Der Onlinehändler Rebuy hat das Unternehmen Zeercle übernommen, das gebrauchte Bücher von Privatleuten ankauft. Durch den strategischen Zukauf erhält Rebuy erstmals Zugang zum stationären Handel: Zeercle kooperiert mit großen Buchhandelsketten wie Hugendubel, Cultura in Frankreich und dem italienischen Verlag Mondadori. Kunden können dort gebrauchte Bücher abgeben, die Rebuy anschließend weiterverkauft. Die Übernahme schwächt zugleich den direkten Konkurrenten Momox, der erst im Januar 2025 eine Partnerschaft mit Zeercle eingegangen war.
Wachstum im Secondhand-Markt
Der Markt für gebrauchte Waren boomt: Im vergangenen Jahr überschritt der Umsatz in Deutschland die Marke von zehn Milliarden Euro. Seit 2019 wächst er durchschnittlich um 10,9 Prozent pro Jahr. „Der Secondhand-Markt zeigt Wachstumsraten, die weit über denen des Handels mit Neuware liegen“, sagt Boris Hedde, Geschäftsführer des Handelsforschungsinstituts IFH. „Die Konsumenten sehen Secondhand mittlerweile ganz selbstverständlich als weiteren Einkaufskanal“, ergänzt Hedde. Gerade in Zeiten knapper Budgets greifen Verbraucher vermehrt zu gebrauchten Produkten.
Rebuy profitiert von Zeercle
Rebuy erzielte im vergangenen Jahr mit dem Verkauf von 9,7 Millionen gebrauchten Büchern einen Umsatz von etwas mehr als 70 Millionen Euro. Durch Zeercle kommen jährlich rund eine Million Bücher zusätzlich hinzu. Insgesamt steigerte Rebuy seinen Umsatz 2025 auf 243 Millionen Euro – ein Plus von 9,2 Prozent. 70 Prozent davon stammen aus dem Elektronikgeschäft. Für 2026 plant das Unternehmen ein zweistelliges Wachstum, so Rebuy-Chef Philipp Gattner gegenüber dem Handelsblatt.
Finanzierung aus dem Cashflow
Die Übernahme von Zeercle wurde ohne Fremdkapital finanziert. „Das erlaubt es uns, Akquisitionen wie jetzt die Übernahme von Zeercle zu tätigen, ohne dass wir dafür einen Kredit aufnehmen oder eine Kapitalerhöhung machen müssten“, erklärt Gattner. Rebuy erziele einen Nettogewinn und einen positiven Cashflow, so der CEO. Die Übernahme bringt sofort mehr Umsatz, da die Nachfrage nach gebrauchten Medien das Angebot übersteigt. „Der Flaschenhals ist klar auf der Ankaufseite“, sagt Gattner.
Strategische Bedeutung für den Markt
Die Übernahme von Zeercle ist auch ein Schlag gegen Momox, den europäischen Marktführer im E-Commerce mit gebrauchten Büchern. Momox hatte im Januar 2025 eine Partnerschaft mit Zeercle angekündigt, die nun abrupt endet. Der damalige Momox-Chef Heiner Kroke hatte die Zusammenarbeit als „völlig neues Geschäftsfeld“ bezeichnet, das die Expansion in Europa vorantreibe. Nun landen die Bücher, die Kunden in Hugendubel-Filialen gegen Gutscheine eintauschen, im Sortiment von Rebuy.
Ausblick und neue Kategorien
Rebuy will den stationären Ansatz von Zeercle künftig auch auf andere Produkte ausweiten, etwa Smartphones oder Haushaltsgeräte. „Der nächste Schritt wären hochpreisige Haushaltsgeräte wie Thermomix oder Dyson, bei denen der Wertverfall gering ist“, verrät Gattner. Auch die Expansion bei Laptops ist denkbar: Bisher bietet Rebuy nur Apple-MacBooks an. „Wir wollen erst mal in den Kategorien wachsen, in denen wir schon stark sind“, betont der CEO. „Es ist mir lieber, in zwei Kategorien Marktführer zu sein, als in zehn Kategorien Durchschnitt.“
E-Commerce-Experte Hedde hält die Übernahme für einen cleveren Zug: „Der Onlinemarkt für Secondhandprodukte ist noch ziemlich zersplittert. Es ist eine gute Strategie, jetzt auch ins stationäre Geschäft zu gehen, davon werden sie langfristig profitieren.“ Rebuy plant, die Logistikkapazitäten in den nächsten fünf Jahren zu verdoppeln, um das Wachstum zu bewältigen.



