Wohnen wird für viele Familien zum finanziellen Kraftakt: Eine neue Studie zeigt, dass längst nicht mehr nur Metropolen wie München an der Belastungsgrenze sind. In immer mehr Städten frisst die Warmmiete mehr als 30 Prozent des Einkommens, in einigen sogar deutlich mehr.
Die größten Wohnkosten-Fallen
Laut der Untersuchung, die der Deutschen Post vorliegt, liegt die durchschnittliche Mietbelastungsquote in 107 untersuchten Städten bei 27,8 Prozent. In 34 Städten übersteigt sie jedoch die 30-Prozent-Marke, die als kritische Grenze gilt. Spitzenreiter ist München mit 38,2 Prozent, gefolgt von Stuttgart (35,1 Prozent) und Frankfurt am Main (34,6 Prozent). Aber auch in Städten wie Freiburg (33,8 Prozent), Heidelberg (32,9 Prozent) und Köln (32,1 Prozent) müssen Mieter tief in die Tasche greifen.
„Die Studie zeigt, dass die Wohnkostenbelastung nicht mehr nur auf die großen Metropolen beschränkt ist“, sagt Thomas Reichel, Immobilienexperte und Autor der Studie. „Selbst in mittelgroßen Städten wie Darmstadt oder Münster liegt die Quote bei über 30 Prozent.“
Wo Familien noch vergleichsweise günstig wohnen
Am anderen Ende der Skala finden sich Städte mit niedrigen Mietbelastungsquoten: In Chemnitz beträgt sie nur 19,2 Prozent, in Gelsenkirchen 20,1 Prozent und in Kaiserslautern 21,4 Prozent. Auch in ostdeutschen Städten wie Magdeburg (22,3 Prozent) und Halle (23,1 Prozent) ist das Wohnen vergleichsweise erschwinglich.
Allerdings warnt Reichel davor, dass ein Umzug aufs Land oder in kleinere Städte nicht automatisch Entlastung bringe: „Die Nebenkosten sind dort oft höher, und die Infrastruktur ist schlechter. Zudem steigen die Mieten in den Speckgürteln der Großstädte ebenfalls rasant.“
Die Entwicklung der letzten Jahre
Im Vergleich zu 2020 ist die durchschnittliche Mietbelastungsquote um 2,3 Prozentpunkte gestiegen. Besonders stark fiel der Anstieg in Berlin aus: von 28,1 Prozent auf 31,5 Prozent. Auch in Leipzig (von 24,6 Prozent auf 27,8 Prozent) und Dresden (von 25,3 Prozent auf 28,1 Prozent) zogen die Kosten an.
„Die Schere zwischen Arm und Reich wird beim Wohnen immer größer“, kommentiert Reichel. „Während Gutverdiener in zentralen Lagen wohnen können, müssen Geringverdiener immer weiter an den Stadtrand oder in strukturschwache Regionen ausweichen.“
Was bedeutet das für Familien?
Die Studie definiert eine Warmmiete von über 30 Prozent des Nettoeinkommens als kritisch, da dann weniger Geld für andere Lebenshaltungskosten wie Ernährung, Kleidung oder Freizeit bleibt. In München müssen Familien mit einem durchschnittlichen Nettoeinkommen von 4.200 Euro monatlich allein 1.604 Euro für die Miete aufbringen. In Chemnitz sind es bei einem Einkommen von 3.100 Euro nur 595 Euro.
Die Autoren der Studie fordern daher mehr politische Maßnahmen, um den Wohnungsmarkt zu entlasten, insbesondere den Bau von bezahlbarem Wohnraum und eine Reform der Wohngeldzahlungen.



