Deutschland steckt im Infrastruktur-Stau fest. Autobahnbaustellen ziehen sich über Jahrzehnte, Straßen verfallen, Brücken müssen gesperrt werden oder stürzen ein. Trotz eines Sondervermögens von 500 Milliarden Euro für Investitionen kommt der Fortschritt nicht voran. Ein SPIEGEL-TV-Film von Adrian-Basil Mueller und Jessy Schrödert zeigt die Ursachen und Konsequenzen dieser Misere.
Die Realität auf Deutschlands Baustellen
Der Film dokumentiert mehrere Großprojekte, die seit Jahren stocken. So wird eine Autobahn seit über einem Jahrzehnt nicht fertiggestellt. Viele wichtige Verkehrsadern sind marode: Brücken wie die Leverkusener Rheinbrücke oder die Rahmedetalbrücke auf der A45 sind entweder gesperrt oder nur eingeschränkt nutzbar. Die Folge sind tägliche Staus und Umwege für Millionen Pendler und den Güterverkehr.
Laut einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) belaufen sich die volkswirtschaftlichen Verluste durch marode Infrastruktur auf jährlich rund 100 Milliarden Euro. Das sind Kosten durch Zeitverluste, zusätzliche Spritkosten und Lieferverzögerungen. Trotz des 500-Milliarden-Euro-Topfs, den die Bundesregierung für Investitionen bereitgestellt hat, bleibt die Umsetzung schleppend.
Bürokratie als größter Bremsklotz
Der Film identifiziert die überbordende Bürokratie als Hauptursache für die Langsamkeit. Planungs- und Genehmigungsverfahren dauern in Deutschland im Schnitt sieben bis zehn Jahre für große Projekte. „Wir haben ein System, das auf Perfektionismus ausgelegt ist, aber am Ende nichts liefert“, sagt ein Bauprojektleiter im Film. Hinzu kommen Klagen von Umweltverbänden und Anwohnern, die Verfahren zusätzlich in die Länge ziehen.
Ein Beispiel: Für den Ausbau der A1 zwischen Köln und Dortmund wurden allein für die Planung über fünf Jahre benötigt. Die eigentlichen Bauarbeiten sollen erst 2028 beginnen. Der Film zeigt, dass es an Personal mangelt – sowohl in den Planungsbehörden als auch bei den Baufirmen. Rund 40.000 Ingenieure und Fachkräfte fehlen laut Branchenverband.
Die Folgen für Wirtschaft und Bürger
Die Langsamkeit bei Bauprojekten hat weitreichende Folgen. Die deutsche Wirtschaft leidet unter den Engpässen: Lieferketten werden unterbrochen, Produktionsausfälle sind die Folge. Für Bürger bedeutet es tägliche Frustration im Stau und sinkende Lebensqualität. Der Film zeigt Pendler, die pro Woche bis zu zehn Stunden zusätzlich im Auto verbringen.
Ein weiterer Punkt: Die Kosten steigen durch Verzögerungen massiv. Laut Bundesrechnungshof haben sich die Kosten für das Projekt Stuttgart 21 von ursprünglich 4,5 auf über 11 Milliarden Euro mehr als verdoppelt. Ähnliche Entwicklungen gibt es bei vielen anderen Vorhaben.
Was getan werden müsste
Experten fordern im Film eine Reform der Planungs- und Genehmigungsverfahren. „Wir brauchen eine Beschleunigung, aber ohne die Beteiligung der Bürger zu untergraben“, sagt ein Jurist. Vorschläge sind die Einführung von Digitalisierung in der Verwaltung, mehr Personal und straffere Fristen. Der Bund hat bereits ein „Beschleunigungsgesetz“ auf den Weg gebracht, doch dessen Wirkung ist umstritten.
Der Film endet mit einem Appell: Ohne grundlegende Reformen werde Deutschland den Investitionsstau nicht auflösen können. Die 500 Milliarden Euro seien zwar ein wichtiger Schritt, aber nur ein erster. Entscheidend sei die Umsetzung.



