Finanzexperten raten zu Mallorca-Immobilien und Gold – in der Realität löst das nur Gelächter aus
Der erneut entflammte Nahost-Konflikt beschäftigt aktuell viele Menschen in meinem privaten Umfeld. Die Sorge um die Opfer auf beiden Seiten ist groß, doch ebenso die Angst vor den wirtschaftlichen Folgen für das eigene Leben. Fast 5000 Kilometer mögen zwischen uns und den pausenlos detonierenden Bomben liegen, doch die Auswirkungen der geopolitischen Krise sind bereits spürbar.
Die Preisspirale dreht sich unaufhaltsam nach oben
Es ist nicht nur der Spritpreis, der hart ins Kontor schlägt. Fast überall kennt die Preisentwicklung nur noch eine Richtung: nach oben. „Steigende Energie- und Transportkosten treffen besonders die Lebensmittelbranche“, berichtete focus.online jüngst. Experten erwarten, dass sich die höheren Kosten mit Verzögerung auch im Supermarkt bemerkbar machen werden. Als Einkäuferin meiner Familie kann ich bestätigen: Das ist längst der Fall.
Ich frage mich schon lange, wie Familien mit kleinem Budget überhaupt noch klarkommen sollen. Wer Rücklagen hatte, hält diese wahrscheinlich zusammen. Doch viele Haushalte haben in den vergangenen Jahren ihr Erspartes schwinden sehen – erst durch Corona, dann durch den Ukraine-Krieg, die beide die Inflation pausenlos befeuert haben.
Surreale Finanztipps in unsicheren Zeiten
Bemerkenswert fand ich deshalb die Ratschläge, die mir gestern meine Facebook-Timeline offerierte. Gleich mehrere Finanzexperten empfahlen in Videos, als Konsequenz dieser „geopolitischen Krise“ ein Drittel des Vermögens in ausländische Immobilien zu stecken – etwa auf Mallorca. Ein weiteres Drittel sollte in Gold angelegt werden, und der Rest in „Safe Haven“-Währungen wie den Schweizer Franken.
Laut dem „Global Wealth Report“ soll zwar jeder Deutsche durchschnittlich 257.000 Dollar besitzen. Doch in meinem Umfeld wüsste ich nicht, wer solchen Reichtum angehäuft hat – oder diejenigen verbergen ihn meisterhaft.
Lautes Gelächter am Esstisch
„Mensch, super Idee“, sagte ich abends in meiner „Mädels-Runde“. Die an meinem Esstisch versammelten Damen brachen prompt in lautes Gelächter aus. „In welchem Universum findet das statt? Gewiss nicht in einem normalen ostdeutschen Haushalt“, kommentierte eine Freundin.
Die meisten seien doch froh, wenn das eigene Haus einmal abbezahlt ist, jeden Monat die Betriebskosten gedeckt werden können und mit etwas Glück Geld für nötige Sanierungen und den einen oder anderen Urlaub bleibt. Oder habe ich etwas verpasst?
Die Diskrepanz zwischen den Ratschlägen von Finanzexperten und der Realität in vielen deutschen Haushalten könnte kaum größer sein. Während die einen von Immobilien auf Mallorca und Goldreserven sprechen, kämpfen andere darum, ihre monatlichen Ausgaben zu decken.



