Nach Fed-Zinsentscheid: Fokus auf EZB - Iran-Krieg treibt Inflationssorgen
Die US-Notenbank Federal Reserve hat wie erwartet ihren Leitzins unverändert gelassen. Elf von zwölf Mitgliedern des Zentralbankrates stimmten dafür, den Leitzins in der Spanne von 3,5 bis 3,75 Prozent beizubehalten. Lediglich der Berater von US-Präsident Donald Trump, Stephen Miran, votierte wie bei den vorherigen Sitzungen für eine Senkung. Auch bei den kommenden Sitzungen dürfte die Fed das Zinsniveau beibehalten, eine Senkung rückt damit in weite Ferne.
Powell warnt vor anhaltender Inflation
Besonderes Augenmerk galt dabei einer Aussage von Fed-Chef Jerome Powell: Sollte sich die Inflation nicht wie gewünscht abschwächen, gebe es keine Gründe für eine Zinssenkung. Nach Bekanntwerden dieser Aussage hatte der Euro gegenüber dem US-Dollar nachgegeben. Powell betonte zudem, dass höhere Energiepreise die Inflation kurzfristig in die Höhe treiben werden. „Es ist jedoch noch zu früh, um das Ausmaß und die Dauer der potenziellen Auswirkungen auf die Wirtschaft abzuschätzen“, sagte er.
Iran-Krieg belastet Weltwirtschaft
Ende Februar hatten die USA und Israel mit Angriffen auf den Iran begonnen, seither hat sich der Krieg dramatisch auf die Weltwirtschaft ausgewirkt:
- Der Ölpreis stieg auf den höchsten Stand seit Jahren
- Der Schiffsverkehr durch die strategisch wichtige Straße von Hormus ist gestört
- Die Vereinigten Staaten haben die für Ölexporte wichtige iranische Insel Charg ins Visier genommen
Die Meerenge südlich des Irans gilt als die wichtigste Ölhandelsroute der Welt. Die Störungen haben unmittelbare Auswirkungen auf die globalen Energiemärkte.
Druck auf Europäische Zentralbank steigt
Damit steigt auch der Druck auf die Europäische Zentralbank, denn die Sorgen vor einer neuen Preiswelle sind im Euroraum groß. Noch vor wenigen Wochen sah sich die Notenbank in einer komfortablen Situation im Kampf gegen die Inflation, die im Februar bei 1,9 Prozent lag und damit nah am mittelfristigen EZB-Ziel von zwei Prozent. Nun hat sich die Lage schlagartig geändert.
ECB-Chefvolkswirt Philip R. Lane warnte bereits vor den Folgen eines längeren Iran-Krieges, der die Wirtschaft bremsen und die Inflation anheizen könnte. Die Notenbank will unbedingt verhindern, dass sie auf eine mögliche neue Preiswelle zu spät reagiert.
Lektionen aus der Vergangenheit
Nach dem russischen Angriff auf die Ukraine 2022 stand die EZB in der Kritik, den damaligen Preisanstieg lange unterschätzt zu haben. Die Inflation im Euroraum schnellte zeitweise auf mehr als zehn Prozent nach oben. Mit der Energiekrise stiegen damals auch die Lebensmittel- und Spritpreise in Deutschland rasant:
- Die Inflation kletterte 2022 auf 6,9 Prozent
- 2023 lag sie immer noch bei 5,9 Prozent
- Das kostete die Verbraucher Kaufkraft
- Die EZB verlor an Glaubwürdigkeit
Folgen des Iran-Krieges in Deutschland
Der Iran-Krieg hat mit steigenden Spritpreisen und teurerem Gas längst Deutschland erreicht. Zöge sich der Krieg über Monate hin, würde der Ölpreis weiter steigen und mit ihm die Inflation in der Eurozone „schätzungsweise auf mindestens 3 Prozent“, glaubt Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer.
Erwartungen an die EZB
An den Finanzmärkten wird erwartet, dass die Notenbank zunächst abwarten und den für Banken und Sparer wichtigen Einlagenzins vorerst bei 2,0 Prozent belassen wird. Einige Experten erwarten aber eine Zinserhöhung im Sommer.
Im Fall der Fälle dürfte die EZB dieses Mal schneller agieren als 2022, meint Ulrike Kastens, Ökonomin bei der Deutschen-Bank-Fondstochter DWS: „Zinserhöhungen werden damit wahrscheinlicher, Zinssenkungen sind vom Tisch.“ Die Europäische Zentralbank steht vor der schwierigen Aufgabe, zwischen Inflationsbekämpfung und Wirtschaftsförderung zu balancieren, während der Iran-Krieg weiterhin Unsicherheit an den globalen Märkten verbreitet.



