Hitzige Debatte um Spritpreise: Staat verdient kräftig mit
Die Preise für Benzin und Diesel sind in Deutschland in den letzten Wochen kontinuierlich gestiegen, was zu einer hitzigen politischen Debatte geführt hat. Während die schwarz-rote Bundesregierung aus CDU/CSU und SPD nun mit Regulierungsmaßnahmen für Tankstellen reagieren will, profitiert der deutsche Staat selbst erheblich von den hohen Spritkosten.
Regierung plant tägliche Preiserhöhungsbegrenzung
Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) kündigte am Mittwoch in Berlin an, dass Tankstellen deutschlandweit künftig nur noch einmal täglich ihre Spritpreise erhöhen dürfen sollen. Dieses aus Österreich bekannte Modell soll so schnell wie möglich eingeführt werden, um auf die ausufernden Preise zu reagieren. Die Regierungskoalition unter Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) will damit Verbraucher entlasten.
Gleichzeitig kündigte Reiche strengere Kontrollen der Mineralölkonzerne an. Hintergrund sind Verdachtsmomente auf mögliche Preisabsprachen im Umfeld des Iran-Kriegs, die unter anderem vom bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder (CSU) geäußert wurden. Das „scharfe Schwert des Kartellarms“ solle künftig intensiver eingesetzt werden.
Staatliche Abgaben treiben Preise in die Höhe
Die enormen Preisunterschiede bei Benzin und Diesel im EU-Vergleich haben jedoch nicht nur mit Marktmechanismen zu tun. Laut ADAC liegt die nationale CO₂-Abgabe in Deutschland 2026 bei 55 bis 65 Euro je Tonne Kohlendioxid. Diese Abgabe sorgt für einen Preisanstieg von 15,7 bis 18,6 Cent je Liter Benzin und 17,3 bis 20,5 Cent je Liter Diesel.
Hinzu kommt die Energiesteuer, die in Deutschland vergleichsweise hoch ist. Laut NDR machte diese Steuer im Jahr 2025 mehr als 65 Cent je Liter Sprit aus. Der ADAC beziffert den Energiesteuersatz konkret auf 65,4 Cent je Liter Benzin und 47,0 Cent je Liter Diesel.
Staat kassiert mehr als die Hälfte des Spritpreises
Ein Ratgeber-Beitrag des ADAC verdeutlicht das Ausmaß der staatlichen Beteiligung: Nach dem Ölpreisanstieg Anfang März 2026 betrug der Steuer- und Abgabenanteil bei den Spritpreisen im Schnitt rund 58 Prozent bei Benzin und 48 Prozent bei Diesel. Dies inkludiert auch die Mehrwertsteuer von 19 Prozent, die von Tankstellenbetreibern auf Verbraucher umgelegt wird.
Von jedem Euro Spritpreis gehen somit beim Benzin 58 Cent und beim Diesel 48 Cent direkt an den Staat. Diese hohe staatliche Belastung erklärt teilweise, warum Sprit in Deutschland im EU-Vergleich besonders teuer ist – nur in den Niederlanden sind die Preise noch höher.
Internationaler Vergleich zeigt deutsche Besonderheiten
Laut Berichten des ZDF stiegen die Spritpreise in Deutschland zuletzt doppelt so stark wie im EU-Durchschnitt. In Nachbarländern wie Polen und Tschechien sind Benzin und Diesel deutlich günstiger verfügbar. Die Kombination aus hoher Energiesteuer und nationaler CO₂-Abgabe schafft hierzulande eine besondere Preissituation.
Während die Regierung also mit Regulierungen für Tankstellen auf Preisschwankungen reagieren will, bleibt die grundlegende Frage nach der Höhe staatlicher Abgaben unbeantwortet. Die Debatte um faire Spritpreise wird somit weiterhin hitzig geführt werden.



