Ladendiebstahl: Einzelhandel warnt trotz rückläufiger Polizeistatistik
Ladendiebstahl: Einzelhandel warnt trotz weniger Anzeigen

Ladendiebstahl bleibt trotz statistischem Rückgang ein drängendes Problem

Der deutsche Einzelhandel atmet trotz eines Rückgangs in der offiziellen Polizeistatistik nicht auf. Die Zahlen täuschen nach Ansicht von Branchenvertretern über die tatsächliche Dimension des Problems hinweg und verdecken eine alarmierende Realität.

Statistik bildet nur die Spitze des Eisbergs ab

Laut der aktuellen Polizeilichen Kriminalstatistik ist die Zahl der erfassten einfachen Ladendiebstähle im Jahr 2025 gegenüber dem Vorjahr um knapp 6 Prozent gesunken. Konkret wurden gut 357.600 Fälle registriert. Bei schweren Ladendiebstählen blieb die Zahl mit rund 25.400 Delikten in etwa stabil. Doch diese offiziellen Daten geben nach Überzeugung des Handelsverbands Deutschland (HDE) kein realistisches Bild wieder.

Stefan Genth, Hauptgeschäftsführer des HDE, betont: „Viele Handelsunternehmen geben an, dass in der Praxis Anzeigen nicht weiterverfolgt und nach kurzer Zeit fallen gelassen werden. Daher ersparen sie sich oftmals den Aufwand und bringen Diebstähle gar nicht zur Anzeige.“ Dies führt zu einer enormen Dunkelziffer, die in der Statistik nicht erfasst wird.

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Milliardenschaden und steigende Tendenz

Eine Studie des Handelsforschungsinstituts EHI offenbart das wahre Ausmaß des Problems. Demnach haben Kunden im Jahr 2024 Waren im Wert von rund 2,95 Milliarden Euro gestohlen. Dies entspricht einem Anstieg von 4,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Besonders besorgniserregend ist die Entwicklung, dass der Gesamtschaden bereits zum dritten Mal in Folge gestiegen ist und einen neuen Höchststand erreicht hat.

Die Schätzungen des EHI gehen davon aus, dass jährlich etwa 24,5 Millionen Ladendiebstähle unentdeckt bleiben. Der durchschnittliche Warenwert pro Diebstahl liegt bei 120 Euro. Für das vergangene Jahr liegen zwar noch keine endgültigen Zahlen vor, doch die Tendenz der Vorjahre lässt nichts Gutes erahnen.

Ursachen und Forderungen des Handels

Der Einzelhandel identifiziert mehrere Gründe für die anhaltend hohe Zahl von Ladendiebstählen:

  • Eine Zunahme bandenmäßig organisierter Kriminalität
  • Eine geringere Akzeptanz rechtlicher Regelungen in der Gesellschaft
  • Defizite bei der Strafverfolgung durch die Behörden

Der HDE warnt, dass die Abschreckungswirkung aktuell nicht ausreichend sei, was zu mehr Delikten führe. Der Verband fordert daher seit längerem ein konsequenteres und härteres Durchgreifen gegen Täter. Nur so könne der Trend langfristig gestoppt und die Sicherheit für Händler sowie ehrliche Kunden gewährleistet werden.

Insgesamt bleibt Ladendiebstahl ein massives wirtschaftliches Problem für den Einzelhandel in Deutschland, das trotz scheinbar positiver statistischer Entwicklungen weiterhin hohe Priorität in der Branchenpolitik genießt.

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