Umsatz im Einzelhandel steigt trotz Kaufzurückhaltung
Umsatz im Einzelhandel steigt trotz Kaufzurückhaltung

Der deutsche Einzelhandel hat im ersten Halbjahr 2026 nominal 2,2 Prozent mehr umgesetzt als im Vorjahreszeitraum. Wie das Statistische Bundesamt mitteilte, blieb nach Abzug der Inflation ein reales Plus von 0,7 Prozent. Entscheidend für das Umsatzwachstum waren vor allem Preiserhöhungen – die verkaufte Menge legte nur moderat zu.

Doch die Stimmung in der Branche bleibt tief im Keller. „Die Lage im Einzelhandel ist alles andere als gut“, sagte Stefan Genth, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbandes Deutschland (HDE). Die Konsumstimmung bewege sich seit Langem um das Niveau des zweiten Corona-Lockdowns. „Das ist zu wenig, um der Branche Auftrieb zu geben“, betonte Genth. Weder die internationalen Konflikte in Nahost und in der Ukraine noch die Debatten in der Bundespolitik ließen kurzfristig Hoffnung auf eine Besserung zu.

Zum Vergleich: Während des zweiten Lockdowns im Winter 2020/21 waren weite Teile des Handels geschlossen, viele Geschäfte durften nicht öffnen. Dass die Stimmung heute ähnlich schlecht ist, obwohl der Handel weitgehend geöffnet hat, zeigt die tiefe Verunsicherung der Verbraucher.

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Konsumlaune bleibt auf Lockdown-Niveau

Der HDE lässt monatlich 1600 Menschen zu ihrer Anschaffungsneigung, Sparneigung, finanziellen Situation und weiteren konsumrelevanten Faktoren befragen. Das daraus gebildete Konsumbarometer soll die erwartete Stimmung für die kommenden drei Monate abbilden. Seit Monaten zeigt es kaum Erholung. Viele Verbraucher halten angesichts hoher Preise und wirtschaftlicher Unsicherheit ihr Geld zusammen.

Der Branchenverband erwartet für das Gesamtjahr 2026 ein Umsatzwachstum von zwei Prozent – getragen vor allem vom Online-Handel. Rechnet man die erwarteten Preiserhöhungen heraus, dürfte nur ein reales Plus von 0,5 Prozent übrig bleiben. Um die Kauflaune nachhaltig zu stärken, fordert der HDE von der Politik entschlossene Reformen. Nötig seien spürbare Entlastungen bei Lohnnebenkosten, Energiepreisen und Bürokratie. Erst wenn die Menschen positive Veränderungen im Alltag spürten, werde die Konsumstimmung nachhaltig anziehen.

Ifo-Umfrage: Mehrheit der Händler beklagt schwache Nachfrage

Die Zurückhaltung der Kunden zeigt sich auch in den Umfragen des Ifo-Instituts. Im Juli bewerteten 54 Prozent der Einzelhändler die Nachfrage als unzureichend. Im zweiten Quartal verzeichneten rund 48 Prozent der stationären Händler weniger Kunden als saisonüblich. Deutlich besser schnitten die Online-Shops ab: Nur knapp 26 Prozent meldeten weniger Klicks als für die Jahreszeit üblich.

Das Geschäftsklima im Einzelhandel hat sich im Juli zwar zum dritten Mal in Folge verbessert, bleibt jedoch tief im negativen Bereich: Der Indikator stieg von minus 32,4 Punkten im Juni auf minus 28,7 Punkte. Die Stimmung sei weiterhin „schlechter als vor der Eskalation des Konflikts im Iran Ende Februar“, ordnete Ifo-Experte Patrick Höppner ein. Viele Händler blickten sehr zurückhaltend auf die kommenden Monate. Im April und Mai war der Indikator auf die niedrigsten Werte seit 2023 gerutscht.

Höppner nannte den Iran-Konflikt als zentralen Belastungsfaktor: „Der Iran-Konflikt hat die konjunkturelle Unsicherheit erhöht und belastet die Verbraucherstimmung, auch wegen höherer Inflationsrisiken.“ Im Juli stieg die Inflationsrate auf 2,8 Prozent – maßgeblich bedingt durch das Auslaufen des staatlichen Tankrabatts und erneut gestiegene Ölpreise. Höhere Energie- und Lebensmittelpreise schmälern die Kaufkraft der privaten Haushalte zusätzlich.

Konjunktur verliert an Dynamik

Der schwache Konsum hinterlässt auch in der Gesamtwirtschaft Spuren. Das Bruttoinlandsprodukt wuchs im zweiten Quartal zwar um 0,2 Prozent und damit das dritte Quartal in Folge, doch fiel das Plus schwächer aus als zum Jahresbeginn (0,4 Prozent) und im Schlussquartal 2025 (0,3 Prozent). „Die Konsumausgaben entwickelten sich den vorläufigen Erkenntnissen nach verhalten“, erklärten die Statistiker des Bundes.

Der Einzelhandel verzeichnete zuletzt einen Dämpfer: Im Juni sanken die Umsätze nominal um 1,2 Prozent zum Vormonat, real sogar um 1,1 Prozent. Ökonomen hatten lediglich mit einem Mini-Minus von 0,1 Prozent gerechnet. Die amtlichen Daten zeigen damit, dass die Konsumzurückhaltung auch im Sommer nicht abebbt.

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Unterschiedliche Entwicklung in den Sparten

Die Juni-Zahlen zeigen ein gemischtes Bild. Tankstellen profitierten von höheren Preisen: Ihr Umsatz stieg real um 2,1 Prozent zum Vormonat. Der Lebensmitteleinzelhandel verlor dagegen real 1,4 Prozent, der Handel mit Nicht-Lebensmitteln 1,0 Prozent. Der Internet- und Versandhandel legte real um 0,4 Prozent zu.

Der Trend zu Online-Einkäufen setzt sich damit fort, während der stationäre Handel weiter unter der schwachen Frequenz leidet. Die Hoffnung auf eine schnelle Erholung schwindet. Insgesamt bleibt der Ausblick für die Branche gedämpft. Der HDE rechnet erst dann mit einer nachhaltigen Besserung, wenn die Politik die strukturellen Belastungen angeht und die Verbraucher wieder mehr Vertrauen in die wirtschaftliche Entwicklung fassen.