Iran-Krieg treibt Inflationsängste: Jeder Achte kämpft bereits mit Geldnot
Iran-Krieg schürt Inflationsängste: Jeder Achte in Geldnot

Geopolitischer Konflikt droht Inflationsspirale erneut anzuheizen

Die Sorge vor einer neuen Inflationswelle breitet sich in Deutschland aus. Neun von zehn Bundesbürgern rechnen mit steigenden Lebenshaltungskosten in den kommenden Monaten. Diese beunruhigende Prognose geht aus einer aktuellen Umfrage des Marktforschungsinstituts YouGov hervor, die im Auftrag der Postbank durchgeführt wurde.

Krieg als Preistreiber: Erinnerungen an 2022 werden wach

Ulrich Stephan, Chefanlagestratege für Privat- und Firmenkunden der Deutschen Bank, zu der die Postbank gehört, erklärt: „Viele Menschen erinnern sich noch gut daran, wie stark der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine im Jahr 2022 die Preise getrieben hat. Die aktuellen Entwicklungen im Nahen Osten zeigen, dass geopolitische Konflikte erneut das Potenzial haben, die Inflation über steigende Energiepreise anzuheizen.“

Die Umfrage unter 2.028 Erwachsenen im März ergab, dass sich knapp ein Drittel (32,2 Prozent) der Befragten auf deutlich steigende Preise einstellt. Diese Befürchtungen werden von vielen Volkswirten geteilt, die mit einer anziehenden Teuerungsrate in den nächsten Monaten rechnen – ausgelöst durch gestiegene Preise für Öl und Gas. Wie stark dieser Effekt ausfällt, hängt maßgeblich von der Dauer des Iran-Krieges ab.

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Bereits jetzt spürbare finanzielle Belastungen

Die aktuelle Situation ist für viele Haushalte bereits jetzt prekär. In der Postbank-Umfrage gibt jeder Achte (12,8 Prozent) an, kaum noch die laufenden Kosten für das tägliche Leben aufbringen zu können. In Haushalten mit einem Nettoeinkommen unter 2.500 Euro sagt dies sogar fast jeder vierte Befragte (23,5 Prozent).

Die Hauptbelastung stellen für die meisten Menschen die Lebensmittelpreise dar. Ganze 69,4 Prozent der Umfrageteilnehmer nennen Preissteigerungen bei Lebensmitteln als ihre aktuell größte finanzielle Belastung. Weitere kritische Kostenblöcke sind Energie (48,7 Prozent) und Mobilität (45,6 Prozent).

Historische Inflationsphase hinterlässt tiefe Spuren

Der russische Angriffskrieg auf die Ukraine, der im Februar 2022 begann, hatte bereits eine deutliche Preisspirale in Gang gesetzt. Die Teuerungsrate in Deutschland kletterte im Gesamtjahr 2022 auf durchschnittlich 6,9 Prozent, 2023 waren es immer noch 5,9 Prozent. Viele Preise haben sich dauerhaft erhöht und das Preisniveau bleibt für viele Verbraucher im Alltag spürbar hoch.

Deutsche-Bank-Experte Stephan kommentiert: „Dass inzwischen mehr als jeder Zweite seine finanzielle Situation schlechter bewertet als vor einem Jahr und viele kaum mit Entlastung rechnen, ist auch eine Folge der Inflationsphase von 2022. Neue Krisen verstärken diese Wahrnehmung zusätzlich.“

Im Februar war die Inflationsrate in Deutschland mit 1,9 Prozent zwar wieder unter die Marke von zwei Prozent gesunken. Doch die aktuelle geopolitische Lage im Nahen Osten droht, diese positive Entwicklung zunichte zu machen. Das Statistische Bundesamt wird an diesem Montag (30.3.) eine erste Schätzung für die Inflationsrate im März veröffentlichen, die bereits die Auswirkungen des Iran-Konflikts widerspiegeln könnte.

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