. Sie halte diese als „Fragesteller-Partei für unverzichtbar“ und glaube, dass die AfD aktuell der Prügelknabe für die zusammenbrechenden Luftschlösser der anderen Parteien sei.

„Das mit den hohen Zuspruchszahlen wird sich erst ändern, wenn sich andere Parteien ernsthaft der Probleme der Menschen annehmen würden“, sagte sie. Aktuell sehe sie aber „eine Nationale Front unter Führung der CDU“.

Düstere Prognosen für die Zukunft

Hermenaus Prognose ist bitter:

  • Deutschland werde Wohlstand verlieren
  • Es werde Verwerfungen geben
  • Die Pflege- und Krankenkassen seien so künftig nicht mehr zu halten
  • Die Abwanderung von Industrie, Konzernen und Mittelstand schreite voran

„Es gab eine Zeit, da hat Deutschland ungefähr so viel exportiert wie die Amerikaner. Das ist nicht mehr der Fall“, konstatierte sie.

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Energieversorgung als kritischer Faktor

Die Referentin ergänzte, dass viele Unternehmen das Land verließen, weil die Energieversorgung nicht mehr finanzierbar und unsicher sei. „Die Wirtschaft hat lange Zeit völlig falsch eingeschätzt, wie die Politik tickt. Sie hat sich darauf verlassen, dass die das schon regeln wird“, analysierte sie.

„Ossi“ als künftiges Ehrenprädikat

Was das Land jetzt brauche, sei keine böses Aufklatschen, aber unbedingt eine Ausnüchterung, ein Erwachen. „Doch ein Teil der Bürger im Westen tut immer noch so, als ob alles in Ordnung ist“, kritisierte Hermenau. „Geben Sie uns noch drei Jahre, dann wird der Begriff ‚Ossi‛ ein Ehrenprädikat sein“.

Appell an Werte und ländlichen Raum

Abschließend ermunterte Hermenau die Besucher, sich auf Familie, Fleiß und Werte zurückzubesinnen. Jetzt seien mehr denn je die Nachvornschauenden, die Tatkräftigen und die Erfinderischen gefragt.

„Ich glaube fest daran, dass die Zukunft Deutschlands eher im ländlichen Raum liegen wird und nicht in den großen Städten, die kleinen haben Chancen und Potenzial“, sagte sie. Doch sie sehe eine große Finanzkrise kommen und gab den eindringlichen Rat: „Wenn Sie Grund und Boden haben, dann behalten Sie den! Bereiten Sie sich vor!“

Nach dem Vortrag nutzten viele Besucher die Chance, das Gehörte in persönlichen Gesprächen mit der Referentin zu vertiefen, während Hermenau geduldig Bücher signierte und sich für jeden Einzelnen Zeit nahm.