Schufa startet neues transparentes Bewertungssystem: Diese 12 Kriterien entscheiden jetzt über Ihre Bonität
Die Schufa, Deutschlands größte Wirtschaftsauskunftei, führt ab heute ein grundlegend reformiertes Bewertungssystem ein. Damit will das Unternehmen Verbrauchern erstmals kostenlos und vollständig transparent Einblick in die Berechnung ihrer Kreditwürdigkeit gewähren. Der sogenannte Schufa-Score, eine Zahl mit enormer Bedeutung für Alltagsentscheidungen von Kreditvergaben bis zu Wohnungsvermietungen, soll damit aus seiner bisherigen Blackbox herausgeholt werden.
Europäische Rechtsprechung als Treiber der Reform
Die Reform steht im Kontext mehrerer wegweisender Urteile des Europäischen Gerichtshofs zu Scoring-Verfahren und Transparenzanforderungen aus den Jahren 2023 und 2025. Künftig basiert der einheitliche Schufa-Score, der Werte zwischen 100 und 999 Punkten umfasst, auf nur noch zwölf klar definierten Kriterien mit unterschiedlicher Gewichtung.
Die zwölf entscheidenden Kriterien im Überblick:
- Zahlungsstörungen in der Vergangenheit
- Alter des ältesten Bankvertrags
- Alter der ältesten Kreditkarte
- Alter der aktuellen Adresse
- Alter des jüngsten Rahmenkredits
- Anzahl der Anfragen und Abschlüsse für Girokonten und Kreditkarten in den vergangenen zwölf Monaten
- Anzahl der Anfragen außerhalb des Bankenbereichs in den vergangenen zwölf Monaten
- Aufgenommene Ratenkredite in den vergangenen zwölf Monaten
- Längste Restlaufzeit aller Ratenkredite
- Kreditstatus
- Vorhandensein eines Immobilienkredits
- Durchgeführte Identitätsprüfung
Neue Möglichkeiten für Verbraucher
Verbraucher können künftig nicht nur nachvollziehen, wie ihr persönlicher Score zustande kommt, sondern auch simulieren, wie sich bestimmte Handlungen – wie etwa eine Kreditanfrage – auf ihre Bonitätsbewertung auswirken würden. Der Zugang zu diesen Funktionen erfolgt über einen neuen Schufa-Account, für den man sich entweder unter app.schufa.de oder in der offiziellen Schufa-App registrieren muss. Eine Identifizierung ist dabei zwingend erforderlich, etwa über den elektronischen Personalausweis oder mittels eines PIN-Briefs per Post.
Verbraucherschützer sehen Licht und Schatten
Der Verbraucherzentrale Bundesverband begrüßt die erhöhte Transparenz grundsätzlich, weist jedoch auf bestehende Mängel hin. Besonders junge Menschen könnten demnach trotz gewissenhaften Zahlungsverhaltens Schwierigkeiten haben, Höchstwerte beim Score zu erreichen. Die Schufa verweist darauf, dass etwa zwei Drittel der 18- bis 25-Jährigen bereits jetzt über einen Score in den Kategorien „gut“ oder „hervorragend“ verfügen, weitere 25 Prozent über einen „akzeptablen“ Wert.
Das neue System sei so konzipiert, dass Verbraucher ihren Score schnell verbessern könnten, betont das Unternehmen. Ein Beispiel: Ein 18-Jähriger, der sein erstes Girokonto mit Dispokredit und Kreditkarte eröffnet und in die erste eigene Wohnung zieht, startet bei sonst fehlenden Schufa-Daten mit 655 Punkten („akzeptabel“). Bei ordnungsgemäßem Zahlungsverhalten steigt dieser Wert nach einem Jahr auf 742 Punkte („gut“) und nach drei Jahren sind sogar 789 Punkte („hervorragend“) möglich.
Regelmäßige Kontrolle empfohlen
Die Verbraucherzentrale Sachsen rät allen Verbrauchern dringend, regelmäßig ihre bei der Schufa gespeicherten Daten abzufragen. Eine Umfrage des Vergleichsportals Verivox zeigt jedoch, dass mehr als jeder zweite Deutsche (56 Prozent) den eigenen Schufa-Score noch nie abgerufen hat. Diese Kontrolle ist essenziell, um mögliche Fehler im Score zu identifizieren und zu korrigieren.
Sollten falsche Daten gespeichert sein, sollten Betroffene umgehend Widerspruch bei der Schufa einlegen. Die für eine Prüfung notwendige, kostenfreie Datenkopie kann direkt online bei der Schufa beantragt werden. Von kostenpflichtigen Drittanbietern wird dabei abgeraten, da diese für vergleichbare Services oft Gebühren verlangen.



