UniCredit-Übernahmepläne: Über 10.000 Arbeitsplätze bei Commerzbank bedroht
UniCredit-Übernahme: 10.000 Commerzbank-Stellen in Gefahr

UniCredit-Übernahmepläne: Über 10.000 Arbeitsplätze bei Commerzbank bedroht

Die mögliche Übernahme der Commerzbank durch die italienische Großbank UniCredit könnte tausende Arbeitsplätze unter massiven Druck setzen. Gewerkschaften und Arbeitnehmervertreter schlagen bereits Alarm und warnen vor erheblichen Konsequenzen für die Beschäftigten.

Gewerkschaften schlagen Alarm

Gesamtbetriebsratschef Sascha Uebel (49) greift UniCredit-Chef Andrea Orcel in scharfen Worten an: „Mit diesem Macho-Gehabe kommt Orcel bei mir nicht durch.“ Uebel betont, dass der Übernahmeversuch als feindlich und geschäftsschädigend einzustufen sei. „Wir werden uns mit allen Mitteln dagegen wehren. UniCredit unterschätzt die deutsche Mitbestimmung – unsere Arbeitsplätze sind geschützt. Ein Käufer kann nicht einfach Stellen streichen.“

Massive Folgen für Beschäftigte

Die Gewerkschaft Verdi warnt vor massiven Auswirkungen auf die Belegschaft. Jan Duscheck, Bundesfachgruppenleiter Bankgewerbe bei Verdi, erklärt: „Bei Bankenfusionen werden fast immer Doppelstrukturen abgebaut. Wir gehen deshalb davon aus, dass deutlich über zehntausend Arbeitsplätze bei der Commerzbank unter Druck geraten könnten.“ Besonders betroffen wären zentrale Bereiche wie:

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  • Verwaltung
  • IT
  • Backoffice

„Vor allem wären Tausende Stellen in den Zentralen in Frankfurt und München betroffen sowie in den Servicegesellschaften. Auch im Filialnetz kann es zu Überschneidungen kommen“, fügt Duscheck hinzu.

Strategische Gründe für die Übernahme

Aus strategischer Sicht ist die Commerzbank für UniCredit ein äußerst attraktives Ziel. Jörg Rocholl, Präsident der Wirtschaftshochschule ESMT Berlin, erläutert: „UniCredit kann mit der Commerzbank seine Stellung in Deutschland als stärkstem europäischen Markt deutlich ausbauen und damit eine noch bedeutendere europäische Bank mit globalem Anspruch werden.“ Die Commerzbank spielt dabei eine entscheidende Rolle im Geschäft mit dem Mittelstand, da tausende kleine und mittlere Unternehmen ihre Investitionen über das Frankfurter Institut finanzieren.

Die Übernahme-Taktik im Detail

UniCredit hält bereits rund 26 Prozent der Commerzbank-Aktien. Nach Angaben der Bank soll das Angebot helfen, „die im deutschen Übernahmerecht vorgesehene 30-Prozent-Hürde zu überwinden und einen konstruktiven Dialog mit der Commerzbank und ihren Stakeholdern zu ermöglichen“. Der Hintergrund: Überschreitet ein Investor die 30-Prozent-Schwelle, muss er allen Aktionären ein Übernahmeangebot machen.

Das aktuelle Angebot richtet sich direkt an die Aktionäre: Sie können ihre Commerzbank-Aktien gegen UniCredit-Aktien tauschen oder sie behalten. UniCredit bietet 0,485 eigene Aktien für jede Commerzbank-Aktie. Mit diesem freiwilligen Angebot kann UniCredit gezielt die 30-Prozent-Hürde nehmen und danach ihren Anteil weiter ausbauen – ohne weitere Übernahmeangebote machen zu müssen.

Angebot als Zwischenschritt

Jörg Rocholl betont jedoch: „Dieses in Aussicht gestellte Angebot wird für UniCredit nicht ausreichen, um die Commerzbank komplett zu übernehmen. Das Angebot ist eher als Zwischenschritt zu verstehen, um über die rechtlich wichtige Hürde von 30 Prozent zu kommen und dann freier agieren zu können.“

Fest steht: Der Machtkampf um eine der wichtigsten Banken Deutschlands hat gerade erst begonnen – und er dürfte die Bankenlandschaft hierzulande nachhaltig verändern. Die kommenden Wochen werden zeigen, wie sich die Situation für die über 10.000 potenziell betroffenen Arbeitsplätze entwickelt.

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