WM 2026: Versprechen gebrochen – Fans zahlen 98 Dollar für Zugfahrt
Die Fußball-Weltmeisterschaft 2026 in den USA, Kanada und Mexiko sollte ein Fest des Sports werden. Doch für viele Fans wird die Reise zu den Stadien zur teuren Enttäuschung. Statt kostenloser öffentlicher Verkehrsmittel, wie im Bewerbungsverfahren versprochen, müssen Besucher in New York tief in die Tasche greifen: Die Fahrt mit dem Zug zum Stadion kostet hin und zurück 98 Dollar. Das sind umgerechnet rund 90 Euro – ein Betrag, der viele Urlauber vor Ort schockiert.
Der Ärger unter den Fans ist groß. „Ich habe extra ein günstiges Ticket gekauft, aber jetzt kommen die versteckten Kosten“, sagt der Brasilien-Fan Carlos Silva, der mit dem Zug aus New York zum Stadion reist. „Das ist nicht das, was uns versprochen wurde.“ Tatsächlich hatte das Bewerbungskomitee der drei Gastgeberländer 2018 in seinem 530 Seiten starken „Bid Book“ auf Seite 362 zugesichert: „An Spieltagen steht den Zuschauern die An- und Abreise zu den Stadien mit öffentlichen Verkehrsmitteln kostenlos zur Verfügung.“ Diese Zusage wurde jedoch später von den Veranstaltern zurückgenommen. Stattdessen kassieren nun die Städte kräftig ab.
Weitere gebrochene Versprechen: Ticketpreise und Nachhaltigkeit
Doch die Zugpreise sind nicht das einzige Problem. Auch bei den Ticketpreisen halten sich die Organisatoren nicht an ihre eigenen Ankündigungen. Auf Seite 490 des Bid Books wurden Eintrittspreise für Gruppenspiele ab 21 Dollar in Aussicht gestellt. In der Realität hat kaum ein Fan so wenig bezahlt. Die Fifa führte stattdessen ein „dynamisches Preismodell“ ein, das die Preise je nach Nachfrage in die Höhe treibt. „Zeigen Sie mir einen Fan, der nur 21 Dollar für seine Karte gezahlt hat – das nächste Bier geht auf mich“, kommentiert ein verärgerter deutscher Fan in den sozialen Medien. Tatsächlich liegen die günstigsten offiziellen Tickets oft weit über diesem Betrag, und viele Karten werden auf dem Zweitmarkt zu horrenden Preisen gehandelt.
Ein weiterer Punkt ist die Nachhaltigkeit. Die WM mit 16 Spielorten, von denen die meisten nur per Flugzeug erreichbar sind, steht im krassen Gegensatz zu Umweltversprechen. „Nachhaltig ist bei einer solchen Logistik einfach nichts“, kritisiert ein Umweltaktivist. Die Veranstalter hatten im Bewerbungsverfahren mehrfach betont, die WM so umweltfreundlich wie möglich zu gestalten. Doch die Realität sieht anders aus: Lange Flugstrecken zwischen den Stadien und mangelnde Alternativen belasten die CO2-Bilanz erheblich.
Arbeiterrechte und Einreise: Zusagen nicht eingehalten
Auch bei den Arbeiterrechten gibt es Konflikte. Jede Bewerberstadt musste eine Absichtserklärung unterzeichnen, die faire Arbeitsbedingungen zusichert. Weil diese nicht eingehalten wurden, kam es in Seattle, Dallas und Los Angeles zu Protesten und Streikandrohungen. „Die Versprechen wurden gebrochen, und die Arbeiter leiden darunter“, erklärte ein Gewerkschaftsvertreter. Die Fifa und die lokalen Organisatoren stehen in der Kritik, die Rechte der Beschäftigten nicht ausreichend zu schützen.
Hinzu kommen Probleme bei der Einreise. Das Bid Book versprach in zwei Kapiteln eine „problemlose und diskriminierungsfreie Einreise“ für Teams, Offizielle, Betreuer und Fans. Doch in der Praxis berichten viele Besucher von langen Wartezeiten, strengen Kontrollen und sogar Einreiseverweigerungen. „Wir hatten alle notwendigen Papiere, aber trotzdem wurde ich stundenlang befragt“, erzählt ein mexikanischer Fan. Die Realität zeigt: Die schönen Worte aus dem Bewerbungsverfahren haben sich für viele nicht bewahrheitet.
Die WM 2026 sollte ein Turnier der Superlative werden – doch für viele Fans bleibt vor allem der Ärger über die gebrochenen Versprechen. Die Veranstalter sind nun gefordert, nachzubessern, um das Vertrauen der Zuschauer nicht vollends zu verlieren.



