Die Berliner Wohnungsbaugesellschaften erzielen nicht nur mit Mieteinnahmen hohe Gewinne, sondern auch mit zahlreichen Nebengeschäften. Eine Auswertung des Tagesspiegels zeigt, dass die landeseigenen Unternehmen durch Dienste wie Strom- und Gasversorgung, Wartungsarbeiten oder Parkplatzvermietung jährlich Millionen zusätzlich einnehmen. Vorbild sind private Wohnungskonzerne, die solche Nebeneinkünfte schon lange nutzen.
Howoge erzielt dreistellige Millionen-Gewinne
Die Howoge, eine der größten Wohnungsbaugesellschaften Berlins, erwirtschaftete im vergangenen Jahr einen branchenüblichen Funds from Operations (FFO) von 210 Millionen Euro. Auch andere Gesellschaften verbuchten hohe Überschüsse: Die Degewo schloss mit einem Plus von 64 Millionen Euro, nach 112 Millionen im Vorjahr. Bei der Gewobag blieben am Ende 62,6 Millionen Euro in der Kasse.
Diese Gewinne stammen jedoch nicht allein aus den Mieteinnahmen. In den Geschäftsberichten werden Nebeneinkünfte oft nur am Ende oder gar nicht ausgewiesen. Der Tagesspiegel hat die versteckten Einnahmequellen analysiert.
Nebengeschäfte als Milliardengeschäft
Zu den wichtigsten Nebeneinkünften zählen die Bereitstellung von Strom und Gas, die Vermietung von Stellplätzen, die Wartung von Heizungsanlagen sowie Dienstleistungen wie Hausmeisterservices oder Reinigung. Allein die Howoge nahm durch diese Zusatzleistungen einen zweistelligen Millionenbetrag ein. Die Degewo erzielte mit Nebengeschäften rund 15 Millionen Euro, die Gewobag etwa 10 Millionen Euro.
„Die Nebeneinkünfte sind ein wichtiger Bestandteil des Geschäftsmodells“, erklärte ein Sprecher der Howoge. „Sie helfen uns, die Mieten stabil zu halten und gleichzeitig in Modernisierungen zu investieren.“ Die Gesellschaften orientieren sich dabei an privaten Wohnungskonzernen, die solche Einnahmequellen bereits systematisch erschließen.
Kritik von Mieterschützern
Mieterschutzverbände kritisieren die Praxis. „Die Nebenkosten werden oft intransparent abgerechnet“, sagte ein Sprecher des Berliner Mietervereins. „Viele Mieter zahlen für Leistungen, die sie gar nicht in Anspruch nehmen.“ Die Wohnungsbaugesellschaften weisen die Kritik zurück und betonen, dass die Preise marktüblich seien.
Insgesamt zeigen die Zahlen, dass die landeseigenen Unternehmen trotz politischer Vorgaben zur Mietpreisbremse und hoher Investitionen in Neubau und Sanierung finanziell gut dastehen. Die Nebeneinkünfte tragen maßgeblich dazu bei, dass die Gesellschaften weiterhin zweistellige Millionengewinne erzielen können.



