Dräger-Chef warnt: „Die Chemieindustrie stirbt leise“
Dräger-Chef: „Chemieindustrie stirbt leise“

Dräger-Chef schlägt Alarm: „Die Chemieindustrie stirbt leise“

Der Vorstandsvorsitzende des Lübecker Sicherheitstechnik-Herstellers Drägerwerk, Stefan Dräger, hat eindringlich vor dem Niedergang der deutschen Chemieindustrie gewarnt. „Die Chemieindustrie stirbt leise“, sagte Dräger in einem Interview der Deutschen Presse-Agentur. Diese Entwicklung werde in der öffentlichen Wahrnehmung weitgehend übersehen, da sich die Aufmerksamkeit vor allem auf die Krise der Automobilbranche richte. „Alle schauen auf Automotive, und das finde ich übertrieben“, kritisierte der 63-Jährige.

Dräger als Partner der Chemieindustrie

Drägerwerk ist ein wichtiger Zulieferer für die Chemiebranche: Das Unternehmen liefert Messgeräte, Warnanlagen und Atemschutzmasken. Darüber hinaus agiert der Konzern als Dienstleister und stellt Personal, das etwa Produktionsprozesse in Chemiewerken überwacht. Diese enge Verbindung macht die Krise der Branche für Dräger unmittelbar spürbar.

„Wir beobachten, dass viele Anlagen gar nicht wieder angefahren werden und stillstehen“, berichtete Dräger. „Wenn man über Werksgelände läuft, ist es trostlos.“ Der Konzern verzeichne im Chemiebereich Umsatzrückgänge. Diese könne man jedoch über Wachstum in anderen Geschäftsbereichen mehr als ausgleichen, betonte der Vorstandschef.

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Ursachen: Energiepreise und Bürokratie

Als zwei Hauptgründe für die schwierige Lage der Chemieindustrie nannte Dräger die hohen Energiepreise und die überbordende Bürokratie. Diese Faktoren machten den Standort Deutschland zunehmend unattraktiv für energieintensive Industrien.

Das Familienunternehmen Drägerwerk

Stefan Dräger leitet das 1889 in Lübeck gegründete Familienunternehmen in fünfter Generation. Im vergangenen Jahr beschäftigte der börsennotierte Konzern mehr als 16.000 Mitarbeiter und erzielte einen Umsatz von annähernd 3,5 Milliarden Euro. Die Stammaktien hält mehrheitlich die Familie Dräger.

Chemiebranche steckt seit Jahren in der Krise

Die Chemiebranche zählt zu den größten Industriebranchen Deutschlands, leidet jedoch seit Jahren unter einer anhaltenden Krise. Der Branchenverband VCI (Verband der Chemischen Industrie) teilte jüngst mit, dass Produktion, Umsatz und Investitionen im ersten Halbjahr im Vergleich zum Vorjahreszeitraum zurückgegangen sind.

Ein besonders deutliches Zeichen der Krise ist die Entwicklung am Stammsitz des weltgrößten Chemiekonzerns BASF in Ludwigshafen: Dort fiel im Mai erstmals seit 1954 die Zahl der Vollzeitstellen unter die Marke von 30.000.

Ausblick und Bedeutung

Die Warnungen von Stefan Dräger verdeutlichen, dass die Krise der Chemieindustrie weitreichende Folgen für die gesamte deutsche Wirtschaft haben könnte. Als wichtiger Arbeitgeber und Zulieferer vieler Branchen ist die Chemie ein zentraler Pfeiler des Industriestandorts. Sollten die strukturellen Probleme – insbesondere bei Energie- und Bürokratiekosten – nicht angegangen werden, drohen weitere Werksschließungen und Arbeitsplatzverluste.

Dräger selbst sieht sein Unternehmen trotz der Herausforderungen gut aufgestellt: Die Diversifikation in andere Geschäftsfelder ermögliche es, die Rückgänge im Chemiebereich zu kompensieren und weiterhin zu wachsen. Dennoch appelliert er an die Politik, die Rahmenbedingungen für die Industrie zu verbessern, um eine weitere Erosion des Standorts zu verhindern.

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