12.900 Unternehmen melden Insolvenz an – Höchststand seit 2013
Die anhaltende Wirtschaftskrise in Deutschland treibt immer mehr Unternehmen in die Insolvenz. Laut Hochrechnungen der Auskunftei Creditreform werden bis Ende des ersten Halbjahres 2026 rund 12.900 Firmen Insolvenz angemeldet haben. Das entspricht einem Anstieg von fast acht Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum und ist der höchste Stand seit den ersten sechs Monaten des Jahres 2013, als damals 13.310 Fälle registriert wurden.
„Der Pleite-Höhepunkt ist noch nicht erreicht“, warnt Patrik-Ludwig Hantzsch, Leiter der Creditreform Wirtschaftsforschung. „Diese Entwicklung wird sich erst dann wieder stabilisieren, wenn die Wirtschaft endlich wächst. Nach jetzigem Stand also frühestens 2027.“ Ökonomen trauen der deutschen Wirtschaft im laufenden Jahr nur ein Mini-Wachstum zu, während die Folgen des Iran-Kriegs den erhofften Aufschwung bremsen.
Ölpreisschock und strukturelle Probleme belasten Unternehmen
Die Liste der Belastungsfaktoren ist lang: Teure Energie, zurückhaltende Konsumenten und bürokratische Hürden setzen den Unternehmen zu. Der Iran-Krieg hat die Krise zusätzlich verschärft, insbesondere durch den Preissprung bei Energie, der sowohl Unternehmen als auch Verbraucher stark belastet. Die meisten Insolvenzen entfielen im ersten Halbjahr auf den Dienstleistungssektor, zu dem auch die Gastronomie zählt, mit knapp 7.900 Fällen.
Einen überdurchschnittlichen Anstieg der Pleitezahlen um 28,6 Prozent verzeichnet Creditreform bei Großunternehmen mit mehr als 250 Beschäftigten. Betroffen waren unter anderem der Hotelbetreiber Revo-Hospitality-Gruppe, die Baumarktkette Hellweg und der Spielwarenhändler Rofu Kinderland.
Junge Unternehmen besonders gefährdet – 165.000 Jobs in Gefahr
Besonders hart trifft die Krise junge Unternehmen: Bis zu zwei Jahre nach der Gründung gaben 1.140 Gründerinnen und Gründer auf – ein Anstieg um gut ein Viertel (25,3 Prozent) im Vergleich zum ersten Halbjahr 2025. „Das schwierige Umfeld verzeiht keine Fehlkalkulationen“, sagt Hantzsch.
Insgesamt stehen infolge der Insolvenzen im ersten Halbjahr 165.000 Arbeitsplätze auf dem Spiel – deutlich mehr als im Vorjahreszeitraum mit 143.000 Stellen. Die geschätzte Schadenssumme liegt mit 28,5 Milliarden Euro etwas unter dem Wert des Vorjahreszeitraums (31,2 Milliarden Euro).
Verbraucherinsolvenzen steigen ebenfalls an
Auch Privathaushalte geraten zunehmend in finanzielle Not: Im ersten Halbjahr 2026 zählte Creditreform 38.800 Verbraucherinsolvenzen – ein Plus von 2,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Der Anstieg fiel jedoch geringer aus als in den beiden Vorjahren und erreichte nicht das Niveau früherer Jahre.
„Zwar belasten die gestiegenen Lebenshaltungskosten und die Inflation viele Verbraucher, der deutsche Arbeitsmarkt zeigt sich jedoch immer noch weitgehend robust, auch wenn zunehmend insbesondere im verarbeitenden Gewerbe gut bezahlte Stellen abgebaut wurden“, analysiert die Auskunftei.
Amtliche Zahlen bestätigen Trend
Die amtlichen Zahlen untermauern den Negativtrend: Für das erste Quartal 2026 meldeten die Amtsgerichte 6.275 beantragte Unternehmensinsolvenzen – 6,5 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Bereits im Gesamtjahr 2025 war die Zahl der Firmenpleiten mit 24.064 Fällen auf den höchsten Stand seit 2014 gestiegen. Schon 2023 und 2024 hatte die Zahl der Firmenpleiten deutlich zugelegt, nachdem die staatlichen Hilfen aus der Corona-Pandemie ausgelaufen waren, die vielen Betrieben das Überleben gesichert hatten.



