Privatinsolvenzen in Deutschland steigen deutlich: Junge Erwachsene besonders betroffen
Privatinsolvenzen steigen deutlich - Junge besonders betroffen

Privatinsolvenzen in Deutschland nehmen deutlich zu

Die finanzielle Belastung für viele Haushalte in Deutschland wächst weiter. Nach aktuellen Angaben des Informationsdienstleisters Crif wurden im vergangenen Jahr 107.816 Privatinsolvenzen registriert. Dies entspricht einem Anstieg von 7,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr 2024. Die Entwicklung zeigt eine deutliche Verschärfung der finanziellen Situation vieler Privatpersonen.

Steigende Kosten überfordern Haushaltsbudgets

Frank Schlein, Geschäftsführer von Crif Deutschland, erklärt die besorgniserregende Entwicklung: „Trotz einer grundsätzlich höheren Sparbereitschaft reichen die Rücklagen in vielen Haushalten nicht mehr aus, um die steigenden Kosten aufzufangen.“ Die durchschnittliche Schuldenlast der Betroffenen beläuft sich auf rund 15.000 Euro. Hohe Energie- und Lebensmittelpreise treiben immer mehr Verbraucherinnen und Verbraucher in die finanzielle Notlage.

Junge Erwachsene besonders stark betroffen

Besonders alarmierend ist die Entwicklung bei jungen Erwachsenen. Die Fallzahlen stiegen 2025 im Vergleich zum Vorjahr am stärksten in zwei Altersgruppen:

  • 18- bis 20-Jährige: plus 52,6 Prozent
  • 21- bis 30-Jährige: plus 28,6 Prozent
Ein wesentlicher Grund für diese Entwicklung sind nach Einschätzung von Crif spontane Ratenkäufe. Verlockende Angebote wie „Buy Now - Pay Later“ („Kaufe jetzt, bezahle später“) verleiten insbesondere beim Online-Shopping zu übermäßigen Ausgaben. Verbraucherschützer warnen regelmäßig davor, dass viele Menschen ihre Finanzkraft überschätzen und mehr auf Pump kaufen, als sie sich tatsächlich leisten können.

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Hauptursachen für Privatinsolvenzen

Die Hauptursachen für Privatinsolvenzen bleiben nach Angaben von Crif unverändert:

  1. Arbeitslosigkeit
  2. Gescheiterte Selbstständigkeit
  3. Trennung oder Scheidung
  4. Gesundheitliche Probleme
Diese Faktoren kombiniert mit der allgemeinen Kostensteigerung führen immer mehr Haushalte an ihre finanziellen Grenzen.

Regionale Unterschiede und Prognose für 2026

Die meisten Privatinsolvenzen im vergangenen Jahr zählte Crif im bevölkerungsreichsten Bundesland Nordrhein-Westfalen mit 25.864 Fällen. Umgerechnet auf die Einwohnerzahl gab es die meisten Verbraucherpleiten in Bremen mit 201 Fällen je 100.000 Einwohner. Die wenigsten Privatinsolvenzen verzeichneten Bayern und Thüringen mit jeweils 86 je 100.000 Einwohner.

Für das laufende Jahr 2026 rechnet Crif derzeit mit etwa 110.000 Privatinsolvenzen in Deutschland. Damit würde der Wert aus dem Jahr 2021 überschritten, in dem es infolge einer Gesetzesänderung knapp über 109.000 Fälle gegeben hatte. Damals waren viele Insolvenzanträge zurückgehalten worden, um von der zum 1. Januar 2021 geltenden Verkürzung der Restschuldbefreiung zu profitieren: Die Dauer des Verfahrens reduzierte sich von sechs auf drei Jahre.

Die Entwicklung zeigt deutlich, dass trotz wirtschaftlicher Erholung in einigen Bereichen viele Privathaushalte weiterhin unter finanziellen Druck geraten. Besonders junge Erwachsene benötigen Unterstützung im Umgang mit Finanzen und Konsumverhalten, um nicht in die Schuldenfalle zu geraten.

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