Galeria in neuer Krise? Ausbleibende Mietzahlungen und drohende Filialschließungen
Galeria in neuer Krise? Mietzahlungen bleiben aus

Galeria in neuer Krise? Ausbleibende Mietzahlungen und drohende Filialschließungen

Nach der letzten Insolvenzanmeldung Anfang 2024 wollte die Warenhauskette Galeria einen Neuanfang wagen. Doch nun mehren sich die Hinweise, dass das Unternehmen schon wieder in ernsthafte Schwierigkeiten geraten ist. Besonders alarmierend: Mehrere Vermieter berichten von ausgebliebenen Mietzahlungen für den Monat April.

Vermieter beklagen fehlende Zahlungen

Laut einem Bericht der Immobilien Zeitung haben verschiedene Vermietungsgesellschaften Probleme mit den fälligen Mietzahlungen von Galeria. Betroffen ist unter anderem die Filiale am Berliner Alexanderplatz, deren Immobilie der Commerz Real gehört. Ein Unternehmenssprecher bestätigte gegenüber der Deutschen Presse-Agentur: „Die April-Miete ist bislang nicht gezahlt worden. Wir beobachten das mit Sorge.“

Der Sprecher fügte hinzu: „Bisherige Kontaktversuche sind ins Leere gelaufen. Es ist niemand erreichbar, so dass wir uns fragen, wie es jetzt weitergeht.“ Ein weiteres Unternehmen bestätigte, dass die Miete für April nicht pünktlich und vollständig eingegangen sei. In einigen Fällen soll Galeria Berichten zufolge sogar um eine Stundung der Zahlungen gebeten haben.

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Unternehmen gibt keine Auskunft

Auf Nachfragen zu den ausstehenden Zahlungen reagiert Galeria mit Schweigen. Das Unternehmen teilte lediglich mit: „Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass wir Fragen zu internen Vertragsdetails sowie zu laufenden Gesprächen und Verhandlungen nicht kommentieren.“ Diese Zurückhaltung nährt bei Experten und Geschäftspartnern weitere Zweifel an der finanziellen Stabilität der Kette.

Experten sehen strukturelle Probleme

Johannes Berentzen von der Handelsberatung BBE sieht trotz einiger positiver Entwicklungen nach der letzten Insolvenz grundlegende Probleme: „Doch ohne ausreichend Investitionskapital lässt sich ein Kaufhaus nicht transformieren – das rächt sich jetzt.“ Galeria bleibe ein überdimensioniertes Modell ohne klares Profil. Solange dieses Problem nicht gelöst sei, bleibe eine vierte Insolvenz „eine reale Gefahr“.

Professor Jörg Funder von der Hochschule Worms urteilt noch deutlicher: „Das war doch absehbar.“ Am Konzept von Galeria habe sich kaum etwas verändert. Aus den gescheiterten Sanierungen sei offenbar wenig gelernt worden. „Schlechtes Management trifft hier auf ein schwieriges Konsumklima.“

Creditreform warnt vor Geschäftsbeziehungen

Die Wirtschaftsauskunftei Creditreform rät ausdrücklich von Krediten für Galeria ab. Ein Sprecher teilte mit, dass auch nach Aufhebung des letzten Insolvenzverfahrens 2024 eine Geschäftsverbindung als riskant gelte. Der Bonitätsindex der Kette liegt weiterhin bei 500 – nur 100 Punkte vom schlechtesten Wert 600 entfernt. Creditreform sammelt Unternehmensdaten zur Zahlungsfähigkeit und Kreditwürdigkeit.

Historischer Rückblick: Dritte Insolvenz 2024

Anfang 2024 hatte Galeria bereits zum dritten Mal innerhalb von vier Jahren Insolvenz anmelden müssen. Gründe waren damals die finanzielle Schieflage des Mutterkonzerns Signa und hohe Mietkosten. Nach dem Verfahren wurden neun der 92 Standorte geschlossen – weniger als von Branchenexperten erwartet.

Seit Sommer 2024 gehört die Kette der US-Investmentgesellschaft NRDC und einer Beteiligungsfirma des Unternehmers Bernd Beetz. Die neuen Eigentümer kündigten Investitionen von bis zu 100 Millionen Euro in den nächsten zwei bis drei Jahren an und verlegten die Unternehmenszentrale von Essen nach Düsseldorf.

Kurzzeitige Erfolgsmeldungen

Im Herbst 2025 zeigte sich die Führung noch optimistisch. Das Unternehmen teilte mit, erstmals seit mehr als zehn Jahren wieder ein Geschäftsjahr operativ profitabel abgeschlossen zu haben. Alle Standorte schrieben demnach schwarze Zahlen. Geschäftsführer Christian Sailer erklärte: „Das unterstreicht die Stabilität unseres neuen Geschäftsmodells und zeigt: Galeria funktioniert wieder aus eigener Kraft.“

Drohende weitere Filialschließungen

Bereits im März 2026 geriet Galeria in die Schlagzeilen, weil weitere Filialschließungen drohen. Der Einzelhändler teilte mit, die Mietverträge von acht Standorten neu verhandeln zu wollen. Betroffen sind Filialen in:

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  • München (Rotkreuzplatz)
  • Berlin (Kurfürstendamm, Hermannplatz)
  • Köln (Hohe Straße, Breite Straße)
  • Mannheim
  • Braunschweig
  • Aschaffenburg

Das Unternehmen erklärte dazu: „Sollte es nicht gelingen, eine für beide Seiten tragfähige Lösung zu erreichen, die allen Parteien eine langfristige Zukunft eröffnet, besteht auch die Möglichkeit von Schließungen.“

Zukunft ungewiss

Während Galeria öffentlich betont, der Start ins neue Geschäftsjahr liege im Rahmen der Erwartungen und das Unternehmen sei solide finanziert, zeichnen die aktuellen Entwicklungen ein anderes Bild. Die ausbleibenden Mietzahlungen, die Warnung von Creditreform und die drohenden Filialschließungen lassen vermuten, dass die Warenhauskette erneut vor existenziellen Herausforderungen steht.

Professor Funder sieht dennoch Potenzial im deutschen Markt: „Ich sehe weiterhin ein Potenzial für 45 bis 50 Filialen eines zentralisierten Warenhauses.“ Ob Galeria dieses Potenzial realisieren kann oder ob das Unternehmen vor einer weiteren Insolvenz steht, bleibt jedoch ungewiss.