Münchner Wirt verteidigt Gastro-Preise: Warum Söders Steuersenkung nicht bei Gästen ankommt
Münchner Wirt erklärt: Warum Gastro-Preise trotz Steuersenkung steigen

Münchner Wirt verteidigt Gastro-Preise: Warum Söders Steuersenkung nicht bei Gästen ankommt

Seit Jahresbeginn gilt die gesenkte Mehrwertsteuer auf Speisen – ein Versprechen von Ministerpräsident Markus Söder (CSU), das die Bürger entlasten sollte. Doch die Realität sieht anders aus: Die Gastro-Preise in Bayern stiegen im Januar im Vergleich zum Vorjahr um 3,9 Prozent. Der SPD-Landtagsabgeordnete Florian von Brunn kritisiert Söder scharf dafür, dass sein Entlastungsversprechen nicht eingelöst wurde.

„Das Wasser steht uns bis zum Hals“: Wirt erklärt die Lage

Gregor Lemke, Vorsitzender der Münchner Innenstadtwirte und Chef des Augustiner Klosterwirts an der Frauenkirche, stellt sich vor seine Kollegen. Der Vorwurf, die Wirte hätten die Steuerentlastung einfach eingesteckt, greife zu kurz. „So viele Kollegen haben die Preise letztes Jahr nicht erhöht“, betont er. Den aktuellen Preisanstieg begründet er mit mehreren Faktoren:

  • Generell gestiegene Kosten in der Branche
  • Der späte Beschluss der Politik zur Steuersenkung im Bundesrat Mitte Dezember
  • Die Planungsunsicherheit für das Jahr 2026

„Wenn die Politik sich nicht erst am 19. Dezember final entschieden hätte, wäre der Preisanstieg geringer ausgefallen“, so Lemke. Für die kommenden Monate erwartet er jedoch Stabilität: „Ich bin mir sicher, dass kein weiterer Anstieg mehr verzeichnet wird.“

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Warum die Preise nicht gesenkt werden können

Dass die Preise bereits 2025 nicht noch stärker gestiegen sind, sei kein Zufall. Viele Wirte hätten bewusst zurückhaltend agiert und Kostensteigerungen selbst getragen. Hätten sie den vollen Betrag an die Kunden weitergegeben, wären die Preise explodiert: „Da kämen wir in Bereiche, in denen man für ein Schnitzel 35 bis 38 Euro verlangen müsste“, erklärt der Münchner Wirt.

An den SPD-Politiker Florian von Brunn richtet Lemke eine direkte Frage: „Wie soll die Gastronomie in der jetzigen Lage denn die Preise senken? Vielleicht hat Florian von Brunn einen Tipp für uns.“

Der Blick aufs Land: Gesellschaftlich relevante Betriebe erhalten

Lemke betont, dass die Diskussion nicht nur die Innenstadtwirte betreffe, die betriebswirtschaftlich oft besser dastehen. „Es geht um die große Breite der Gastronomie in Dörfern und auf dem Land“, sagt er. Dort sei die Steuersenkung das Mindeste, um gesellschaftlich relevante Betriebe zu erhalten. Sein Appell an die Gäste: „Geht zu eurem Wirt, sonst ist er bald nicht mehr da.“

SPD-Abgeordneter: „Falsche Versprechungen von Herrn Söder“

Florian von Brunn lässt Lemkes Ausführungen nicht unkommentiert. Die Kalkulationsentscheidungen der Wirte seien deren Sache, betont der Abgeordnete: „Da misch' ich mich nicht ein.“ Ihm gehe es um etwas anderes: „Mir geht es um die falschen Versprechungen von Herrn Söder“.

Von Brunn erklärt, er habe bereits vorher von Gastwirten gewusst, dass sie die Senkung nicht weitergeben werden. Söder habe trotzdem das Gegenteil behauptet – „und interessanterweise hört man jetzt gar nichts mehr von ihm dazu“, kritisiert der Sozialdemokrat.

Kompromiss nötig: Balance zwischen Wirtschaftlichkeit und Erschwinglichkeit

Gastronom Lemke weiß, dass die Lage für alle Beteiligten schwierig bleibt. „Es hilft nichts, wenn der Wirt nichts mehr verdient und genauso wenig, wenn es sich der Gast nicht mehr leisten kann“, stellt er fest. Ein Kompromiss sei notwendig, um die Gastronomie in Bayern langfristig zu erhalten.

Das Finanzministerium, die Staatskanzlei und die CSU-Landesleitung haben zu den Vorwürfen bisher keine Stellungnahme abgegeben. Die Diskussion über die tatsächliche Wirkung der Mehrwertsteuersenkung in der Gastronomie dürfte jedoch weitergehen.

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