Evonik streicht Tausende Stellen – auch in Deutschland
Der Essener Chemiekonzern Evonik setzt seinen Sparkurs fort und plant den Abbau von rund 3200 Arbeitsplätzen bis Ende 2029. Davon entfallen 2150 Stellen auf Deutschland, wie das Unternehmen mitteilte. Zusätzlich soll das verlustreiche Polyester-Geschäft im kommenden Jahr komplett eingestellt werden, was weitere 350 Arbeitsplätze betrifft.
Konzernchef Kullmann nennt Gründe
„Die weltpolitische Lage ist unsicher und das wirtschaftliche Wachstum ist anhaltend schwach“, erklärte Konzernchef Christian Kullmann. „Zugleich wird der internationale Wettbewerb immer härter.“ Der Stellenabbau solle sozialverträglich gestaltet werden, betonte das Unternehmen. Betriebsbedingte Kündigungen seien weiterhin ausgeschlossen.
Gewerkschaft kritisiert fehlende Perspektiven
Alexander Bercht von der Gewerkschaft IG BCE mahnte: „Die Beschäftigten dürfen nicht allein die Lasten einer schwierigen Marktlage tragen.“ Positiv sei, dass es keine betriebsbedingten Kündigungen gebe und eine Verlagerung vieler Arbeitsplätze ins Ausland verhindert worden sei. Allerdings schafften immer neue Sparprogramme keine nachhaltigen Zukunftsperspektiven.
Polyester-Geschäft wird aufgegeben
Bereits laufende Sparprogramme sehen den Abbau von rund 2800 Stellen vor. Geschäfte mit etwa 3500 Beschäftigten an den Standorten Marl und Wesseling wurden in die hundertprozentige Tochter Syneqt überführt, die möglicherweise verkauft wird. Der Ausstieg aus dem Polyester-Geschäft betrifft die Standorte Witten, Marl und Shanghai. Die Sparte fahre seit Jahren Verluste, ein Verbleib sei alternativlos. Evonik beschäftigte Ende März rund 30.600 Menschen, ein Jahr zuvor waren es noch über 31.000. Die Aktie verlor über drei Prozent und zählte zu den größten Verlierern im MDax.
Krise der Chemiebranche
Die deutsche Chemieindustrie steckt in einer der schwersten Krisen der vergangenen 30 Jahre. Schwache Nachfrage, hohe Energiepreise, Preisdruck aus Asien und geopolitische Spannungen belasten die Branche. Der Verband VCI warnte vor einem Kollaps des drittgrößten Industriezweigs nach der Automobil- und Maschinenbauindustrie. Zahlreiche Unternehmen haben Stellenabbau angekündigt: Wacker will bis Ende 2027 über 1500 Stellen streichen, Lanxess baut 550 Stellen ab, davon zwei Drittel in Deutschland. Auch Branchenprimus BASF plant weitere Einsparungen, nachdem die Beschäftigtenzahl zwischen Ende 2023 und Ende 2025 weltweit um 4800 gesunken ist. Eine neue Standortvereinbarung sichert zwar 33.000 Arbeitsplätze in Deutschland bis Ende 2028, dennoch wird mit weiterem Personalabbau gerechnet.



