Die Zurückhaltung deutscher Unternehmen bei Investitionen nimmt trotz eines weiterhin hohen Bedarfs zu. Das geht aus einer aktuellen Befragung der staatlichen KfW-Bank hervor, an der 1.567 Firmen teilnahmen. Demnach sehen 92 Prozent der Unternehmen grundsätzlich einen Investitionsbedarf, aber nur 61 Prozent planen, in den kommenden zwölf Monaten tatsächlich Projekte umzusetzen.
Investitionsquote fällt unter das Niveau der Finanzkrise
Rückblickend berichteten nur noch 57 Prozent der befragten Unternehmen von Investitionen in den vergangenen zwölf Monaten. Dieser Wert liegt sogar unter dem Tiefstwert des Krisenjahres 2009, als noch 68 Prozent der Firmen investiert hatten. An erster Stelle des Investitionsbedarfs steht mit 53 Prozent der Nennungen die Informationstechnologie.
Die Gründe für die Zurückhaltung sind vielschichtig: Viele Unternehmen beklagen eine angespannte wirtschaftliche Lage und einen zunehmend schwierigen Zugang zu Finanzierungen. Besonders kleine und mittlere Unternehmen haben Probleme, Kredite zu erhalten.
Kreditaufnahme wird schwieriger – vor allem für kleine Firmen
Der Anteil der Unternehmen, die die Aufnahme eines Kredits als leicht einschätzen, ist auf 24 Prozent gesunken – ein Rückgang um acht Prozentpunkte im Vergleich zur vorherigen Untersuchung aus dem Jahr 2024. Gleichzeitig bewerten 26 Prozent der Firmen die Kreditaufnahme als schwierig. Die wirtschaftliche Lage vieler Unternehmen bleibt angespannt: 46 Prozent der Befragten berichten von Nachfragerückgängen in den vergangenen zwölf Monaten, und 40 Prozent erwarten weitere Einbußen.
KfW-Chef Stefan Wintels kommentierte die Ergebnisse mit deutlichen Worten: „Deutschland steht vor einer großen Investitionsaufgabe – staatlich wie privat. Unsere Unternehmen wissen dabei sehr genau, wo sie investieren müssen – in Digitalisierung, Dekarbonisierung, Innovation. Doch zu viele Projekte bleiben seit Jahren in der Warteschleife.“
Weniger Bürokratie und mehr Planungssicherheit gefordert
Um eine neue Dynamik zu erreichen, seien nach Ansicht von Wintels weniger Bürokratie, stärkere Planungssicherheit, qualifizierte Einwanderung und verlässlich verfügbare Finanzierungen notwendig. Die KfW-Befragung zeigt, dass die Investitionszurückhaltung nicht nur konjunkturelle, sondern auch strukturelle Ursachen hat. Gerade kleinere Unternehmen, die das Rückgrat der deutschen Wirtschaft bilden, leiden unter erschwerten Kreditbedingungen und einer unsicheren Auftragslage.
Die Ergebnisse der Befragung unterstreichen die Dringlichkeit politischer Maßnahmen, um die Investitionsbereitschaft zu stärken und die wirtschaftliche Erholung zu unterstützen.



