Ölpreisschock durch Iran-Krieg belastet Familienbudgets ungleich stark
Der anhaltende Konflikt im Iran hat zu einem massiven Anstieg der Energiepreise geführt, der sich direkt auf die Verbraucherpreise in Deutschland auswirkt. Eine aktuelle Untersuchung des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Hans-Böckler-Stiftung belegt nun, dass Familien mit niedrigen und mittleren Einkommen von dieser Entwicklung besonders hart getroffen werden.
Inflationsraten steigen bei Familien deutlich stärker
Die Analyse zeigt deutliche Unterschiede zwischen verschiedenen Haushaltstypen auf. Während die Inflationsrate bei Alleinlebenden mit niedrigen oder sehr hohen Einkommen vergleichsweise moderat blieb, verzeichneten Paarfamilien mit geringen Einkommen und Alleinerziehende mit mittleren Einkommen jeweils einen Anstieg um 1,2 Prozentpunkte. Bei Paarfamilien mit mittleren Einkommen lag der Zuwachs bei 1,1 Prozentpunkten.
IMK-Forscherin Silke Tober erklärt diese Diskrepanz mit der unterschiedlichen Ausgabenstruktur: "Ausgaben für Kraftstoffe machen in den Budgets von Familien mit niedrigen und mittleren Einkommen einen vergleichsweise großen Anteil aus", so die Inflationsexpertin. Während einkommensstarke Singles ein breiteres Konsumspektrum mit Gütern und Dienstleistungen hätten, deren Preise aktuell weniger stark angezogen hätten, besäßen ärmere Alleinlebende oft gar kein Auto.
Energiepreise katapultieren Inflation auf Zweijahreshoch
Die massiv gestiegenen Energiepreise im Zuge des Iran-Kriegs haben die Inflation in Deutschland im März nach oben katapultiert. Mit 2,7 Prozent kletterte die Teuerungsrate auf den höchsten Stand seit mehr als zwei Jahren – im Februar lag sie noch bei 1,9 Prozent. Besonders deutlich wird der Unterschied bei den konkreten Inflationsraten der verschiedenen Haushaltstypen: Während ärmere Alleinlebende im März mit 2,1 Prozent die niedrigste Teuerungsrate verzeichneten, lag diese bei allen anderen betrachteten Haushaltstypen zwischen 2,6 und 2,8 Prozent.
Expertin warnt vor sozialer Spaltung bei anhaltendem Konflikt
Silke Tober erwartet, dass sich der hohe Ölpreis auch auf die Preise anderer Güter auswirken wird – insbesondere im Bereich Transport und Erdgas. Die Dimension dieses Effekts hänge maßgeblich von der Dauer des Krieges ab. "Ein anhaltender Krieg zwischen den USA und dem Iran würde sich in den Preisen für Nahrungsmittel und Haushaltsenergie niederschlagen", prognostiziert die Forscherin. Dies würde nicht nur deutlich höhere Inflationsraten bewirken, sondern auch die soziale Kluft erneut erhöhen.
Die Expertin begründet diese Befürchtung mit der unterschiedlichen Budgetverteilung: Haushalte mit niedrigen bis mittleren Einkommen geben einen vergleichsweise großen Anteil ihres Budgets für Güter des Grundbedarfs aus. Steigen diese Preise, müssten insbesondere ärmere Haushalte deutlich höhere Belastungen schultern als einkommensstarke Haushalte. Die aktuelle Entwicklung droht somit nicht nur die Inflation weiter anzuheizen, sondern auch die soziale Ungleichheit in Deutschland zu verschärfen.



