Italienische Großbank geht in die Offensive: Unicredit bietet offizielle Übernahme der Commerzbank an
Die italienische Großbank Unicredit hat den Aktionären der Commerzbank ein offizielles Übernahmeangebot zum Erwerb aller Aktien vorgelegt. Damit geht das Institut aus Mailand auf Konfrontationskurs mit dem Management der zweitgrößten deutschen Privatbank, den Arbeitnehmervertretern und der Bundesregierung, die eine Übernahme ablehnen. Unicredit ist bereits größter Anteilseigner bei der Commerzbank und will nun die im deutschen Übernahmerecht vorgesehene 30-Prozent-Schwelle überwinden.
Details zum Übernahmeangebot und Zeitplan
Das Umtauschverhältnis des Angebots wird in den kommenden Tagen festgelegt. Erwartet wird, dass die Eigner des Frankfurter Geldhauses 0,485 neue Unicredit-Papiere für jede Commerzbank-Aktie erhalten. Dies entspricht einem Preis von 30,80 Euro pro Commerzbank-Anteil oder einem Aufschlag von 4 Prozent zum Schlusskurs am 13. März. Offiziell soll das Angebot Anfang Mai vorgelegt werden mit einer Angebotsfrist von vier Wochen. Für Mai ist dann eine außerordentliche Hauptversammlung geplant, um die Zustimmung der Aktionäre einzuholen.
Unicredit teilte mit, das Angebot ziele darauf ab, „in den kommenden Wochen einen konstruktiven Dialog mit der Commerzbank und ihren Stakeholdern zu fördern“. Es werde erwartet, dass Unicredit eine Beteiligung an der Commerzbank von mehr als 30 Prozent erreichen werde, „ohne die Kontrolle zu erlangen“.
Widerstand aus Politik und Management
Die Übernahmepläne stoßen auf erheblichen Widerstand. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hatte betont, die Bundesregierung setze auf eine „starke und unabhängige Commerzbank“. Der Bund, der die Commerzbank in der globalen Finanzkrise mit Steuermilliarden vor dem Kollaps bewahrt hatte, hält gut 12 Prozent der Anteile und will die Beteiligung nicht verkaufen.
Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp verteidigt die Eigenständigkeit ihres Hauses mit allen Mitteln. Sie verordnete dem Konzern ehrgeizige Renditeziele, höhere Dividenden und verkündete trotz eines Rekordgewinns 2024 den Abbau von rund 3.900 Stellen, davon den Großteil in Deutschland. Nach erneut starken Zahlen für 2025 schraubte die Commerzbank erst kürzlich ihre Ziele nach oben.
Strategische Überlegungen und historischer Hintergrund
Unicredit-Chef Andrea Orcel sieht Chancen in einem kombinierten Geschäft mit Privat- und Mittelstandskunden und argumentiert, Europa brauche im Wettlauf mit den starken US-Geldhäusern größere Banken. Die Unicredit, die im deutschen Markt mit der Hypovereinsbank (HVB) bereits ein Standbein hat, wirbt seit Monaten für eine Übernahme der Commerzbank.
Die Mailänder Großbank hatte im September 2024 den Teilausstieg des Bundes genutzt, um im großen Stil bei der Commerzbank einzusteigen. Unicredit baute ihre Beteiligung nach und nach aus und löste den deutschen Staat als größten Commerzbank-Aktionär ab. Schon im März 2025 erhielt die Unicredit die Erlaubnis der Bankenaufsicht der Europäischen Zentralbank (EZB), ihren Anteil auf knapp 30 Prozent aufzustocken. Auch das Bundeskartellamt gab grünes Licht.
Gewerkschaftliche Bedenken und historische Erfahrungen
Die Gewerkschaft Verdi befürchtet einen Kahlschlag bei der Commerzbank und verweist auf die Übernahme der HVB durch die Unicredit im Jahr 2005, die bei der Münchner Bank zu einem Schrumpfkurs führte. Unicredit-Chef Orcel hält unterdessen betont gelassen an seinen Plänen fest und betont immer wieder, er sehe große Synergien zwischen der Commerzbank und der Mailänder Großbank.
Das Übernahmeangebot der Italiener kommt nicht überraschend, markiert aber eine neue Eskalationsstufe in dem seit Monaten schwelenden Konflikt um die Zukunft der traditionsreichen deutschen Bank.



