Spritpreise sinken erstmals seit Irankriegsbeginn, doch Deutschland bleibt EU-Spitzenreiter bei Preisanstiegen
Spritpreise sinken erstmals seit Irankrieg, Deutschland EU-Spitzenreiter

Leichte Erholung: Spritpreise sinken erstmals seit Irankriegsbeginn

Nach wochenlangen Steigerungen zeigen die Spritpreise in Deutschland endlich eine leichte Entspannung. Zum ersten Mal seit dem Ausbruch des Irankriegs sind Benzin und Diesel im Tagesvergleich wieder günstiger geworden. Laut dem ADAC sank der bundesweite Tagesdurchschnittspreis für E10-Superbenzin am Mittwoch um 3,4 Cent pro Liter, während Diesel um 5,4 Cent pro Liter billiger wurde. Dennoch bleiben die Preise auf einem hohen Niveau: E10 kostete mit 2,011 Euro pro Liter noch immer etwa 23 Cent mehr als vor Kriegsbeginn, und Diesel lag bei 2,134 Euro pro Liter, was einem Anstieg von knapp 39 Cent entspricht.

Treiber des Preisanstiegs und Gegenmaßnahmen

Ein Hauptgrund für die jüngsten Preissteigerungen waren die stark gestiegenen Rohölpreise in den vergangenen eineinhalb Wochen. Der Krieg hat die Straße von Hormus beeinträchtigt, eine kritische Handelsroute für Rohöl und Flüssiggas. Als Reaktion darauf haben Politik und internationale Institutionen verschiedene Maßnahmen ergriffen. Die Internationale Energieagentur IEA gab bekannt, dass ihre 32 Mitgliedsländer 400 Millionen Barrel Rohöl aus ihren strategischen Reserven freigeben werden – die größte gemeinsame Aktion dieser Art in der Geschichte. Zudem kündigte Wirtschaftsministerin Katherina Reiche von der CDU an, dass Tankstellen in Deutschland nach Regierungsplänen künftig wohl nur noch einmal täglich ihre Spritpreise erhöhen dürfen. Ob diese Schritte die hohen Preise nachhaltig senken können, bleibt jedoch ungewiss.

Deutschland als EU-Spitzenreiter bei Preisanstiegen

Eine Analyse der Monopolkommission offenbart besorgniserregende Entwicklungen: Nirgendwo in der Europäischen Union sind die Spritpreise infolge des Irankriegs so stark gestiegen wie in Deutschland. Tomaso Duso, der Vorsitzende des unabhängigen Beratungsgremiums der Bundesregierung, betonte, dass Deutschland beim Preisanstieg an der Spitze stehe. Unter Ausschluss von Steuern und Abgaben lag der Dieselpreis in dieser Woche im Vergleich zur Woche vor Kriegsbeginn um 44 Prozent höher, während der EU-Durchschnitt bei 29 Prozent lag. Bei Benzin betrug der Anstieg in Deutschland 29 Prozent, im EU-Durchschnitt dagegen nur 16 Prozent. Zum Vergleich: Der zugrunde liegende Ölpreis stieg im selben Zeitraum um 27 Prozent.

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Strukturelle Probleme und politische Kritik

Duso wies darauf hin, dass die überdurchschnittlichen Preisanstiege in Deutschland auf strukturelle Probleme im Mineralölmarkt hindeuten, die dringend angegangen werden müssen. Politiker verschiedener Parteien haben in den letzten Wochen kritisiert, dass Preise zu früh erhöht würden und Pendlerinnen und Pendler dadurch übermäßig belastet werden. Auch Tankstellenbetreiber übten scharfe Kritik an den Mineralölkonzernen, da sie keinen Einfluss auf die Preise an der Zapfsäule haben – diese werden von den Konzernen festgelegt. Der Frust der Autofahrer entlädt sich oft an den Tankstellenpächterinnen und ihren Angestellten, die für Entscheidungen verantwortlich gemacht werden, die außerhalb ihrer Kontrolle liegen.

Die aktuellen Spritpreise bewegen sich auf ähnlichen Niveaus wie in den ersten Monaten nach dem russischen Angriff auf die Ukraine im Jahr 2022, sind aber noch weit von den damaligen Rekordwerten entfernt. Trotz der leichten Erholung am Mittwoch bleibt die Lage angespannt, und Experten fordern langfristige Lösungen, um die Abhängigkeit von geopolitischen Krisen zu verringern und faire Preise für Verbraucherinnen und Verbraucher zu gewährleisten.

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