Aus für Malmendier: Wirtschaftsweisen kritisieren Regierungsentscheidung scharf
Die Bundesregierung hat das Mandat der renommierten Finanzmarktökonomin Ulrike Malmendier im Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung nicht verlängert. Diese Entscheidung löste bei ihren Kollegen im Beratungsgremium deutliche Kritik aus. In einer offiziellen Stellungnahme äußerten die Wirtschaftsweisen "große Verwunderung und allergrößtes Bedauern" über das Ende von Malmendiers Amtszeit nach nur dreieinhalb Jahren.
Internationales Renommee geht verloren
Der Sachverständigenrat betonte, mit Malmendier verliere das Gremium ein hochgeschätztes Mitglied, dessen internationales wissenschaftliches Renommee in der langen Geschichte des Rates einzigartig sei. Besonders bedauert werde der Verlust ihres "Blicks von außen aus den USA auf Europa und Deutschland". Malmendier forscht und lehrt an der University of California in Berkeley und brachte damit eine wertvolle transatlantische Perspektive in die deutsche Wirtschaftspolitikberatung ein.
Malmendier: "Es war mir eine große Ehre"
Die Ökonomin selbst äußerte sich ebenfalls zum Ende ihres Mandats, das am 28. Februar auslief. "Es war mir eine große Ehre, sowohl mit meiner wissenschaftlichen Expertise als auch mit meinem Blick von außen zur Arbeit dieses Gremiums und für unser Land Beiträge leisten zu können", sagte Malmendier. Besonders stolz sei sie darauf, die von ihr entwickelte und von allen Ratskollegen befürwortete Frühstart-Rente in die deutsche Politikdebatte eingebracht zu haben. Diese Initiative zielt auf kapitalgedeckte Altersvorsorge und mehr Generationengerechtigkeit ab.
Trotz des Endes ihres offiziellen Mandats betonte Malmendier ihre weitere Beratungsbereitschaft: "Angesichts der aktuellen Herausforderungen in Deutschland und Europa stehe ich auch für die Politikberatung in Deutschland und Europa zur Verfügung." Mit einem Verweis auf ihre Rückkehrbereitschaft fügte sie auf Englisch hinzu: "Rest assured: I'll be back!" ("Seien Sie versichert: Ich komme wieder!")
Kritik aus dem Finanzministerium
Die Entscheidung der Bundesregierung stieß bereits im Vorfeld auf Unverständnis, insbesondere im Bundesfinanzministerium. Aus dem SPD-geführten Ministerium hieß es gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters: "Es ist nicht nachvollziehbar, wieso eine herausragende Ökonomin, noch dazu eine mit sehr starkem internationalen Profil, das Gremium verlassen muss." Malmendier sei stets ein Mitglied gewesen, das Positionen zusammengeführt habe, und ihre Vorschläge zur Altersvorsorge seien teilweise von der Regierung aufgegriffen worden. "Dies ist kein guter Umgang mit einer renommierten Wirtschaftswissenschaftlerin und auch nicht in der Regierung", lautete das deutliche Urteil.
Hintergründe und politische Dynamiken
Hinter der Entscheidung stehen politische Mechanismen: Die Union hat das Vorschlagsrecht für die Besetzung von Malmendiers Position. Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) soll sich für eine Ablösung ausgesprochen haben, was vom Kanzleramt unterstützt wurde. Nach Informationen des "Handelsblatts" favorisiert die CDU für die Nachfolge offenbar den Wiener Ökonomen Gabriel Felbermayr und die Ökonomin Nicola Fuchs-Schündeln.
Die politischen Wechselwirkungen werden 2027 erneut relevant, wenn die Amtszeit der konservativen Ökonomin Veronika Grimm endet. Für diese Position hat dann die SPD das Vorschlagsrecht, was die fortwährende politische Dimension der Besetzung des Sachverständigenrats unterstreicht. Die Nichtverlängerung von Malmendiers Mandat zeigt damit exemplarisch, wie wirtschaftspolitische Expertise und parteipolitische Interessen in der deutschen Regierungsarbeit miteinander verwoben sind.



