Spritpreiserhöhungen nur einmal täglich? So steigen die Gewinne der Mineralölkonzerne
Seit fast zwei Wochen schießen die Kraftstoffpreise infolge des Iran-Krieges dramatisch nach oben, was viele Autofahrer innerlich zum Kochen bringt. Die sogenannte „Tank-Wut“ verbreitet sich zunehmend in den sozialen Medien. Jetzt greift Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) diese Stimmungslage auf und verkündet eine wichtige Neuregelung: „Tankstellen in Deutschland sollen künftig nur noch einmal am Tag ihre Spritpreise erhöhen dürfen.“
Einmal-täglich-Regel soll Preistransparenz schaffen
Dieses aus Österreich bekannte Modell will die Bundesregierung so rasch wie möglich einführen. „Dagegen sind Preissenkungen jederzeit zulässig“, betont Reiche. Die entscheidende Frage bleibt jedoch, wie schnell diese Änderung umgesetzt werden kann und ob sie in der aktuellen Krisenlage noch wirksam sein wird. Die Ministerin erwartet preisdämpfende Effekte, doch der ADAC zeigt sich skeptisch, ob die „Einmal-täglich-Regel“ tatsächlich die Preisanstiege bremsen kann.
Der Tankstellen-Interessenverband begrüßt den Vorstoß hingegen ausdrücklich. Wirtschaftsforscher Horst Gischer, der seit Jahren den Mineralölmarkt beobachtet, erklärt: „Ich finde das Vorgehen richtig. Dass in Deutschland sich 50-mal am Tag die Tankstellenpreise ändern, führt dazu, dass die Preise für die Kunden vollkommen intransparent sind.“
Mineralölkonzerne weiten ihre Margen aus
Gischer teilt auch die Meinung vieler Tankstellenpächter, dass sich die großen Mineralölfirmen „die Taschen voll machen“. Der aktuell verkaufte Diesel und das Benzin wurden bereits vor Wochen produziert, während die Preise nun rasant steigen. Die Mineralölfirmen verweisen dagegen auf die gestiegenen Börsenpreise für Kraftstoffe, an denen sich die Tankstellenpreise orientieren müssen.
Ähnlich wie beim Beginn des Ukrainekrieges 2022, als die Öl- und Kraftstoffpreise ebenfalls in die Höhe schossen, wird deutlich, dass die Konzerne mit ihren Raffinerien ihre Margen erheblich ausweiten. Laut dem Vergleichsportal benzinpreis.de stieg der Überschuss für die Anbieter bei einem Liter Diesel von etwa 40 Cent auf 60 Cent. Vor allem die Marge im Raffineriegeschäft dürfte sich deutlich erhöht haben.
Natürliches Monopol bei Raffinerien
In Deutschland gibt es zwölf große Raffinerien, die den Markt versorgen. In Ostdeutschland existieren mit Leuna und Schwedt lediglich zwei Standorte. Wirtschaftsforscher sprechen von einem natürlichen Monopol, weil sich der Bau einer weiteren Raffinerie wirtschaftlich nicht lohnen würde. Dennoch fordern Experten, dass Politik und Kartellamt den Betreibern jetzt genau auf die Finger schauen sollten, um zu prüfen, in welchem Ausmaß zusätzliche Gewinne anfallen.
Die Diskussion um faire Spritpreise bleibt angesichts der aktuellen geopolitischen Spannungen und der wirtschaftlichen Unsicherheiten ein zentrales Thema. Während die Bundesregierung mit regulatorischen Maßnahmen reagiert, stehen die Verbraucher weiterhin vor hohen Tankrechnungen und fordern mehr Transparenz und Fairness im Mineralölmarkt.



