Riester-Renten: Mehrheit der Sparer erleidet reale Verluste trotz staatlicher Förderung
Riester-Renten: Mehrheit der Sparer erleidet reale Verluste

Riester-Renten: Mehrheit der Sparer erleidet reale Verluste trotz staatlicher Förderung

Hohe Kosten und geringe Renditen – die staatlich geförderte Riester-Rente steht seit langem in der Kritik. Eine neue Analyse des Vereins Finanzwende offenbart nun in erschreckender Deutlichkeit, wie schlecht Sparer mit der Mehrheit der Modelle abschneiden. Die Studie zeigt, dass viele Anleger mit ihren Verträgen nicht einmal einen Inflationsausgleich schaffen und damit reale Verluste einfahren.

Zwei Drittel der Tarife verfehlen Mindestziel von zwei Prozent Rendite

Für die Untersuchung hat Finanzwende die Rendite-Erwartungen von 37-jährigen Musterkunden bei 18 Riester- und 78 Rürup-Rentenversicherungen analysiert. Das Ergebnis ist alarmierend: Zwei Drittel der Rententarife erreichen über die gesamte Vertragslaufzeit nicht einmal das Mindestziel von zwei Prozent Rendite, das notwendig wäre, um mit der Inflation in Deutschland Schritt zu halten. Sparer machen damit faktisch Verlust, obwohl die Produkte eigentlich Sicherheit bieten sollen.

Britta Langenberg, Leiterin des Bereichs Verbraucherschutz bei Finanzwende, warnt: „Viel zu viele Menschen werden mit ihren Riester- und Rürup-Verträgen reale Verluste einfahren.“ Daran werde auch die geplante Riester-Reform der Bundesregierung wenig ändern – zumindest nicht in der aktuellen Fassung.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Hohe Kosten und Sicherheitsmargen als Hauptprobleme

Studienautor Moritz Czygan erklärt, dass die Angebote nur dann lohnen würden, wenn man ein sehr hohes Alter erreicht. Konkret müssten Riester-Kunden bei den untersuchten Angeboten 99 Jahre alt werden, um wenigstens das gesamte Geld inflationsbereinigt zurückzuerhalten. Bei den Rürup-Angeboten sind es 96 Jahre. Ein wichtiger Grund dafür sind die hohen Abschluss- und Verwaltungskosten der Anbieter, ein weiterer die hohen Sicherheitsmargen in der Rentenzeit.

Die staatlich geförderte Riester-Rente sollte eigentlich Bürgern Sicherheit bringen, deren gesetzliche Rente nicht ausreicht. Zudem sind Anbieter verpflichtet, eingezahlte Beiträge zu 100 Prozent zu garantieren – was jedoch die Renditechancen stark beschränkt. Wegen der hohen Kosten sinkt die Zahl der Riester-Verträge seit Jahren kontinuierlich. Ende 2024 gab es laut Bundesarbeitsministerium noch knapp 15 Millionen Verträge.

Kritik an geplanter Reform mit zu hohem Kostendeckel

Die Bundesregierung plant eine Reform der Riester-Rente, die vor allem ein Altersvorsorgedepot vorsieht. Dieses soll hohe Renditen am Kapitalmarkt ermöglichen, bietet jedoch keine Garantien mehr. Geplant ist ein Standardprodukt mit einem Kostendeckel von 1,5 Prozent. Finanzwende kritisiert diesen Ansatz als viel zu hoch angesetzt. Nötig sei ein Kostendeckel von maximal 0,5 Prozent Effektivkosten, um Sparer wirklich vor Verlusten zu schützen.

Die Analyse zeigt deutlich, dass das aktuelle System der Riester- und Rürup-Renten dringend überarbeitet werden muss. Verbraucher sollten sich genau informieren, bevor sie in solche Produkte investieren, um nicht am Ende mit realen Verlusten dazustehen.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration