Der überraschende Abgang von Bosch-Chef Stefan Hartung nach nur viereinhalb Jahren – bekanntgegeben vier Tage vor seinem Ausscheiden am 30. Juni – ist ein Novum in der 140-jährigen Geschichte des weltgrößten Autozulieferers. Mit Christian Fischer bekommt der Konzern erst seinen achten Chef nach Gründer Robert Bosch. Doch die Zeiten der Kontinuität sind vorbei.
Multiple Krisen zwingen Bosch zu schnellerem Wandel
Corona, Ukrainekrieg, Chipengpässe, schleppende Elektromobilität, Handelskrieg mit den USA, Konjunktureinbruch in China und Nahostkonflikt: In diesen multiplen Krisen schrumpft Bosch auf Normalmaß. Der Konzern verschleißt seine Chefs nicht mehr langsamer als mitunter deutlich nervösere börsennotierte Unternehmen. Früher war es ungeschriebenes Gesetz, dass der scheidende Bosch-Chef nach zehn Jahren an die Spitze des Aufsichtsrats und der Robert Bosch Industrietreuhand wechselt, um die Eigentümerfunktion wahrzunehmen. Diese Tradition ist nun gebrochen.
Christian Fischer vor großer Herausforderung
Der neue Chef Christian Fischer muss nicht nur die Sanierung vorantreiben, sondern auch den Konzern durch die anhaltenden Turbulenzen steuern. „Wir können diese Zählung jetzt langsam einstellen“, kommentiert Martin-W. Buchenau. Die Zeiten, in denen Bosch-Chefs jahrzehntelang amtierten, sind endgültig vorbei. Fischer, der bereits als stellvertretender Vorsitzender der Geschäftsführung tätig war, kennt den Konzern gut, steht aber vor der Herausforderung, Bosch wieder auf Erfolgskurs zu bringen.
Bosch verliert seine Sonderstellung
Der rasche Wechsel zeigt, dass auch der Stiftungskonzern nicht immun gegen den Druck der globalen Märkte ist. Während Bosch früher für seine Stabilität und Langfristigkeit bekannt war, muss sich das Unternehmen nun schneller anpassen. Die Frage ist, ob Fischer die nötige Zeit bekommt, um die notwendigen Veränderungen umzusetzen. Eines ist klar: Der Chefverschleiß bei Bosch hat sich dem Branchendurchschnitt angeglichen.



