Nach 35 Jahren: Letztes Sportgeschäft in Anklam schließt endgültig seine Türen
Letztes Sportgeschäft in Anklam schließt nach 35 Jahren (18.04.2026)

Nach 35 Jahren: Letztes Sportgeschäft in Anklam schließt endgültig seine Türen

Ein bedeutendes Kapitel der Anklamer Einzelhandelsgeschichte geht zu Ende. Dirk Wollenburg, der seit 35 Jahren das Sportgeschäft am Neuen Markt betreibt, hat den Entschluss gefasst, sein Geschäft zu schließen und in den wohlverdienten Ruhestand zu wechseln. Der Ausverkauf läuft bereits auf Hochtouren, und die Regale leeren sich zusehends. Für die Stadt bedeutet dies den Verlust ihres letzten verbliebenen Sportfachgeschäfts.

Vom Kfz-Mechaniker zum Sportgeschäftsinhaber

Die Geschichte von Dirk Wollenburgs Geschäft begann am 27. April 1991, als der damals 29-jährige ehemalige Kfz-Mechaniker den mutigen Schritt in die Selbstständigkeit wagte. Auf Anraten seines Schwiegervaters erkannte er nach der Wende eine Marktlücke, nachdem die ehemalige „Spo-Wa-Filiale“ an der Ravelinstraße schließen musste. Das familieneigene Wohn- und Geschäftshaus am Neuen Markt bot das perfekte Ladenlokal, das zuvor von einer Friseur-PGH genutzt wurde.

Die Anfangsjahre beschreibt Wollenburg als „wilde Zeit“. Mit handwerklichem Geschick baute er die Räume eigenhändig um und konnte auf die Unterstützung von Christa Studier, der ehemaligen HO-Leiterin, zählen, die ihm als Ratgeberin und Lehrmeisterin zur Seite stand. Ohne sie, so gibt er ehrlich zu, hätte er es wohl nicht so weit geschafft.

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Eine Erfolgsgeschichte mit langjähriger Partnerschaft

Bereits 1992 kam mit Christine Lorenz eine langjährige Mitarbeiterin ins Team, die bis zu ihrer eigenen Rente im Juni 2024 für ihn arbeitete. „Immer freundlich, immer für die Kunden da. Sie hat mir immer den Rücken freigehalten“, schwärmt Wollenburg. Gemeinsam meisterten sie die Herausforderungen des Einzelhandels und wurden zu einer festen Größe in der Anklamer Geschäftswelt.

Das Geschäft entwickelte sich zu einem verlässlichen Partner für Schulen und Sportvereine der Region, die regelmäßig Ausstattung und Equipment benötigten. Wollenburg konnte auch größere Bestellungen zu fairen Preisen realisieren, was ein gegenseitiges Geben und Nehmen förderte. Über Jahre hinweg existierten in Anklam noch weitere Sportgeschäfte und ein Kaufhaus im Lilienthalcenter, von denen alle profitieren konnten.

Die Herausforderungen des modernen Einzelhandels

Doch die goldenen Zeiten sind längst vorbei. Wie viele stationäre Händler spürte auch Wollenburg die Auswirkungen des Internethandels und die wirtschaftlichen Belastungen der Coronapandemie. „Überall im stationären Handel hat der Durchbruch des Internets auch mein Geschäft beeinflusst“, erklärt er. Seine persönliche Prämisse ist es nun, ohne Schulden und Nachwirkungen „sauber“ aus dem Geschäftsleben auszusteigen.

Mit Wehmut blickt er auf die Zukunft der Innenstädte: „Meiner Meinung nach werden die Innenstädte vielerorts weiter ausbluten, und es wird eines Tages keine privat geführten Einzelhandelsgeschäfte mehr geben.“

Das Ende einer Ära und neue Perspektiven

Ursprünglich plante Wollenburg, seinen Laden bis Ende Juni zu öffnen, doch der fortschreitende Ausverkauf könnte zu einer früheren Schließung führen. „Wenn es nichts mehr zu verkaufen gibt, brauchen wir es auch nicht länger herauszuzögern“, meint er pragmatisch und rechnet bereits im Mai mit dem letzten Geschäftstag. Einen Nachmieter für die Ladenräume gibt es bislang nicht, Interessenten können sich jedoch gerne melden.

Nach der Schließung will sich der Neu-Ruheständler endlich seinen Hobbys widmen. Seine Leidenschaft für Autos und Motoren bleibt ungebrochen, zudem ist er begeisterter Wassersportler und Mitbegründer des Kamper Hafenvereins. Die Aussicht, künftig mehr als nur eine Woche Urlaub im Jahr machen zu können, stimmt ihn glücklich.

Sein großer Dank gilt seiner Frau, seiner gesamten Familie und seinen Freunden für den jahrelangen Rückhalt und die Unterstützung während des Ausverkaufs, der bereits seit Ende März läuft. Mit dem Ende seines Geschäfts schließt sich nicht nur ein Kapitel im Leben von Dirk Wollenburg, sondern auch ein Stück Anklamer Stadtgeschichte.

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