„Europa fällt zurück“: Wirtschaftsbündnis fordert vor EU-Gipfel radikale Reformen
Wirtschaftsbündnis fordert vor EU-Gipfel radikale Reformen

„Europa fällt zurück“: Wirtschaftsbündnis richtet dringenden Appell vor EU-Gipfel

Mit dem Erstarken Chinas und dem politischen Kurswechsel unter dem wiedergewählten US-Präsidenten Donald Trump wächst der Druck auf die europäische Wirtschaft exponentiell. Kurz vor dem informellen EU-Gipfel zur Wettbewerbsfähigkeit an diesem Donnerstag richtet die Wirtschaftsinitiative „Made for Germany“ einen eindringlichen Appell an die Staats- und Regierungschefs der Europäischen Union.

Industrielle Basis unter immensem Druck

Das Bündnis, hinter dem 123 namhafte Unternehmen und Investoren stehen, warnt vor existenziellen Bedrohungen für die heimische Industrie. „Die industrielle Basis Europas steht unter immensem Druck“, heißt es in der gemeinsamen Erklärung. Europa treffe auf globale Konkurrenten, die gezielt industriepolitisch steuerten, strategisch deregulierten und Schlüsseltechnologien mit staatlicher Unterstützung schnell groß machten.

„Viele europäische Unternehmen verlieren täglich an Wettbewerbsfähigkeit“, schreibt die Initiative in ihrem Positionspapier. Dieser alarmierende Trend müsse umgehend gestoppt werden, um die wirtschaftliche Souveränität des Kontinents nicht zu gefährden.

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Konkrete Forderungen für einen Kurswechsel

Die von Unternehmen wie Siemens und der Deutschen Bank angestoßene Initiative legt klare Vorschläge für einen notwendigen Kurswechsel vor:

  • Regulierungs- und Bürokratieabbau als „zentrales politisches Ziel“ verankern
  • Europäische Kapitalmärkte deutlich stärken und vertiefen
  • Freihandelsabkommen mit Indien und den südamerikanischen Mercosur-Staaten zügig umsetzen
  • Alle Reformen müssen auf technologische Wettbewerbsfähigkeit und nachhaltiges Wachstum ausgerichtet sein

„Wachstum muss oberste Priorität werden als Voraussetzung für europäische Souveränität“, fordert das Bündnis. Europa brauche einen fundamentalen Wechsel „weg von Überregulierung“ hin zu mehr unternehmerischer Freiheit und Innovationskraft.

Unternehmensführer warnen vor Wettbewerbsverlust

Siemens-Chef Roland Busch äußert sich deutlich: „Europa fällt im globalen Wettbewerb zurück“. Er fordert: „Europa muss die kritischen Technologien beherrschen, die Industrie, Energieversorgung und Sicherheit tragen.“ Die Voraussetzungen seien vorhanden – eine starke industrielle Basis, erstklassige Talente und tiefes technologisches Know-how – doch müssten diese Potenziale endlich konsequent genutzt werden.

Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing kritisiert, dass Europa deutlich unter seinen Möglichkeiten spiele. „Das Interesse, wieder in Europa zu investieren ist bereits groß, und es wird noch deutlich größer, wenn wir jetzt die richtigen Weichen stellen“, betont er. Investoren sähen erhebliches Aufholpotenzial, das jedoch nur durch mutige Reformen realisiert werden könne.

Hintergrund der Initiative

Die Initiative „Made for Germany“ hatte sich im vergangenen Sommer gegründet und in Aussicht gestellt, rund 735 Milliarden Euro am Standort Deutschland zu investieren. Diese gewaltige Summe ist jedoch an die Forderung nach mehr Reformen für die lahmende Wirtschaft geknüpft. Wie viel von dieser Milliardensumme genau auf Neuinvestitionen entfällt und wie viel auf bestehende Projekte, bleibt in der öffentlichen Darstellung bisher unklar.

Die Unternehmen machen deutlich, dass ihre Investitionsbereitschaft direkt von den politischen Rahmenbedingungen abhängt. Ohne tiefgreifende Reformen drohe Europa nicht nur wirtschaftlich zurückzufallen, sondern auch seine strategische Autonomie in Schlüsseltechnologien zu verlieren.

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