Krampnitz: Erste Wohnungen fertig, Tram-Anschluss verzögert sich bis 2032
Krampnitz: Erste Wohnungen fertig, Tram kommt 2032

Beim Stadtteilfest am Samstag in Potsdam-Krampnitz konnten Interessenten einen ersten Blick in die Musterwohnung der Buwog werfen. Die 69 Quadratmeter große Wohnung verfügt über einen Wohnraum mit Einbauküche, ein Schlafzimmer sowie ein Badezimmer mit bodengleicher Dusche. Sebastian Krüger, Leiter des Geschäftsbereiches Ost der Vonovia, gab bekannt, dass die Warmmiete bei rund 1400 Euro liegen wird. Die Kaltmiete der Wohnungen im Quartier wird voraussichtlich zwischen zehn und 16 Euro pro Quadratmeter betragen.

550 Interessenten für 186 Wohnungen

Für die ersten 186 Wohnungen haben sich bereits 550 Interessenten gemeldet, so Krüger. Buwog-Geschäftsführerin Eva Weiß erklärte, dass 52 Mietwohnungen voraussichtlich im Oktober fertiggestellt werden, der Einzug sei dann im November möglich. Sie räumte Verzögerungen ein: „Ich weiß, ich habe Anfang dieses Sommers versprochen. Aber es sind viele Dinge passiert.“ So sei etwa das Werk, das die Balkone liefern sollte, abgebrannt. Der neue Anbieter habe ein anderes System. Dennoch versprach Potsdams Oberbürgermeisterin Noosha Aubel (parteilos): „Die ersten Menschen werden dieses Jahr hier ihr Weihnachtsfest feiern können.“

Bis zu 10.000 Einwohner bis 2038 geplant

Bis 2038 sollen in dem neuen Stadtteil bis zu 10.000 Menschen leben. Das Quartier wird vom kommunalen Entwicklungsträger sowie privaten Bauherren saniert und bebaut. Eine Bedingung ist der Straßenbahnanschluss, der für 2032 geplant ist. Ohne Tram ist die Einwohnerzahl auf 5000 begrenzt. Derzeit ist Krampnitz mit dem Bus im Zehn-Minuten-Takt angebunden, so Weiß.

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Mobilitätskonzept stößt auf Kritik

Die Mobilität war ein zentrales Thema auf dem Stadtteilfest. Andreas und Petra Weidlich, die im benachbarten Bornstedter Feld leben, zogen dorthin, weil die Straßenbahnanbindung gegeben war. In Krampnitz sei das bisher nicht der Fall. Sie finden das Konzept, den Verkehr aus dem Stadtteil herauszuhalten, spannend. Neun sogenannte Mobilitätshubs sollen entstehen, mit über 9500 mietbaren Stellplätzen, Car-Sharing, Paketstationen und kostenpflichtigen Besucherparkplätzen. Pro Wohnung ist ein halber Stellplatz vorgesehen, der Rest soll durch den ÖPNV ausgeglichen werden. Petra Weidlich sagte: „Wir haben bei der Führung gemerkt, dass dieser Faktor von 0,5 nicht gut angenommen wurde. Das wird ein Stolperstein, denke ich.“ Auch die Parkgebühren für Besucher könnten zum Problem werden.

Ein 29-jähriger Besucher aus dem Bornstedter Feld zweifelt an der ausreichenden Anbindung, sowohl mit dem ÖPNV als auch durch eigene Stellplätze. Zudem bemängelt er das Fehlen eines Nahversorgers. Die nahegelegenen Märkte seien bereits überlastet.

Supermarkt und Gewerbe in Planung

Eva Weiß erklärte, dass der Bauantrag für einen Supermarkt mit Vollversorgung – kein Discounter – am Krampnitzer Tor in Finalisierung sei. Es gebe mehrere Interessenten, unterschrieben sei noch nichts. In der Zwischenzeit werde an einer Selbstversorgungsstation gearbeitet. Noch offen sei, wer in die anderen Gewerbeeinheiten ziehen soll. Gewünscht seien eine Apotheke, ein Bäcker und ein Café. „First Mover zu sein, das ist schon eine Herausforderung“, so Weiß.

Bildungsinfrastruktur als Erfolg

Andreas und Petra Weidlich sehen in Krampnitz eine Möglichkeit für ihre erwachsenen Kinder, ein eigenes Zuhause zu finden. „Es ist ein modernes Konzept“, sagte Petra Weidlich. Zudem seien Schule und Kita direkt in der Nähe. Oberbürgermeisterin Aubel zeigte sich besonders stolz darauf, dass die Bildungsinfrastruktur zuerst an den Start gebracht wurde. Sie sagte: „Es ist nicht mehr die Stadt von morgen. Krampnitz wird jetzt Quartier.“

Anbindung an die B2 ab Juli

Der nächste Schritt ist ab Juli der Straßenumbau an der Ecke Finnische und Schwedische Allee, um das Quartier an die B2 anzubinden, so Bert Nicke, Geschäftsführer des Entwicklungsträgers Potsdam. Das werde die Situation für Radfahrer und Fußgänger verbessern. Zudem werden die Busse über eine statt zwei Haltestellen angebunden, und eine Busspur ist geplant. Bei den Vorarbeiten wurden archäologische Artefakte aus dem ersten Jahrtausend vor Christus gefunden.

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Weitere Bauabschnitte

Nach Fertigstellung der ersten Wohnungen im Herbst werden die restlichen 186 Einheiten des ersten Bauabschnitts sukzessive fertiggestellt, so Krüger. Die Ein- bis Vier-Zimmerwohnungen mit 32 bis 124 Quadratmetern entstehen in vier denkmalgeschützten Bestandsgebäuden. Der nächste Bauabschnitt liegt zentral gegenüber dem neuen Stadtplatz Ost im ehemaligen Stabsgebäude. Hier sollen ab 2029 bis zu 4000 Quadratmeter Gewerbeflächen fertiggestellt werden. Ein Mix aus Mietwohnungen, Einzelhandelsflächen und einer Tiefgarage mit rund 100 Stellplätzen soll ebenfalls ab 2029 auf dem Stadtplatz entstehen.

Der Bauabschnitt 2 mit dem Namen „Buwog Alva“ ist in Arbeit. In drei denkmalgeschützten Gebäuden entstehen 106 Eigentumswohnungen mit 1,5 bis fünf Zimmern. Die Quadratmeterpreise betragen laut Krüger 7500 bis 8500 Euro. Sie sollen ab 2028 bezogen werden. Der dritte Bauabschnitt ist in Planung, mit rund 150 weiteren Eigentumswohnungen, die ab 2027 verkauft und ab 2029/30 fertiggestellt werden sollen. Auf weiteren Baufeldern plant die Buwog rund 1000 Miet- und Eigentumswohnungen sowie Gewerbeflächen. 2038 soll der Stadtteil voraussichtlich fertiggestellt sein.

„Wir müssen uns bewusst sein: Hier entsteht etwas ganz Neues. Und da muss man einen langen Atem mitbringen“, so Krüger. „Und Mut“, ergänzt Weiß.