US-Hafengebühren: Deutschland profitiert von Chinas Schiffbau-Dominanz
US-Hafengebühren: Deutschland profitiert

Berlin. Deutschland kann einer Studie zufolge von geplanten US-Hafengebühren für in China gebaute Handelsschiffe profitieren. Die Exporte in die USA könnten dadurch um rund zwei Prozent steigen, heißt es in einer Untersuchung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), die der Nachrichtenagentur Reuters am Mittwoch vorab vorlag.

Weniger Abhängigkeit von chinesischen Schiffen als Wettbewerbsvorteil

Der Grund: Die hiesigen Frachtflotten sind weniger auf Schiffe aus chinesischer Produktion angewiesen, weshalb die deutschen Exporteure den betroffenen Konkurrenten Marktanteile abknöpfen könnten. Die US-Regierung will mit den Gebühren Chinas Dominanz im Schiffbau brechen und begründet dies mit Interessen der nationalen Sicherheit. Sie sollen danach erhoben werden, wo ein Schiff gebaut wurde – und nicht danach, wessen Waren es befördert.

USA schaden sich laut DIW selbst

Der DIW-Studie zufolge schaden sich die USA mit den ab November geplanten Gebühren vor allem selbst. Die Importe und Exporte der weltgrößten Volkswirtschaft gingen demnach um schätzungsweise 0,2 beziehungsweise 0,3 Prozent zurück. „Der Mechanismus ist einfach", sagte DIW-Ökonomin Sonali Chowdhry. „Die Gebühren erhöhen die Kosten für Vorleistungen, US-Hersteller verlieren an Wettbewerbsfähigkeit und die schwächere Konjunktur drückt zudem die Nachfrage nach ausländischen Gütern."

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Besonders starke Einbußen für Finnland, Dänemark und Polen

Noch stärker wären andere Länder betroffen. Innerhalb der EU müssten vor allem Finnland (minus 5,0 Prozent), Dänemark (minus 4,4 Prozent) und Polen (minus 3,0 Prozent) mit deutlichen Einbußen bei ihren Ausfuhren in die USA rechnen. „Die Hafengebühren auf in China gebaute Schiffe sind eine neue Eskalationsstufe im Handelskonflikt", sagte Chowdhry. „Erstmals geraten nicht nur Waren, sondern auch die Transportmittel selbst ins Visier."

Schwellenländer besonders hart getroffen

Besonders hart träfen die Maßnahmen demnach exportabhängige Schwellenländer wie Costa Rica, Vietnam oder Pakistan, deren Ausfuhren in die USA um bis zu fast neun Prozent einbrechen könnten. Als einer der wenigen Profiteure außerhalb Europas gilt Südkorea: Das Land könnte wie Deutschland mit einem Exportzuwachs von rund zwei Prozent rechnen.

Chinas Dominanz im Schiffbau seit den 1990er Jahren

Seit den 1990er Jahren hat sich den Angaben zufolge der Bau von Handelsschiffen in die Volksrepublik verlagert: Inzwischen stammt rund die Hälfte aller neu gebauten Handelsschiffe aus China. Der Marktanteil der EU ist demnach bei neu gebauten Handelsschiffen in den vergangenen 30 Jahren von 17 auf weniger als drei Prozent gesunken. Deutschlands Anteil sank von rund sechs Prozent der weltweit neu gebauten Schiffe im Jahr 1995 auf zuletzt weniger als 0,1 Prozent.

EU-Kommission schlägt maritime Industriestrategie vor

In der Europäischen Union wächst dem DIW zufolge das Bewusstsein für die strategische Bedeutung des Seetransports. Die EU-Kommission hat daher eine neue maritime Industriestrategie vorgeschlagen, um Investitionen in innovative Schiffstechnologien und den europäischen Schiffsbau anzukurbeln.

Handlungsauftrag für Deutschland

Für Deutschland ergebe sich daraus ein klarer Handlungsauftrag, so die Autoren der Studie. „Als eine der exportstärksten Volkswirtschaften Europas mit bedeutenden Reedereien und zentralen Schifffahrtsknotenpunkten sollte Deutschland eine aktivere Rolle in der europäischen maritimen Industriepolitik übernehmen", forderte Chowdhry.

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